Trainingsübung gegen Hüftschmerzen (Quelle: rbb)

- Hüftschmerzen - wie findet man die richtige Therapie?

Es schmerzt – aber ist es die Hüfte oder die untere Wirbelsäule? Die Suche nach der richtigen Diagnose endet oft in einer Ärzteodyssee.

Das Hüftgelenk besteht aus dem Oberschenkelkopf und der Hüftpfanne. Eine schützende Schierschicht dazwischen verhindert, dass die Strukturen direkt aufeinander reiben. Bei der Coxarthrose ist diese schützende Knorpelschicht teilweise oder ganz abgetragen. Coxarthose ist der medizinische Fachausdruck für die Arthrose des Hüftgelenks. Der häufigste Grund für diesen Verschleiß ist das zunehmende Alter. Ab 65 Jahre leiden etwa zwei Prozent der Bevölkerung an der Coxarthrose.

Spezialisten unterscheiden drei Stadien der Coxarthrose

Im ersten Stadium kann es zu stechenden Schmerzen kommen, wenn der Betroffene schwere Lasten hebt oder Treppen steigt. Betroffene, die unter der Hüftarthrose im zweiten Stadium leiden, haben oft schon Schmerzen, wenn sie nach dem Sitzen einige Schritte gehen. Experten nennen das den so genannten Anlaufschmerz. Die Ursache: Der Knorpel zwischen Pfanne und Gelenkkopf ist schon deutlich abgebaut und geschädigt, die Knochen verdichten sich zunehmend. Im dritten Stadium haben die Patienten auch in Ruhe starke Schmerzen. Die Knochen im Hüftgelenk reiben direkt aufeinander und sind stark deformiert. Das Gelenk versteift zunehmend. Ohne Operation wird das Leben für viele Betroffene oft zur Qual.

Hüftschmerzen können aber auch viele andere Ursachen als den Altersverschleiß haben. Angeboren ist beispielsweise die sogenannte Hüftdysplasie. Dabei sind der Rand der Gelenkpfanne und der Knorpel nicht voll ausgebildet – der Gelenkkopf kann jederzeit nach oben aus der Pfanne herausrutschen. Von Geburt an müssen die betroffenen Kinder so breit wir möglich gewickelt werden, damit die Hüftpfannen sich ausbilden. Zudem hilft eine sogenannte Pavlik-Bandage den noch nicht voll entwickelten Hüftgelenken beim "Nachreifen". Diese "Spreizhose" müssen die Kinder mindestens drei Monate tagsüber wie nachts tragen.

Treten bei erwachsenen Menschen Hüftschmerzen auf, ohne dass das Gelenk bereits verschleißt ist, können eine Gewichtszunahme, eine Schwangerschaft oder eine körperliche Überbelastung der Grund sein.

Häufig verbergen sich aber auch muskuläre Probleme dahinter. An der Bewegung der Hüfte und des Beckens sind zahlreiche Muskeln beteiligt. Sie können bewegungsabhängige Schmerzen entwickeln, Hauptursache dafür sind Fehlbelastungen. Sie können zum Beispiel von einer einseitigen Beckenfehlstellung herrühren. Wird sie nicht behandelt, kommt es langfristig zu unterschiedlicher Kraftübertragung auf die Beine – das Ergebnis ist eine Mehrbelastung der Muskulatur und Schmerzen. Zudem entstehen Muskelverspannungen auch durch eine suboptimale Haltung bei einem vorgekrümmten Rücken oder einer Überbelastung der Muskulatur mit Muskelverhärtungen. Hüftprobleme bei jüngeren Patienten sind häufig das Ergebnis von solchen muskulären Dysbalancen.

Seltener ist das Hüftgelenk eingeengt (Impingementsydrom) oder es kommt zu einer sogenannten "schnappenden Hüfte" (Coxa saltans). Beim Impingementsyndrom sind die Knochen vermehrt aufeinander gepresst; häufig strahlen diese Schmerzen auch in die Leiste aus. Bei der schnappenden Hüfte kommt ein Strang der seitlichen Muskelfaszie über den Knochenvorsprung des Oberschenkelknochens zu liegen. Weiterhin können eine Schleimbeutelentzündung, eine Nervenkompression oder Verletzungen durch Unfälle oder nach operativen Eingriffen die Hüfte betreffen und sich schmerzhaft äußern. Auch Stoffwechselerkrankungen mit Durchblutungsstörungen des Hüftkopfes wie beispielsweise Diabetes mellitus oder hormonelle Veränderungen wie bei der Schilddrüsenunterfunktion oder der Menopause können sich durch Hüftbeschwerden zeigen. Nicht selten äußert sich auch ein Bandscheibenvorfall mit ausstrahlenden Schmerzen in der Hüfte.

Bestehen die Probleme über längere Zeit, gesellen sich nicht selten durch Schonhaltung außerdem noch Schmerzen in den nächstfolgenden Gelenken wie im Kreuz-Darmbein oder im Knie hinzu.

