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Der ehemalige Kampfsportler Olaf Lehnert sieht aus, als könnte ihm nichts und niemand etwas anhaben. Doch Lehnert zögert, wenn er eine Bohrmaschine in die Hand nehmen soll. Auch um Schwimmbäder macht er einen Bogen. Denn in seinem Körper trägt der 52-Jährige einen Defibrillator.
Das geschwächte Herz ist eine häufige Erkrankung. An die 30 Millionen Europäer leiden daran, zwei bis drei Millionen Deutsche. Jedes Jahr erkranken 300.000 Patienten neu, 50.000 sterben.
Allein im Jahr 2009 schickten die Ärzte laut Statistischem Bundesamt 363 800-mal herzschwache Patienten in die Klinik. Damit ist die Herzschwäche der wichtigste Grund für Einweisungen in ein Krankenhaus.
Hauptursache der Herzinsuffizienz sind verengte und verschlossene Herzkranzgefäße. Nach einem dadurch ausgelösten Herzinfarkt stirbt das betroffene Muskelgewebe ab und wird durch funktionsloses Narbengewebe ersetzt – das Herz ist dauerhaft geschwächt. Auch ein erhöhter Blutdruck, Alkohol und Drogen, Herzrhythmusstörungen und schadhafte Herzklappen sind als Ursachen häufig.
Klassischerweise therapieren Mediziner die Herzschwäche mit Medikamenten. Wirksame und bewährte Arzneien sind Diuretika, Beta-Blocker und ACE-Hemmer. Diuretika oder Wassertabletten entwässern, Beta-Blocker harmonisieren den Herzschlag, ACE-Hemmer unterstützen die Pumpkraft des Herzmuskels.

Menschen mit einem besonders schwachen Herzen bekommen einen Defibrillator eingesetzt. Der implantierte Defibrillator kontrolliert und speichert zu jedem Zeitpunkt die elektrische Aktivität des Herzens und behandelt gegebenenfalls krankhafte Veränderungen. Das handtellergroße Medizin-Gerät rettet täglich Leben. Wenn bei Patienten mit Herzschwäche das Herz aussetzt, springt der Defi automatisch an und sorgt dafür, dass es weiterschlägt.

Die Hightech-Geräte bedürfen einer regelmäßigen Kontrolle. Die Datenabfrage und die Messungen erfolgen über einen sogenannten Telemetriekopf. Mit der Abfrage werden zwei Ziele verfolgt: Der enthaltene Speicher hat etwaige Herzrhythmusstörungen aufgezeichnet. Diese Aufzeichnungen werden vom Arzt ausgelesen und beurteilt. Außerdem lassen sich die technischen Funktionen des Defibrillators kontrolliert. Da die implantierbaren Defibrillatoren nur über einen begrenzten Speicherplatz verfügen, sollte die Abfrage alle drei Monate erfolgen.
Bei Olaf Lehnert, dem Patienten aus dem Film, kann auch der Defi seine schweren Herzrhythmusstörungen nicht immer abfangen.
Um besser damit klarzukommen, dass sich sein Leben durch die Herzschwäche verändert hat, trifft sich Olaf Lehnert regelmäßig in einer Selbsthilfegruppe für Defi-Träger. Der ehemalige Kampfsportler schöpft neue Kraft für sich vor allem beim Tai Chi. Dort werde ihm am ehesten bewusst, dass der ungeliebte Defi regelmäßig sein Leben verlängert.
Filmbeitrag: Stefan Sperfeld
Infotext: Constanze Löffler









