Mutter hält dem Sohnemann eine Duftkerze unter die Nase (Quelle: rbb)

- Riechstörung

Eine chronisch entzündete Nase kann die Freude in der Adventszeit trüben, denn wer von den Köstlichkeiten daheim und auf den Weihnachtsmärkten nichts riecht, kann es auch kaum genießen.

Die Adventszeit hat begonnen, überall duftet es nach frischer Tanne, Gebäck, Blutorange, Weihrauch oder Gansbraten – ein Fest für unseren Geruchssinn. Jedes Jahr erfreuen sich Millionen Menschen an den typischen und besonderen Düften der Weihnachtszeit. Etwa 80.000 Deutsche haben davon aber gar nichts. Denn so viele Menschen werden jährlich hierzulande aufgrund von Geruchsstörungen behandelt. Experten unterscheiden bei der sogenannten Dysosmie sinunasale oder nicht sinunasale Ursachen.

Sinunasale Geruchsstörungen entstehen durch Erkrankungen der Nase oder ihrer Nebenhöhlen. Das eigentliche olfaktorische System – also die Riechzellen in der Riechschleimhaut (Riechepithel) sowie die Riechbahn – ist dabei nicht direkt betroffen. Jeder kennt das Gefühl, plötzlich nichts mehr zu riechen. Die vorübergehende Geruchsstörung ist meist Begleiterscheindung einer Erkältung. Meist erholt sich der Geruchssinn, wenn der Schnupfen nachlässt. Klingt die Erkältung aber nach vier bis sechs Wochen nicht ab oder kann man dann immer noch nicht wieder richtig riechen, sollte man sich dem HNO-Arzt vorstellen.

Nasenscheidewand (Quelle: rbb)

Ein häufiger Grund für eine ausgeprägte Riechstörung ist nämlich die chronische Nasennebenhöhlenentzündung. Dabei ist oft auch der Zugang zur Riechspalte verlegt. So bezeichnet man eine spezielle Schleimhautauskleidung entlang des oberen Nasenganges, die mehr als zehn Millionen Riechzellen enthält.

Jede dieser Zellen mündet in einen Riechknopf, der von etwa fünf winzigen Riechhärchen besetzt ist und welche die gelösten Duftmoleküle aufnehmen. So wird die Sinneszelle dazu veranlasst, einen Nervenimpuls zu erzeugen. Die Riechnervenfasern leiten den Impuls weiter zum Riechkolben. Von dort werden die Geruchsreize den verschiedenen Gehirnzentren übermittelt, in denen die Gerüche bewusst wahrgenommen werden.

Neben der chronischen Nasennebenhöhlenentzündung können sinunasale Geruchsstörungen auch durch nicht-infektiöse Entzündungen wie zum Beispiel Allergien, Polypen der Nase oder toxischen Reizungen entstehen.

Nicht sinunasale Geruchsstörungen hingegen entstehen beispielsweise durch Tumoren, eine Hirnhautentzündung oder als Medikamentennebenwirkung, durch Kopfverletzungen oder den Kontakt mit Reizstoffen. Der Verlust des Riechsinns kann auch ein Indikator für neurodegenerative Störungen wie Parkinson oder Alzheimer sein.

Nasenoperation (Quelle: rbb)

Bei einer Geruchsstörung behandeln die Ärzte immer entsprechend der jeweiligen Ursache. In einigen Fällen verschwindet die Geruchsstörung nach einiger Zeit von allein. Sind anatomische Veränderungen in der Nase wie zum Beispiel eine Verkrümmung der Nasenscheidewand der Grund, korrigiert der Chirurg sie in einer Operation.

Dabei geht er mit einem Endoskop ins Naseninnere und säubert die Schleimhaut der Nasen- sowie der Nasennebenhöhlen. Oft begradigt er außerdem die Nasenscheidewand, damit Düfte kein Hindernis mehr haben auf ihrem Weg zu den Riechzellen. Vor dem Eingriff misst der Experte die Nasenatmung und stellt beim Riechtest fest, wie gut der Patient Gerüche überhaupt noch wahrnehmen kann.

Riechstörung (Quelle: rbb)

Dabei prüft er unter anderem sieben Duftklassen: blumig, ätherisch, moschusartig, campherartig, faulig, schweißig oder stechend. Ein gesunder Mensch kann mehr als 10.000 verschiedene Duftnoten unterscheiden. In der Parkklinik Weißensee bieten die Hals-Nasen-Ohrenärzte ihren Patienten mit Riechstörungen ein Riechtraining an. Sie setzen dabei die sogenannte Riechorgel mit vielen Testgerüchen aus Fläschchen ein.

Der wissenschaftliche Hintergrund dieser therapeutischen Maßnahme basiert auf Befunden am Tier und am Menschen. Sie zeigen, dass der Mensch in der Lage ist, im Bereich der Reichschleimhaut auch neue Riechrezeptoren zu bilden. So kann das Riechvermögen verbessert werden, es können also Düfte besser und genauer unterschieden werden.

Von dem Riechtraining, auch Riechgymnastik genannt, profitieren beispielsweise Patienten, bei denen eine Sinusitis bereits operativ behandelt oder bei denen ein Tumor entfernt wurde. Sinnvoll ist es solche ein Riechtraining über mehrere Wochen zunächst unter Anleitung, dann aber auch zu Hause weiterzuführen. Durch gezieltes Riechen einer ganz spezielle abgestimmt Kaskade an Duftqualitäten kann die Riechfunktion trainiert werden.

Filmbeitrag: Cornelia Fischer-Börold
Infotext: Beate Wagner

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