Medikamenteneinnahme gegen den chronischen Husten (Quelle: rbb)

- Live-Diagnose im Studio: Chronischer Husten

Wenn der Husten nicht weggehen will, dann kann auch eine chronische Erkrankung dahinter stecken. Ein sportlicher Pensionär aus Berlin leidet seit Wochen an Atemnot mit unangenehmen Hustenattacken. Er wird sich live im Studio einem Lungenfunktions-Test unterziehen, um zu erfahren, welche medizinische Hilfe für ihn die richtige ist.

In Deutschland leiden etwa drei bis fünf Millionen Menschen an der sogenannten COPD (chronic obstructive pulmonary disease). Die englische Abkürzung steht für die chronisch-obstruktive Bronchitis mit und ohne Lungenemphysem. Die Häufigkeit dieser heimtückischen Erkrankung nimmt zu. Wichtig ist, dass die COPD früh erkannt und gezielt behandelt wird. Denn je später das passiert, desto mehr Lungengewebe wird unwiederbringlich zerstört.

Die Bronchien sind mit einer Schleimhaut ausgekleidet, die von hauchfeinen Flimmerhärchen bedeckt ist. Durch die Bewegung dieser Härchen werden eingeatmete Schadstoffe wie Staub, Abgase und andere giftige Bestandteil - wie z.B. Zigarettenrauch - nach außen befördert. Flimmerhärchen und Schleimhaut sind sehr empfindlich. Gelangen häufig Schadstoffe in die Lunge, wird die Schleimhaut gereizt. Bei immer wiederkehrenden Entzündungen wird die Schleimhaut dicker und vernarbt. Es wird vermehrt zäher Schleim produziert, der trotz heftigem Husten nicht richtig abtransportiert werden kann und die Atemwege verstopft.

Patient schaut sich Röntgenbild von seinen Lungenflügeln an (Quelle: rbb)

Wann liegt eine COPD vor?

Die Folge ist eine Bronchitis – eine Entzündung der Bronchien. Bleibt sie unbehandelt, wird die Bronchitis "chronisch-obstruktiv". Obstruktiv bedeutet verengt. Später entwickelt sich das Lungenemphysem. Dabei sind die Lungenbläschen und die ganz kleinen Atemwege (Bronchiolen) überbläht, das Lungengewebe wird zerstört.

Nach Definition der WHO liegt eine chronisch-obstruktive Bronchitis vor, wenn ein schleimig-eitriger, produktiver Husten vorliegt, der in zwei aufeinander folgenden Jahren über eine Zeitperiode von mindestens drei Monaten an den meisten Tagen auftritt. Weiteres typische Symptome einer COPD sind Luftnot und ein pfeifender Atem.

Ursächlich für die COPD ist vor allem das Rauchen von Zigaretten. Rauchen führt dazu, dass sich die Schleimhäute in den Bronchien entzünden, anschwellen und so kaum mehr Schleim abtransportieren. Aber auch andere Schadstoffe aus der Umwelt setzen dem zarten Lungengewebe zu: So schadet den kleinsten Lungenbläschen zum Beispiel auch die jahrelange Luftverschmutzung in einem Braunkohlegebiet ganz erheblich.

Oft zu spät erkannt

Die COPD wird oft viel zu spät erkannt, denn die Betroffenen gehen selten rechtzeitig zum Arzt. Die Erkrankung stellt sich im frühen Stadium oft eher zufällig heraus, wenn sich eine akute Bronchitis (also eine Bakterienentzündung) auf die verengten Bronchien gesetzt hat. Meistens macht die COPD sich im Alter von 50 - 60 Jahren bemerkbar. Sie entwickelt sich aber über viele Jahrzehnte hinweg.

Nicht selten führt langjähriges Rauchen bei älteren Patienten irgendwann zu einem erheblichen Luftmangel. Nicht selten entsteht sogar eine Behinderung durch die chronische Atemnot: Die Patienten können sich nicht mehr allein waschen, ihre Einkäufe und den Haushalt nicht mehr selbstständig erledigen. Schon bei den kleinsten Alltagsbeschäftigungen benötigen sie Sauerstoff aus der Flasche.

Die Diagnose der COPD wird anhand des klinischen Bilds, der bakteriologischen Untersuchung des Auswurfs, einem Lungenfunktionstest an einem Spirometer, einer Blutgasanalyse und dem Röntgen-Thorax gestellt. Wichtigste Diagnoseform ist die Lungenfunktionsanalyse. Dabei stellt sich häufig heraus, dass 50 bis 60 Prozent der Atemfähigkeit im Vergleich zu Gesunden verloren gegangen ist. Die Atemfunktion unter steigender Belastung analysieren die Lungenexperten durch die Lungenfunktionsanalyse am mobilen Ergospirometer auf einem Laufband.

Medikamenteneinnahme gegen chronischen Husten (Quelle: rbb)

Eine komplexe Therapie

Die Therapie der COPD ist komplex. Ziel der Behandlung ist immer, die Krankheit nicht fortschreiten zu lassen, Symptome zu lindern, die körperliche Belastbarkeit zu steigern und die Lebensqualität zu verbessern. An erster Stelle stehen präventive Maßnahmen und die Ausschaltung von Risikofaktoren. Zudem stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die allein oder kombiniert verschrieben werden.

Die Arzneien verfolgen unterschiedliche Ansätze. Inhalative Kortikoide sollen die Entzündung minimieren. Bronchodilatatoren ebenso wie die Anticholinergika und Beta-2-Sympathomimetika führen über verschiedene Mechanismen dazu, dass das Lungengewebe sich weitet und mehr Fläche zum Gastaustausch zur Verfügung steht. Sogenannte Mukopharmaka sollen den Schleim lösen. Bei sehr ernsten Verläufen werden chronisch Lungenkranke sogar operiert oder ihnen wird eine fremde Lunge transplantiert.

Die medikamentöse Therapie ist jedoch oft nicht gut wirksam. Besonders wichtig ist daher auch eine Atemtherapie: Sie stärkt die Muskulatur und fördert den Schleim nach außen. Zusätzlich sollten die Patienten sich körperlich betätigen: Das verbessert ihre generelle Belastbarkeit, reduziert die Atemnot und Ermüdung. Oft aber meiden sie körperliche Aktivitäten aus Angst vor Atemnot. Dadurch kommt es zu einer Abnahme der Muskelmasse, der Muskelkraft, der körperlichen Belastbarkeit und zu einer weiteren Verschlechterung der Lungenfunktion.

Menschen mit COPD sollten gerade jetzt in der Winterzeit aufpassen: bei jeglicher Infektion der Atemwege ihren Arzt aufsuchen. Denn eine bakterielle Infektion kann bei COPD-Patienten eher als bei gesunden Menschen eine Antibiotikabehandlung nötig machen.



Infotext: Beate Wagner
Filmbeitrag: Erika Brettschneider

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