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Ob die Anzahl der psychischen Erkrankungen in Deutschland wirklich zunimmt, ist umstritten. Sicher ist jedoch: Nicht jeder, der eine Therapie braucht, findet einen Therapeuten. Die rbb Praxis gibt Tipps, wie man schnell Hilfe bekommt. Und auch, wann welche Behandlung der richtige Weg ist.
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Wie findet man eine geeignete Therapie?
Mittlerweile gibt es – auch in Berlin und Brandenburg – mehrere sogenannte "psychiatrische Institutsambulanzen" (PIA), welche die langen Wartezeiten mit stützenden Angeboten überbrücken sollen. Zudem vermitteln die Psychotherapeutenkammer oder der Berliner Krisendienst Therapieplätze und machen Hausbesuche.
Für Suchende gilt zudem: Ist es nicht möglich bei einem Psychotherapeuten einen Termin zu bekommen, sollte man sich Namen der Angefragten und Datum der Kontaktaufnahme genau notieren. Bei der Krankenkasse können die Patienten dann eine Psychotherapie bei einem psychologischen oder ärztlichen Psychotherapeuten ohne Kassenarztsitz beantragen. Die Kosten trägt die Kasse.
Was ist das Ziel einer Psychotherapie?
Psychotherapie ist nicht gleich Psychotherapie. Es gibt verschiedene Ansätze und Schulen:
1. So eignet sich beispielsweise die Verhaltenstherapie, wenn konkrete Lösungen im Hier und Jetzt gefragt sind, wenn der Patient also in der Behandlung lernen soll, mit seinem Problem täglich umzugehen und sich das eigene Verhalten klarzumachen. Die Verhaltenstherapie eignet sich nachweislich gut bei Ängsten und Zwängen. Sie arbeitet mit praktischen Übungen. So fährt der Patient beispielsweise in Begleitung des Therapeuten wieder Bus, er konfrontiert sich mit seinem Problem. In den Gesprächen der VT sitzen sich Psychotherapeut und Patient gegenüber. Die Anzahl und Frequenz der Therapiesitzungen und Übungen werden je nach Störung zwischen Patient und Therapeut vereinbart. Die Behandlung dauert in der Regel 6 bis 12 Monate, bei Bedarf auch länger.
2. Die Psychoanalyse hingegen arbeitet tiefere Ursachen von Problemen und frühkindliche Ereignisse auf. Der Bezug zum Alltag ist hier nur insofern gegeben, als dass der Patient neue Einsichten bekommt, um aktuelle Probleme aus seiner Vergangenheit heraus zu verstehen und zu bewältigen. Die analytische Psychotherapie findet in der Regel im Liegen statt, ohne Blickkontakt zum Therapeuten. So ist der Patient in seinen Gedanken und Gefühlen freier und kann sich mehr seiner inneren Welt und inneren Bildern zuwenden.
3. Eine aus der klassischen Psychoanalyse abgeleitete Therapieform ist die tiefenpsychologisch fundierte Therapie (TP). Mit der auf Sigmund Freud (1856 – 1939) zurückgehenden Psychoanalyse teilt die TP die Theorien über das Entstehen von psychischen Krankheiten. Im Gegensatz zur Psychoanalyse erhält der Patient auch Ratschläge vom Therapeuten.
Welches Therapieverfahren sich wann am besten eignet, ist in der Fachwelt umstritten und wurde bisher kaum in Studien überprüft. Ebenso wenig hat die Wissenschaft die einzelnen Verfahren bisher miteinander verglichen. Neben der Psychoanalyse, der tiefenpsychologisch fundierten Therapie (TP) und der Verhaltenstherapie sind auch die der Gesprächspsychotherapie und die Systemische Therapie wissenschaftlich anerkannt. Die beiden letzteren werden aber nicht von der Kasse bezahlt.
Kommt es zu einem ersten Kontaktgespräch beim Psychotherapeuten, halten diese mehrere sogenannte probatorische Sitzungen ab. Das Ziel der Kennenlernphase: Der Patient soll genau wie der Therapeut schauen, ob man gut miteinander klarkommt. Denn nachgewiesen ist: Nicht allein das Verfahren ist für den Behandlungserfolg entscheidend. Auch die Chemie zwischen Patient und Therapeut muss stimmen.
Infotext: Beate Wagner
Autor: Bert Ostberg







