Grafik: Implantierbarer Gehstimulator an einem Bein (Quelle: rbb)

- Implantierbarer Gehstimulator

Wenn nach einem Schlaganfall das Gehen schwer fällt, weil Muskeln teilweise oder ganz gelähmt sind, kann ein brandneues technisches Hilfsmittel helfen: Der implantierbare Gehstimulator, der die Bewegung des gelähmten Beines durch einen Fußschalter beim Auftreten durch einen elektrischen Impuls unterstützt.

Experten nennen den Schlaganfall die Epidemie des 21. Jahrhunderts: Mittlerweile zählt er zu den häufigsten Erkrankungen in den Industrienationen. Weltweit stellt er die zweithäufigste Todesursache dar. Knapp 270.000 Schlaganfälle ereignen sich pro Jahr in Deutschland, etwa 200.000 davon zum ersten Mal. Fast eine Million Bundesbürger leiden an den Folgen dieser Erkrankung. Etwa jeder zweite Schlaganfall-Patient bleibt nach dem Ereignis dauerhaft behindert und ist auf fremde Hilfe angewiesen.

In den meisten Fällen entsteht der Schlaganfall, wenn eine Hirnarterie durch ein Blutgerinnsel verstopft, wenn also schlagartig die Durchblutung im Gehirn gestört wird. Das Gerinnsel kann sich in dem Hirngefäß selbst bilden. Es kann aber auch durch Herzrhythmusstörungen oder durch Ablagerungen in der Halsschlagader entstehen. Seltener kommt es zum Hirnschlag – wenn im Gehirn plötzlich ein Gefäß platzt und Blut in das umliegende Gewebe austritt.

Grafik: Implantierbarer Gehstimulator (Quelle: rbb)

Neue Hoffnung für Schlaganfall-Patienten durch Gehstimulator

Die Folgen der folgenden zerebralen Minderdurchblutung variieren, je nachdem, wo, wie lange und wie stark das Gehirn geschädigt wird. Typisch sind Lähmungen wie zum Beispiel ein schleppender Fuß, motorische Ausfälle, Sprachstörungen.

Für Schlaganfallpatienten, die nach dem Schlaganfall beispielsweise unter einer sogenannten Fußheberschwäche leiden und auf den Rollstuhl angewiesen sind, bietet sich nun eine neue Hoffnung: Ein implantierbarer Gehstimulator, der die unzureichende Kontrolle der Fußhebung während des Gehens kompensiert. Bei der Fußheberschwäche kann der Patient den Fuß nur noch inadäquat während des Gehens anheben. Der Patient verbessert durch den Gehstimulator sein bestehendes Gangbild und erlangt auf diese Weise weitestgehend einen beständigen und sicheren Gang wieder.

Die Neuheit funktioniert wie folgt: Wenn der Patient den Hacken hebt, sendet ein Fußschalter drahtlos ein Signal an einen Empfänger. Dieser leitet den Impuls weiter an den implantierten Stimulator. Der Fußheber-Nerv bekommt so elektrische Impulse, die er an den zuständigen Muskel weiterleitet. Der Fuß hebt und senkt sich nun wie beim normalen Gangbild – und fast wie vor dem Schlaganfall.

Schneller und mehr Sicherheit

Nach Aussagen des Herstellers beweisen wissenschaftliche Studien, dass dieser Gangstimulator zur signifikanten Steigerung der Gehgeschwindigkeit und der Gehsicherheit führt. Das System habe einen direkten positiven Effekt auf die Lebensqualität des Patienten: Mehr Sicherheit beim Gehen, die Patienten könnten schneller ihre früheren Aktivitäten wieder aufnehmen.

Der kleine Stimulator kann im Oberschenkel unter die Haut implantiert werden. Die Implantation kann sowohl unter Vollnarkose als auch Spinalanesthesie durchgeführt werden. Um den Gehstimulator regelrecht einpflanzen zu können, müssen die Operateure aber einen bestimmten Nerv, den Fußheber-Nerv freilegen – eine neurochirurgische Herausforderung. Derzeit implantieren nur zwei Kliniken – eine in Dreseden und eine in Göttingen - in einer etwa dreistündigen Operation den Stimulator.

Grafik: Fußschalter am Fußgelenk (Quelle: rbb)

Es müssen einige Kriterien erfüllt sein, um das Gehstimulatorsystem implantieren zu können:

1. Es muss eine Fußheberschwäche als Konsequenz einer Halbseitenlähmung nach einem Schlaganfall vorliegen.
2. Die passive Bewegung des oberen Sprunggelenks der betroffenen Seite muss mindestens 30 Grad erreichen.
3. Der Patient muss die Entfernung von 20 Metern mit oder ohne Hilfsmittel, aber ohne Hilfe von anderen Personen in weniger als 2 Minuten gehen können.
4. Die maximale Gehgeschwindigkeit lieget unter 1,2m/sek.

Nach der Implantation und Wundheilung wird der Stimulator auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten angepasst. Der Patient trainiert zudem Muskeln, Gelenke, Bänder – denn alle Strukturen des Beines müssen sich schließlich auf den richtigen, den stimulierten Gang einstellen.


Infotext: Beate Wagner
Filmbeitrag: Cornelia Fischer-Böroldt


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