Oft stimmt die Diagnose nicht

Oft führen so die Hüftschmerzen dazu, dass die falsche Diagnose gestellt wird. Das passiert beispielsweise, wenn sich eine Arthrose im Hüftgelenk gar nicht vorrangig durch Schmerzen im Gelenk bemerkbar machen sondern am Rücken oder an den Knien. Dann erkennen Ärzte beispielsweise eine vermeintlichen Bandscheibenproblematik, obwohl eigentlich eine Coxarthrose hinter den Rückenschmerzen steckt. Oder sie diagnostizieren eine Arthrose, dabei liegt wirklich ein Bandscheibenproblem vor. Das eigentliche Problem wird daher über längere Zeit nicht erkannt – nicht selten nehmen die Patienten stattdessen extrem viele Schmerzmedikamente.

Die Behandlung der Coxarthose wie auch der muskulär bedingten Hüftprobleme erfolgt zunächst physiotherapeutisch, genauer manual-therapeutisch. Dabei lockert der Physiotherapeut zum Beispiel die Muskulatur am Oberschenkel und senkt so den Druck auf das Hüftgelenk. Osteopathisch kann er zudem den verspannten Bereich der Wirbelsäule mobilisieren, was ebenfalls die Hüften entlastet.

Der Begriffe Osteopathie beschreibt im Bereich der Alternativmedizin verschiedene Krankheits- und Behandlungskonzepte. In Europa werden darunter unterschiedliche Befunderhebende und therapeutische Verfahren verstanden, die manuell, also mit den bloßen Händen des Behandlers, ausgeführt werden. Die Bezeichnungen "Manuelle Medizin", "Manualtherapie", "Chirotherapie" und "Chiropraktik" werden teils synonym gebraucht. Wirkungsnachweise gibt es nur für wenige der Indikationen, die der Osteopathie zugeschrieben werden.

Für das tägliche Training zuhause zeigt der Physiotherapeut dem Patienten andere leicht umsetzbare Übungen. So können Betroffene beispielsweise ihr Hüftgelenk mobilisieren, wenn sie sanft das Bein hin und her schwingen. Auch das Theraband kann helfen, verschiedenen Muskelgruppen zu koordinieren und so die durch Schmerzen entstandene Dysbalance in der Muskulatur zu überwinden. Viele Patienten können den operativen Eingriff mithilfe individuell zugeschnittener physiotherapeutischer Maßnahmen und schmerzstillenden Medikamenten herauszögern. Nicht selten steht am Ende aber dennoch oft das künstliche Hüftgelenk.

Die Qual der Wahl

Jedes Jahr erhalten in Deutschland etwa 200.000 Menschen ein künstliches Hüftgelenk. Hüftoperationen gehören heute zu den chirurgischen Eingriffen mit den höchsten Erfolgsquoten. In der Regel hält eine Prothese 12 bis 15 Jahre, oftmals aber auch länger.
Indiziert ist ein neues Gelenk, wenn ein starker Bewegungs- oder Ruheschmerz besteht. Dann sollte man nicht zu lange warten, denn die "Schonhaltung" beeinträchtigt die Funktion der Muskeln und Bänder und das kann die postoperative Rehabilitation erschweren.

Filmbeitrag: Bert Ostberg
Infotext: Beate Wagner

Stabilisation des Hüftgelenks durch eine Physiotherapeutin, Quelle: imago

Hüftschmerzen und Bewegung

Bei Hüftschmerzen versuchen Betroffene oft, das Hüftgelenk in einer schonenden Stellung zu halten. Dadurch nimmt jedoch nicht nur die Beweglichkeit des Gelenks ab, auch die Muskulatur wird aufgrund der mangelnden Bewegung geschwächt. Ein Teufelskreis beginnt. Welche Bewegungsformen und Sportarten bei Hüftschmerzen geeignet sind - auch nach einer Hüftgelenk-Operation, erklärt rbb PRAXIS.

weitere Themen der Sendung

Grafik: Aorta-Riss (Quelle: rbb)

Notfall Aorta-Riss

Wenn die Hauptschlagader verletzt ist, geht es oft um Leben und Tod. Im schlimmsten Fall verbluten Patienten schon nach Minuten. Die rbb Praxis zeigt, wie Ärzte im Helios-Klinikum Bad Saarow mithilfe von hochmodernem Notfallmanagement Leben retten.

Senioren beim Skypen (Quelle: rbb)

Hilft Spielen gegen Demenz?

Das Seniorenpflegeheim DOMICIL – Am Schlosspark in Berlin macht den Versuch: 40 Demenzkranke spielen mit modernen Tablets Quiz – die kognitive Aktivierung soll die für die Krankheit typische innere Unruhe reduzieren. Klar ist jetzt schon: das Spielen macht den Senioren Spaß.

Stimmen im Kop (Quelle: rbb)

"Stimmen im Kopf" - ein Lehrstück zum Umgang mit psychisch Kranken

Immer mehr Menschen leiden unter psychischen Erkrankungen: Depression, Schizophrenie, Border-Line. Was geht in ihnen vor? Wie können wir sie verstehen? Das Musical "Stimmen im Kopf" entführt auf amüsante Weise in ihre "verrückte Welt". Die rbb Praxis sprach mit einem Psychiatriepatienten, der an der Entstehung des Stückes beteiligt war.