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Wenn die Hauptschlagader verletzt ist, geht es oft um Leben und Tod. Im schlimmsten Fall verbluten Patienten schon nach Minuten. Die rbb Praxis zeigt, wie Ärzte im Helios-Klinikum Bad Saarow mithilfe von hochmodernem Notfallmanagement Leben retten.
Die Aorta ist das größte, arterielle Blutgefäß im menschlichen Körper. Durch diese so genannte Hauptschlagader des Körpers fließen etwa 300 Liter Blut pro Stunde, es transportiert sauerstoffreiches Blut aus dem linken Herzventrikel zu den Organen. Vom Herzen schlängelt sich die Aorta als Aortenbogen durch den Brustraum (Aorta thoracica), um sich dann als Aorta abdominalis in den Bauchraum zu bewegen.
Die gesunde Aorta hat eine elastische, mehrschichtige Gefäßwand – eine innere Gefäßzellschicht, eine mittlere Muskelschicht und eine bindegewebige Außenschicht. Das Gefäß ist durchschnittlich 2,5 - 3,5 cm dick. Durch angeborene Fehlbildungen oder erworbene Störungen wie Bluthochdruck, Rauchen und Arteriosklerose kann es dazu kommen, dass sich die Gefäßwand der Aorta weitet oder sich zwischen den Schichten ein Hohlraum bildet.
Bei einem Aneurysma handelt es sich um eine örtlich begrenzte Erweiterung einer Schlagader (Arterie). Diese Aussackung bleibt dauerhaft bestehen, sie sieht spindel- oder sackförmig aus. Am häufigsten tritt das Aneurysma im Bauchraum auf (Bauchaortenaneurysma). Definitionsgemäß wird eine Erweiterung der Bauchschlagader über drei Zentimeter und der Beckenschlagader über zwei Zentimeter als Aneurysma klassifiziert.

Mit dem Durchmesser steigt der Druck
Der Durchmesser der Aorta steigt durch die Aussackung immer weiter an, die Wandspannung erhöht sich. Irgendwann reißt die Wand und es kann zu einer schweren Blutung kommen. Zudem bilden sich in Aneurysmen der Bauchaorta sowie der Arm- und Beinarterien, meist Blutgerinnsel (Thromben). Lösen sie sich ab, gelangen sie mit dem Blutstrom in andere Gefäßabschnitte und verschließen diese.
Eine Aortendissektion (Aneurysma dissecans) nennen Ärzte hingegen die Situation, bei der es durch eine „Wühlblutung“ zu einem Einriss der inneren Gefäßschicht kommt.
Durch den Blutstrom hebt sich die mittlere Muskelschicht von der inneren Gefäßschicht der Aorta ab. Es entsteht somit im Inneren der Aorta eine zweite Höhle (Lumen), in der Blut fließt. Etwa so, als würde in einem Rohr Wasser austreten, das aber nicht nach draußen fließt sondern sich einen Weg zwischen die zwei äußeren Blechschichten der Rohrwand bahnt. Der Blutfluss im diesem "falschen" Lumen kann die ursprüngliche Blutbahn so stark zusammendrücken, dass hier nur noch wenig Blut fließt. Das kann zu Durchblutungsstörungen wie zum Beispiel Nierenversagen, Schlaganfall oder peripheren Durchblutungsstörungen führen. Meist entsteht eine Aortendissektion auf Grund von Arteriosklerose. Denn durch die arteriosklerotischen Plaques reißen die einzelnen Schichten der Gefäßwand ein – und das Blut kann sich zwischen die einzelnen Schichten begeben.

