-
Anita W. aus Senftenberg hatte bereits mehrfach Nierenbeckenentzündungen. Die Dramatik: Die Keime, die jeweils als Auslöser für die Infektionen identifiziert werden, entwickeln zunehmend Resistenzen gegen die gängigen Antibiotika. Die Ärzte müssen jedesmal herausfinden, welches Antibiotikum überhaupt noch wirkt, um eine lebensgefährliche Sepsis, bei der sich die Keime über die Blutbahn im ganzen Körper ausbreiten, zu verhindern.

Eine unbehandelte Blasenentzündung hat ihre Tücken: Sie kann sich zur akuten Nierenbeckenentzündung entwickeln. Die Bakterien gelangen über Blase und Harnleiter bis in die Niere, setzen sich dort fest und vermehren sich. Zu den typischen Anzeichen einer akuten Nierenbeckenentzündung gehören:
• hohes Fieber,
• Schmerzen in den Flanken (Klopfschmerz im Nierenlager)
• Schmerzen beim Wasserlassen.
Blut- und Urin-Untersuchungen bestätigen die Verdachtsdiagnose. Auch im Ultraschall zeigen sich die entzündlichen Veränderungen in den Nieren.
Besonders gefährdet für eine Nierenbeckenentzündung sind Frauen, da sie auf Grund der kürzeren Harnblase häufiger unter Blaseninfektionen leiden. Zu den Risikofaktoren für eine Nierenbeckenentzündung zählen außerdem Schwangerschaft, Wechseljahre (abnehmende Hormonproduktion), hohes Alter, Nieren- und Blasensteine, angeborene Harnabflussbehinderungen, Harnabflussbehinderungen infolge einer vergrößerten Prostata sowie Stoffwechselstörungen wie Diabetes oder Gicht.
Therapie der Wahl bei einer Nierenbeckenentzündung sind Antibiotika. Allerdings ist die Wahl der Medikamente heutzutage nicht so einfach. Denn viele Keime sind gegen die gängigen Antibiotika resistent. Das heißt, sie sind unwirksam. Die Resistenzlage ist nicht in allen Kliniken gleich. In einem Krankenhaus sind die Keime auf ein bestimmtes Antibiotikum resistent, im anderen auf ein anderes.
Wird ein Patient nicht oder unzureichend behandelt, kann sich im Bereich der Niere ein eitriger Abszess bilden oder Bestandteile der Bakterien werden in die Blutbahn gestreut und können bis zur Sepsis führen. Bei einer Sepsis, also einer Blutvergiftung, gelangen die Bakterien über die Blutbahn in den gesamten Körper. Mögliche Folge ist ein Organversagen bis hin zum Tod.
Bei einer entsprechenden Verdachtsdiagnose wird deshalb vor Therapiebeginn der Harn im Labor getestet. Zuerst werden die Bakterien darin bestimmt. Die Entzündungskeime werden dann mit unterschiedlichen Antibiotika gemixt. Dort, wo sich die Bakterien sichtbar vermehren, hat das Antibiotikum nicht gewirkt. Das Bakterium ist resistent, das getestete Antibiotikum nutzlos.

Wie Antibiotika-Resistenzen entstehen
Antibiotika gelten seit ihrer Entdeckung im Jahr 1928 als Wunderwaffen der Medizin. Millionen Menschen haben durch sie lebensbedrohliche Infektionen überlebt. Doch mittlerweile schwächeln die Mittel, denn immer häufiger trotzen die Keime der Antibiotika-Behandlung. Denn die Bakterien haben einzig und allein ein Ziel: Sie wollen überleben. Dafür tauschen sie hilfreiche Gene untereinander oder profitieren vom spontanen Umbau ihres Erbmaterials.
Schuld für die zunehmenden Resistenzen ist der allzu leichtfertige Umgang mit den Mitteln: Allein wir Deutschen schlucken im Jahr 1.500 Tonnen Antibiotika pro Jahr. 30 bis 50 Prozent der Substanzen werden dabei falsch eingesetzt; häufig stimmen weder Dosis noch Dauer, oder der Wirkstoff ist der falsche. Bei vier Fünfteln aller grippalen Infekte verschreiben die Mediziner Antibiotika, obwohl Viren die Erreger sind – gegen die Antibiotika machtlos sind. Auch für eine akute Bronchitis mit trockenem Husten sind meist Viren verantwortlich. Nur ein knappes Drittel der kindlichen Mittelohrentzündungen, die Ärzte häufig automatisch mit Antibiotika therapieren, lösen tatsächlich Bakterien aus. Experten sprechen sich deshalb für einen bewussteren Einsatz von Antibiotika ein – vor allem bei Bagatellerkrankungen. Sonst droht der Rückfall in ein Zeitalter, als Ärzte Infektionen gegenüber noch machtlos waren.
Filmbeitrag: Pia Busch
Infotext: Constanze Löffler









