Homepage zu Nahrungsmittelbeschwerden auf einem Tablet-PC (Quelle: rbb)

- Allergologen warnen vor häuslichem Allergietest

Hautausschläge, Durchfälle und Blähungen nach dem Essen – wegen dieser Symptome glaubt jeder fünfte Deutsche, an einer Nahrungsmittelallergie zu leiden. Tatsächlich aber sind nur zwei bis drei Prozent der erwachsenen Bevölkerung davon betroffen. Diese Unsicherheit nutzen Anbieter von Allergietests. Die Spezialisten warnen vor den möglichen Konsequenzen solcher Tests.

Der Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie kann durch Nahrungsrestriktion und Angstgefühle die Lebensqualität von Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Frei verkäufliche Allergietests versprechen hier Entlastung. Die Tests gibt es für zwei unterschiedliche Formen der Allergie: die Allergie vom verzögerten Typ (Immunglobulin G-Test, IgG-Test), die erst Tage nach dem Kontakt mit dem Nahrungsmittel auftritt. Zum anderen auf eine Sofort-Allergie mit Hilfe so genannter Immunglobulin E-Tests (IgE-Test) untersucht. Je nach Anbieter und Test kosten die Produkte zwischen 80 und 100 Euro.

Verpackung von einem häuslichem Allergietest (Quelle: rbb)

Allergologen warnen – egal, welches Ergebnis angezeigt wird – vor allzu schnellen Schlüssen: Ist der Test negativ, heißt das noch lange nicht, dass keine Nahrungsmittelallergie vorliegt. Und bei einem positiven Ergebnis darf nicht gleich auf eine entsprechende Allergie geschlossen werden. Gerade der Nachweis von IgG zeigt eigentlich nur, dass wir schon einmal mit diesen fremden Proteinen in Kontakt gekommen sind – was bei den meisten Nahrungsmitteln der Fall ist. IgG-Antikörper sind also eine natürliche Reaktion des Immunsystems auf Nahrungsmittel – und die Messung und Interpretation von nahrungsspezifischem IgG völlig sinnlos.

Und der Sofort-Allergie-Test zeigt lediglich an, dass es eine Bereitschaft zu einer Allergie gibt. Doch nur in jedem zweiten Fall steckt dahinter tatsächlich eine Allergie.

Die Tests sind also wenig verlässlich und können dazu führen, dass Menschen ihren Speiseplan unnötig einschränken. Denn bei vermeintlich positiver Diagnose liefern die Test-Hersteller eine lange Liste mit Nahrungsmittel, die ab sofort gemieden werden sollen. Eine Mangelernährung mit zu wenig Vitaminen und Mineralstoffen bis hin zu Unterernährung und Magersucht können vor allem bei vielen positiv getesteten Nahrungsmittelallergenen die Folge sein.

Statt kommerzieller Bluttests für zu Hause empfehlen Spezialisten bei einem entsprechenden Verdacht einen Facharzt aufzusuchen. Er führt eine standardisierte allergologische Diagnostik mit Anamnese, IgE-Serologie, Haut- und gegebenenfalls Provokationstests durch. Ein erstes Indiz kann der komplette Verzicht des verdächtigen Nahrungsmittels sein, in dessen Folge sich die Beschwerden bessern. Typische Allergene sind Kuhmilch, Hühnereiweiß, Soja, Nüsse, Fisch oder Meeresfrüchte. Gewissheit bringt der so genannte Provokationstest. Dabei verzehren die Patienten das verdächtige Nahrungsmittel unter ärztlicher Kontrolle.

Eine Sofort-Allergie müsste innerhalb von zwei Stunden auftreten. Die Betroffenen entwickeln Symptome im Magen-Darm-Trakt, an den Atemwegen oder der Haut. Sie klagen über Bauchkrämpfe, auch Lippen oder Gesicht können anschwellen. Genauso gut können sie auch Atembeschwerden oder ein Ekzem entwickeln. Im schlimmsten Fall droht eine schwere allergische Reaktion, die mit Atemnot und Kreislaufbeschwerden einhergeht. Patienten, die wissen, dass sie eine schwere Nahrungsmittelallergie haben, tragen ein Notfallset bei sich. Es enthält ein Antihistaminikum, Kortison und Adrenalin.


Filmbeitrag: Thomas Förster
Infotext: Constanze Löffler

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