-
Chlorhexidin kennt man vor allem als antibakterielle Mundspülung. Nun steht das Mittel im Verdacht, in Einzelfällen schwere allergische Reaktionen auszulösen.

Das Antiseptikum wird außer für Mundspülungen auch für Haut- und Schleimhautantiseptika, Handdesinfektionsmittel, Wund- und andere Cremes, Gleitgele für medizinische Eingriffe, Spüllösungen für Blasenkatheter, Augen- und Nasentropfen und Gele zur Bindung überschüssiger Magensäure verwendet.
Bislang kannte man Chlorhexidin als Auslöser unschöner, aber harmloser bräunlicher Ablagerungen an Zähnen, Zahnfleisch und Zunge. Im September 2013 warnte das BfArM jedoch vor schweren Überempfindlichkeitsreaktionen, die im Zusammenhang mit Chlorhexidin auftreten können. Dem BfArM lagen zum Zeitpunkt der Warnung 147 Berichte aus Deutschland über anaphylaktische Reaktionen vor. Der größte Teil der Fälle ereignete sich bei der Anwendung von chlorhexidinhaltigen Mundspüllösungen. Eine Überempfindlichkeit kann sich in lokalen bis hin zu schweren anaphylaktischen Reaktionen äußern.
In einigen US-amerikanischen Publikationen wurde laut BfArM über einen Zusammenhang zwischen der Anwendung von chlorhexidinhaltigen Gleitgelen bei der Blasenkatheterisierung oder von mit Chlorhexidin imprägnierten zentralen Venenkathetern und dem Auftreten von anaphylaktischen Reaktionen berichtet. Möglicherweise haben in diesen Fällen eine Sensibilisierung der Patienten durch eine frühere Anwendung anderer chlorhexidinhaltiger Produkte vorgelegen, so das BfArM.
Japanische Mediziner berichteten bereits 1986 über einen Patienten, der nach lokaler Anwendung von Chlorhexidin einen anaphylaktischen Schock erlitten hatte. Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA machte 1998 auf die Gefahr aufmerksam. Seither sind immer wieder neue Fallberichte hinzugekommen.
Bei Patienten mit bekannter oder vermuteter Überempfindlichkeitsreaktion sollten daher chlorhexidinhaltige Produkte und Arzneimittel unbedingt vermieden werden.
Wer schon Reaktionen beobachtet hat, sollte das in einem Allergiepass vermerkt bei sich tragen, damit in einem Notfall auch das Krankenhauspersonal informiert ist.
Filmbeitrag: Nadine Bader
Infotext: Constanze Löffler







