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In der winterlichen Erkältungs- und Grippezeit greifen viele Betroffene zu schnell zu fiebersenkenden Medikamenten. Zwar sinkt das Fieber rasch – aber die Grippeviren bleiben. Geht man dann zu früh wieder zur Arbeit, ist man eine Ansteckungsgefahr für andere Menschen.
Während der kalten Jahreszeit treten vermehrt harmlose Erkältungserkrankungen auf. Wer hustet, eine laufende Nase hat, vielleicht noch gepaart mit Fieber und Gliederschmerzen, hofft auf schnelle Linderung durch frei verkäufliche Mittel aus der Apotheke. Besonders beliebt sind fiebersenkende Mittel, die ASS, Ibuprofen oder Paracetamol enthalten.

So harmlos die Mittel als solche sein mögen – die Konsequenzen der Einnahme ist möglicherweise dramatisch: Eine neue Studie von Forschern der McMaster Universität im kanadischen Bundesstaat Ontario legt die Vermutung nahe, dass Erkältungskranke, die fiebersenkende Mittel einnehmen und danach Kontakt mit anderen Menschen haben, die Verbreitung von Influenza-Erregern – also Grippe-Erregern - begünstigen. Das Team berücksichtigte für die Analyse die Daten vergangener Influenza-Epidemien sowie Ergebnisse medizinischer Studien zur Grippe.
Influenzaviren sorgen dafür, dass man innerhalb weniger Stunden schwer krank wird. Hohes Fieber, Frösteln, Reizhusten, Kopfschmerzen, Augenbrennen und starke Gliederschmerzen gehören zum Repertoire der besonders bei älteren Menschen, Kranken und Kindern gefürchteten Seuche. Wer dagegen ein kräftiges Immunsystem hat, bei dem heilt auch eine echte Grippe normalerweise wieder von allein aus. Falls Sie bislang noch nicht geimpft sind, können Sie das noch immer nachholen. 2014 sind aktuell 62 Fälle von Influenza gemeldet worden. In dieser Wintersaison wurden insgesamt 328 klinisch-labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle an das Robert Koch-Institut übermittelt.

Die Studie stellt vor allem die kritiklose Einnahme fiebersenkender Mittel in Frage. Denn Fieber hat seine guten Gründe: Es reduziert Viren und verringert so die Ansteckungsgefahr. Die Medikamente verhindern das! Zudem fühlen sich die Patienten schnell wieder besser, gehen zur Arbeit und in die Öffentlichkeit. Beide Effekte führen dazu, dass Grippekranke die Viren weitergeben und die Epidemie so verstärken. Wissenschaftler um den Mathematiker David JD Earn haben in ihrer Studie errechnet, dass allein in Nordamerika rund 1 000 Menschen wegen fiebersenkender Mittel an einer Influenza sterben. Bis zu fünf Prozent mehr Influenzakranke gebe es jedes Jahr durch die Einnahme von fiebersenkenden Arzneimitteln, so die Autoren.
Ob diese Zahlen tatsächlich realistisch sind, ist fraglich. Um die Auswirkungen fiebersenkender Mittel herauszufinden, würden große epidemiologische Studien gebraucht. Doch die Untersuchung lenkt die Aufmerksamkeit auf ein bislang unbeachtetes Thema. Wer bei einer Grippe seine Umwelt wirklich schützen will, sollte vor allem den Kontakt zu anderen Personen meiden. Aspirin kommt am besten nur bei hohem Fieber zum Einsatz. Ansonsten sollte man sich mit Hausmitteln und Bettruhe begnügen. Also zuhause bleiben, sich gründlich auskurieren und damit die Kollegen und Mitmenschen nicht anstecken.
Filmbeitrag: Johannes Mayer
Infotext: Constanze Löffler







