Ein Mann liegt im künstlichen Koma (Quelle: rbb)

- Künstliches Koma

Je nach Bedarf dauert ein künstliches Koma Stunden, Tage oder gar Wochen. Mit welchen Folgeschäden der Patient wieder aufwacht, hängt in erster Linie vom Ausmaß der zugrunde liegenden Verletzung ab – und nicht vom künstlichen Koma selbst.

Samuel Koch wurde nach seinem schweren Unfall bei "Wetten dass" ins künstliche Koma versetzt ebenso wie Ex-'DSDS'-Star Anna-Maria Zimmermann nach ihrem Hubschrauberabsturz. Der prominenteste Patient im künstlichen Koma ist derzeit Michael Schumacher. Dass seine Ärzte den ehemaligen Rennfahrer in den Zustand der tiefen Bewusstlosigkeit brachten, ist eine der wichtigsten medizinischen Maßnahmen. Das künstliche Koma ist bei Patienten nach schweren Unfällen, traumatischen Hirnverletzungen oder anderen schweren Erkrankungen ein gängiges Prozedere.

Allerdings ist der Begriff "künstliches Koma" irreführend, denn die Patienten sind eigentlich narkotisiert. Die verwendeten Medikamente sind die gleichen wie bei der operativen Narkose: Schlaf-, Beruhigungs- und Schmerzmittel, Psychopharmaka und Narkotika. Während der Narkose müssen die Patienten beatmet werden; Medikamente stabilisieren Blutdruck und Kreislauf. Manche Patienten werden im künstlichen Koma zusätzlich gekühlt. Durch diese Maßnahme läuft der Stoffwechsel noch langsamer ab und der Sauerstoffverbrauch sinkt zusätzlich. Die Körpertemperatur der Patienten liegt zwischen 32 und 35 Grad Celsius statt der bei gesunden Menschen üblichen 37 Grad.

Bei Patienten mit schweren Hirnverletzungen hilft der "Tiefschlaf", den Druck auf das Hirn zu senken. Stoffwechsel und Sauerstoffverbrauch des Gehirns werden auf ein Minimum gesenkt. Weitere Gehirnfunktionen wie Schmerz, Stress und Angst sind dadurch gedrosselt; unwillkürliche Bewegungen, mit denen sich der Patient Verletzungen zufügen könnte, werden ausgeschaltet.

"Nebenwirkungen" künstliches Koma

Durch das lange Liegen und die künstliche Beatmung können Infektionen – insbesondere eine Lungenentzündung – und Thrombosen auftreten. Langfristig kann das Immunsystem geschwächt werden sowie Blutdruckregulationsstörungen auftreten. Wie schnell sich ein Patient von seinem künstlichen Koma erholt, hängt von der Schwere der Verletzung, seinem Gesundheitszustand vor dem Krankheitsereignis und seinem Alter ab. Um den Patienten aufwachen zu lassen, drosseln die Ärzte die narkotisierenden Medikamente nach und nach.

"Echtes" Koma

Rund 35.000 Menschen fallen in Deutschland jedes Jahr ins Koma – oft für Monate, manchmal für Jahre. Auslöser sind schwerste Schädel-Hirn-Verletzungen wie durch einen Unfall oder einen Schlaganfall. Nach Schätzung der Deutschen Wachkomagesellschaft verharren derzeit etwa 10.000 Menschen in einer Welt zwischen Leben und Tod.

Anders als beim künstlichen Koma lässt sich die Dauer und Tiefe des "echten" Komas durch ärztliche Maßnahmen nicht beeinflussen. Das echte Koma zeigt an, dass das Großhirn in seiner Funktion schwer, oft sogar lebensbedrohlich gestört ist. Selbst starke Reize wie Licht und Schmerzen rufen beim Patienten keine Reaktion hervor.

Man nimmt an, dass das Koma eine Schutzreaktion des Körpers bei lebensbedrohlichen Verletzungen und extremen Schmerzen ist, die ein Mensch bei vollem Bewusstsein nicht ertragen würde. Ob der Patient wieder aufwacht oder nicht, hängt ausschließlich davon ab, wo und in welchem Ausmaß das Gehirn geschädigt wurde.

Filmbeitrag: Ursula Stamm
Infotext: Constanze Löffler

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