Modell einer Teilprothese für ein Knie (Quelle: rbb)

- Live-Diagnose: Komplikationen nach Gelenkersatz

Das Knie als größtes und am meisten beanspruchtes Gelenk ist es auch besonders anfällig für Abnutzungserscheinungen und Verletzungen. Bringen Schmerzmittel und Physiotherapie keine Linderung, kann ein künstliches Kniegelenk helfen. Doch auch die modernste Prothese ist immer nur ein "Ersatz"; die Funktion des körpereigenen Gelenkes kann es nur annähernd erreichen. Wir stellen eine Betroffene vor, deren Knie nach dem Austausch des Gelenks unbeweglicher geworden ist. Welche Ursachen gibt es für so eine Komplikation und wie kann der Patientin geholfen werden?

Knieleiden sind hierzulande quer durch alle Alters- und Bevölkerungsschichten weit verbreitet. Dass das Knie so anfällig ist, liegt zum einem an seiner komplizierten Anatomie und zum anderen daran, dass es fast das gesamte Gewicht des Körpers trägt.

Volksleiden Arthrose

Vor allem Arthrose quält viele Bundesbürger; etwa fünf Millionen Menschen leiden unter den Verschleißerscheinungen im Knie. Häufig beginnt die schleichende Abnutzung des Knorpels schon Mitte 30. Auf dem Röntgenbild zeigen sich typischerweise Knorpelschäden an den Gelenkköpfen und der Rückseite der Kniescheibe. Der Gelenkspalt zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein ist verringert. Schreitet der Verschleiß weiter fort, bringen nicht-operative Therapien keine Linderung mehr, hilft nur noch ein Knie-Ersatz.

Modell einer Teilprothese für ein Knie (Quelle: rbb)

Vorteil Teilprothese

Bislang musste das gesamte Kniegelenk durch ein künstliches ersetzt werden. Nun gibt es für einige Betroffene eine schonendere Alternative: Gezielt wird nur der Bereich des Knorpels durch eine Teilprothese ersetzt, der tatsächlich verschlissen ist. Die Vorteile für den Patienten liegen auf der Hand: Im Vergleich zum Austausch des gesamten Kniegelenks ist eine Teilprothese schonender. Zudem bleiben große Teile des eigenen Kniegelenks erhalten – je nach Situation des Patienten innerer und/oder äußere Meniskus oder die beiden Kreuzbänder.

Diese Strukturen sind extrem wichtig für die natürliche Kniegelenkfunktion. Deshalb werden bei diesem schonenden Gelenkersatz in der Regel funktionell bessere Ergebnisse erreicht als mit einer Knietotalendoprothese (TEP). Von allen Knieprothesen machen die Teilprothesen etwa 10 bis 15 Prozent aus. Eine Teilprothese empfiehlt sich vor allem bei älteren Patienten.

Vollprothesen aus Edelmetall und Kunststoff

Mittlerweile bieten die Hersteller alle möglichen Varianten dieser Form der Prothesen. Gleichgültig, welches Modell implantiert wird, das Ziel ist immer dasselbe: eine störungsfreie Funktion des Gelenkes und eine ausreichende Stabilität der Bänder. Damit die Beschwerden sich nach der Operation wirklich bessern, muss die Prothese richtig sitzen. Denn nur, wenn das neue Gelenk punktgenau eingesetzt ist, wird es die nächsten 10 bis 20 Jahre halten.

Wichtig ist, dass bei jedem Patienten individuell entschieden wird, welches Modell für ihn geeignet ist. Eine junge sportliche Patientin mit einer schweren rheumatoiden Arthritis bekommt ein anderes Modell als ein älterer Herr, dessen Prothese auf Grund des fortgeschrittenen Alters des Patienten höchstwahrscheinlich nicht noch mal ausgetauscht wird.

Trotz der normalerweise guten Erfolgsaussichten ist der Einsatz einer Endoprothese keine einfache Operation. Deshalb sollten Sie sich möglichst an einer Klinik operieren lassen, die darauf spezialisiert ist. Wichtiger als der Typ oder das Fabrikat der eingebauten Prothese ist die Erfahrung des Operateurs.

Offen oder minimalinvasiv?

Die Orthopäden implantieren die Prothesen offen oder minimal-invasiv. Die verkleinerten Schnitte bei dem minimal-invasiven Schlüssellochverfahren bedeuten für den Operateur ein verringertes Gesichtsfeld; in einigen Fällen müssen sie daher computergestützte Navigationssysteme einsetzen. Befürworter des Verfahrens heben hervor, dass eine geringere Muskelmasse zerschnitten werden muss, so dass der Patient weniger Blut verliert und der Heilungsprozess schneller verläuft. Kritiker sind dagegen überzeugt davon, dass beim minimal-invasiven Schlüssellochverfahren deutlich häufiger als bei offenen Operationen Prothesenteile fehlerhaft eingesetzt werden.

Risiken und Nebenwirkungen?

Die Implantation eines künstlichen Kniegelenkes zählt heute zu den Routineeingriffen. Dennoch ist die Gefahr von Komplikationen nie ausgeschlossen. Die Risiken einer jeden Operation sind Thrombosen, Infektionen, Embolien, Blutergüsse, Blutungen oder Nervenverletzungen.

Nebenwirkung Arthrofibrose

Eine eher seltene Komplikation nach einem Eingriff am Knie ist die so genannte Arthrofibrose (griech. ἄρθρον arthron = ‚Gelenk‘ und lat. fibra = ‚Faser‘). So nennen Ärzte die krankhafte Wucherung von Bindegewebe infolge entzündlicher Prozesse im Kniegelenk. Besonders hoch ist das Risiko nach Knieprothesen (TEP) und Kreuzbandplastiken.

Hier ist einerseits eine operative Therapie möglich. Neue Behandlungsansätze gehen zudem von einer Stresskomponente bei der Entstehung der Arthrofibrose aus. Die Konsequenz: der Verzicht auf intensive Krankengymnastik mit Strecken, Dehnen und Kräftigen. Stattdessen bekommen die betroffenen Patienten Fußreflexzonentherapie, Akupunktur und Bindegewebsmassage. Das soll mechanischen Stress vermeiden und das vegetative Nervensystem wieder ins Gleichgewicht bringen.

Wie geht’s nach dem Eingriff weiter?

Für viele Patienten verbessert sich nach der Operation die Lebensqualität, sie können sogar wieder Sport treiben. Geeignet sind alle gelenkschonenden Sportarten: Schwimmen, Spazierengehen, Radfahren und Skilanglauf. Vermeiden sollten Sie dagegen Kontaktsportarten wie Fuß-, Hand- und Volleyball sowie Skifahren.

Auch Sie als Patient können zum Erfolg beitragen: Reduzieren Sie Ihr Gewicht; das schont die Knie. Machen Sie sich bewusst, dass sich durch eine Endoprothese immer auch die "Biomechanik" im Gelenk verändert – und Sie das Laufen neu erlernen müssen. Sorgen Sie für eine gute Stabilität mit Ihrer neuen Prothese, indem Sie die Muskulatur um das Gelenk regelmäßig kräftigen und zwar auch noch nach der Reha.


Filmbeitrag: Erika Brettschneider
Infotext: Constanze Löffler

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