Man kann Aneurysma dissecans in verschiedene Typen einteilen. Diese berücksichtigen die Lage des Aneurysmas im Verlauf der Aorta. Nach Stanford lässt sich der Typ A vom Typ B unterscheiden. Bei Typ A befindet sich das Aneurysma im Bereich der aufsteigenden Aorta und dem Aortenbogen. Bei Typ B ist die absteigende Aorta betroffen.
Nicht selten bleibt ein Aneurysma über Jahre ohne Beschwerden. Macht es sich irgendwann bemerkbar, äußern Patienten starke Schmerzen im betroffenen Gefäßbereich. Beim Bauchaortenaneurysma sind heftige Schmerzen in den Flanken ausstrahlend in den Rücken bis in die Beine typisch. Ein Aneurysma im Brustraum äußert sich eher durch Schluckbeschwerden, Husten, Heiserkeit, Atembeschwerden oder Durchblutungsstörungen in den Armen. Auf ein Herzwandaneurysma können die Anzeichen einer Herzschwäche sowie Herzrhythmusstörungen hinweisen.
Ärzte diagnostizieren Aneurysmen mit Hilfe einer Ultraschall-Untersuchung. Sie stellt eine zuverlässige, schonende, schmerzlose sowie kostengünstige Untersuchungsmethode dar. Bei Patienten, die keine Beschwerden haben, das Aneurysma aber im Ultraschall einen Querdurchmesser von fünf Zentimeter erreicht hat (bei Frauen ab 4,5 cm), ist eine zusätzliche CT Untersuchung der Bauchaorta notwendig. Wächst die Bauchaorta mehr als 0,5 Zentimeter pro Jahr, stellt das ebenfalls eine klare Indikation für eine CT Untersuchung dar. Idealerweise wird in den meisten Gefäßzentren ein Spiral-CT durchgeführt.

Nicht jedes Aneurysma muss sofort operiert werden
Die Behandlung der Aneurysmen hängt davon ab, wie groß sie sind, von welcher Art und wo sie sich befinden. Aneurysmen ohne Beschwerden müssen nicht sofort operiert werden, symptomatische Aneurysmen sollten hingegen innerhalb von 24 Stunden versorgt werden. Gerissene Aneurysmen müssen sofort operiert werden. Aneurysmen, die sich im Brustraum ereignen und die Herztätigkeit tangieren, müssen in einem herzchirurgischen Zentrum versorgt werden. Die Aortendissektion muss zudem meist umgehend operiert werden.
Grundsätzlich stehen zwei Verfahren zur Verfügung: Bei der offenen Operation ersetzen die Ärzte die ausgeweitete Bauchschlagader durch eine Kunststoffprothese. Zunächst klemmen sie am offenen Bauch dafür die Gefäße ober- und unterhalb der Ausweitung ab und nähen eine rohrförmige Gefäßprothese anstelle des Aneurysmas ein. Ist die Beckenschlagader ebenfalls betroffen oder stark verkalkt, kann diese in der gleichen Operation mit einer sogenannten Y-Prothese behandelt werden.
Alternativ kommt die endovaskuläre Stentprothese zum Einsatz. Die Gefäßstütze führen die Ärzte über zwei kleine Schnitte in der Leiste in das Gefäß ein und platzieren es dann unter Röntgenkontrolle im Aneurysma. Folglich strömt das Blut durch die Prothese statt durch das Aneurysma. Diese Gefäßstütze legt sich komplett an die Aortenwand an, so dass die verletzen Gefäßwand gestützt und nach außen abgedichtet wird. Bei der Aortendissektion haben die Patienten eine Chance von 50 Prozent, die Erkrankung und den Eingriff zu überleben. Dank modernster Gefäßmedizin können sie dann aber danach einen fast normalen Alltag leben.

Die "endovaskuläre Stentprothese" stellt für allem für ältere und kränkere Menschen das schonendere Verfahren dar. Durch Vermeidung einer Eröffnung des Bauchraums und eines Abklemmens der Hauptschlagader ist es weniger risikoreich. Aus anatomischen Gründen ist der Stent allerdings nicht für jeden Patienten geeignet und muss sorgfältig durch das im Vorfeld durchgeführte CT geplant werden.
Nach der Stentoperation sollten Patienten etwa zwei Wochen warten, dann sind sie keinen Einschränkungen mehr unterworfen. Die offene Operation erfordert einen relativ langen Bauchschnitt, der zwar nach ebenfalls zwei bis drei Wochen abgeheilt, aber dann noch nicht völlig stabil ist. Die Belastung der Bauchdecke sollte daher für drei Monate auf ein Minimum reduziert werden, vor allem ruckartige Belastungen sind zu vermeiden. Die Lebenserwartung wird nach erfolgreicher Therapie durch die Begleiterkrankungen wie beispielsweise die Arteriosklerose beeinflusst.
Filmbeitrag: Cornelia Fischer-Börold
Infotext: Beate Wagner








