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Vor einer guten Woche wurden die Uhren von der Sommerzeit auf die Winterzeit umgestellt. Spätestens seitdem ist klar: Der Herbst ist da und läutet die dunkle Winterperiode ein. Für etwa jeden Vierten hierzulande ist diese Zeit auch mit dunklen Gedanken verbunden: die Winterdepression hat Hochsaison. Doch die Lichttherapie kann helfen.

Licht beeinflusst unseren biologischen Rhythmus. Genau deshalb haben wir gerade in der dunklen Jahreszeit eine ganz besonders große Sehnsucht nach Licht. Etwa 25 Prozent aller Deutschen leiden in diesen Wochen und Monaten an einer Winterdepression. Sie fühlen sich müde, matt und energielos. Verantwortlich für den Winterblues: das Hormon Melatonin. Ausgelöst durch die Dunkelheit schüttet der Körper mehr von dem Schlafhormon aus. Steigt der Spiegel an Melatonin, ist der Mensch tagsüber wie nachts schläfrig. Zudem beeinflusst das Hormon die Psyche.
Die gute Nachricht: Die depressiven Gefühle sind leicht behandelbar – und zwar mit Licht. Durch Licht, das über den Sehnerv zum Gehirn gelangt, wird als Gegenspieler zum Melatonin vermehrt das "Glückshormon" Serotonin ausgeschüttet. Der Gehirnbotenstoff sorgt für eine bessere Stimmung, mehr Konzentration und für insgesamt positivere Impulse.

Mindestens 2.000 Lux sind nötig, damit das Licht seine physiologische Wirkung erzielen kann. Lux ist die Messeinheit für Lichtstärke. So viel nimmt man auf, wenn man an einem Frühlingstag aus dem Fenster sieht. Experten empfehlen daher mindestens einen Spaziergang in der Mittagspause gegen den Winterblues. Zudem bringen spezielle Lampen Licht ins winterliche Dunkel. Die Wirkung der Lichttherapie ist in Studien nachgewiesen. Die Lichttherapie bieten Arztpraxen und Kliniken, Wellness-Bäder oder Heilpraktiker an. Die Dauer hängt von der Lichtstärke ab und variiert zwischen 40 Minuten bei 10 000 Lux und 2 Stunden bei 2 500 Lux.
Selbst für den heimischen Gebrauch gibt es geeignete Lampen. Experten empfehlen Geräte, die etwa 10 000 Lux hell sind und vor die man sich am besten vormittags eine halbe Stunde setzt. Dabei sollte man viel Flüssigkeit zu sich nehmen, denn der Lichtreiz regt das ganze Stoffwechselsystem an. Grundsätzlich ist zudem wichtig, dass UV-Licht-Anteile, die das Auge schädigen, durch Filter unwirksam gemacht werden müssen.

Bevor die Diagnose "Winterdepression" gestellt und eine Therapie begonnen wird, sollte der Arzt andere Ursachen für die depressive Verstimmung ausschließen, wie beispielsweise eine Unterfunktion der Schilddrüse, Zuckerkrankheit oder Virusinfektion.
Auch Patienten mit Augenkrankheiten oder Patienten, die Medikamente nehmen, die eine Lichtempfindlichkeit hervorrufen, sollten sich beraten lassen. Diese Sensibilisierung für Licht wird beispielsweise durch Johanniskraut hervorgerufen. Der Arzt checkt zudem immer, ob die dunklen Gefühle einer winterbedingten Krise oder einer manifesten "Depression" zuzuordnen sind. Eine ausgeprägte Form der saisonal abhängigen Depression gilt auch als ernst zu nehmende Krankheit, die dann ärztlicher Behandlung bedarf. Dann reicht auch die Lichttherapie allein meist nicht aus. Therapeutische Gespräche und gegebenenfalls Antidepressiva gehören zur Behandlung dazu.
Wer vorbeugen will, sollte auch im Winter so oft wie möglich nach draußen gehen. Selbst ein neblig-trüber Wintertag bringt mehr Lux als Innenlampen.
Filmbeitrag: Johannes Mayer
Infotext: Beate Wagner







