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Kleinkindzähne sind Karieskeimen oft schutzlos ausgesetzt. Zahnärzte fordern jetzt regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen ab dem ersten halben Jahr. Die gesetzlichen Krankenkassen sehen dafür keinen Anlass – zu klein und speziell sei die Gruppe bisher Betroffener.
Am Tag der Geburt haben Säuglinge keinen einzigen Keim im Mund. Mit jedem Lebenstag besiedeln zunehmend Mikroorganismen die Mundhöhle – es entsteht eine Mundflora, die das Immunsystem stärkt. Mit dem 4. Lebensjahr ist der Prozess abgeschlossen, nun ist die Mundhöhle ausgereift und gegen krankmachende Keime gewappnet. Schaffen Eltern es, die Zähne ihrer Kleinen bis dahin von Karieskeimen fernzuhalten, ist die Chance groß, dass die Zähne auch weiterhin davon verschont bleiben.

Generell ist Karies nach Angaben der Zahnärzte bei Kindern und Jugendlichen stark zurückgegangen. Das liege auch an der Prophylaxe in Kitas und Schulen. Im Jahr 2020 sollen nach Wünschen der Zahnärzte 80 Prozent der 6-Jährigen kariesfrei sein. Leider scheint es jedoch im Kleinkindalter viele Kariesfälle zu geben.
Zahnärzten zufolge landen bereits viele unter Dreijährige auf dem OP-Tisch. Ihnen müssen kariöse Milchzähne gezogen oder Wurzeln gefüllt werden. Manchmal haben die Kleinen den Zahnexperten zufolge schon schwarze Stummel, Fisteln und Abszesse im Mund. Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde fordern daher Vorsorgeuntersuchungen vom sechsten Lebensmonat an.

Die Zahnärzteschaft will nun die Vorsorge und Therapie bei Kleinkindern bis zum dritten Lebensjahr verbessern. Mehrere Verbände haben ein Versorgungskonzept entwickelt, das in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
Unter dem Titel "Frühkindliche Karies vermeiden" fordern die Autoren, für Kleinkinder zwischen dem 6. und 30. Lebensmonat drei systematische zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen einzuführen und im 'gelben Heft' für ärztliche Kinder-Untersuchungen zu dokumentieren. In Großbritannien und Skandinavien hätten sich frühere Zahnarzttermine für Kleinkinder bereits bewährt, argumentieren die Fachverbände. Das spare auch Kosten für spätere Behandlungen.

Die gesetzlichen Krankenkassen lehnten den aktuellen Vorstoß ab. Der Grund: Karies sei kein durchgängiges Problem, sondern betreffe einzelne Elterngruppen. Idealerweise kenne der Kinderarzt zufolge seine jungen Patienten aber von Geburt an, so dass er Eltern früh aufklären und beraten können. Einige Krankenkassen bieten dennoch ein Spezialprogramm an: So zum Beispiel die AOK Nordost mit ihrem Vorsorgeprogramm "junge Zähne".
Das Programm beinhaltet vier kostenfreie zusätzliche zahnmedizinische Vorsorgeuntersuchungen für Kinder im Alter zwischen ein und sechs Jahren. Momentan gibt es nur drei gesetzliche Früherkennungsuntersuchungen vom 30. bis zum 72. Lebensmonat – im Abstand von jeweils zwölf Monaten.
Besonders von der Kleinkindkaries betroffen sind Kinder aus sozial schwachen Elternhäusern. In sozialen Brennpunkten komme Karies den Zahnärzten zufolge bei bis zu 40 Prozent der Kleinkinder vor. Normal seien Raten bis 15 Prozent.

Manche Eltern wissen nicht, wie sie die Zähne ihrer Kinder richtig pflegen. So sollten sie zum Beispiel nicht den Nuckel ablecken oder beim Breifüttern selber kosten – das überträgt die Karieskeime vom erwachsenen Mund in die kindliche Mundhöhle. Wichtig ist zudem, für jedes Kind eine eigene Zahnbürste zu besorgen.
Auch muss bereits das erste Milchzähnchen von Anfang an ganz vorsichtig geputzt werden. Andererseits füllten die Eltern Nuckelflaschen zum Beispiel mit süßen und säurehaltigen Getränken. Da Milchzähne aber noch nicht so stark mineralisiert sind, kann so die Nuckelflaschen-Karies schnell voranschreiten.
Schon innerhalb einiger Monate können Zähne tiefgreifend zerstört werden. Die Folgen der mangelnden Mundhygiene in diesem Alter: Probleme bei Gebiss- und Sprachentwicklung sowie beim Kauen. Zudem ist die Karies für die betroffenen Kleinstkinder oft sehr schmerzhaft. Die Lebensqualität von Kindern und Eltern wird erheblich eingeschränkt.
Filmbeitrag: Nadine Bader
Infotext: Beate Wagner










