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Die so genannte Knötchenflechte kann äußerst unangenehm werden: Stark juckende Hautknötchen im Mund, eine weiße Verfärbung der Mundschleimhaut und ein tiefrotes Zahnfleisch sind nur einige mögliche Folgen. Dazu ist eine ständige Kontrolle der Mundschleimhaut nötig, denn bei zwei Prozent der Betroffenen, kann sich als Folge auch Krebs entwickeln.
Stark juckende und brennende Hautknötchen, eine weißlich verfärbte Mundschleimhaut und ein tiefrot verfärbtes Zahnfleisch können auf eine Erkrankung namens Lichen ruber mucosae hindeuten. Betroffene klagen über ein pelzig, trockenes Gefühl im Mund sowie Schmerzen beim Genuss von sauren, scharf gewürzten oder harten Lebensmitteln. Selten sind auch die Schleimhäute im Genitalbereich, Haarfollikel und die Fingernägel betroffen. Wenn die Haut generell betroffen ist, sprechen Ärzte von Lichen ruber planus.

Der Lichen ruber planus geht mit entzündlichen, scharf begrenzten, flachen Papeln an der Haut einher. Oft bilden sie ganze Felder. Typisch sind feine weißliche Streifen auf den Papeln, Experten bezeichnen sie als Wickham-Streifung. Der Lichen ruber planus verläuft in Schüben, oft bleiben die Flecken über Monate oder Jahre und führen zu starkem Juckreiz. Meist findet man sie an den Beugeseiten am Handgelenk, unteren Rücken, Kniekehlen, Innenseiten am Vorderam sowie die Unterschenkel. Wer entsprechende Beschwerden hat, sollte sie je nach Lokalisation beim Haut- oder Zahnarzt abklären lassen. Betroffen von der Knötchenflechte sind vor allem Frauen mittleren Alters.

Hautärzte diagnostizieren den Lichen ruber planus meist mithilfe ihres geschulten Blicks. Manchmal benutzen sie ein Auflichtungsmikroskop. Zahnexperten haben nicht selten größere Probleme mit der Zuordnung des Lichen ruber mucosae. Oft verwechseln sie diese mit Schleimhautveränderungen oder einer Pilzinfektion. Um die richtige Diagnose zu stellen, sollten Zahnärzte immer eine Gewebeprobe entnehmen. In der histologischen Untersuchung unter dem Mikroskop können sie dann eine massive Ansammlung von Entzündungszellen nachweisen.
Wie die Flechte in der Mundhöhle und auf der Haut ursächlich entsteht, ist bisher unbekannt. Experten wissen lediglich, dass sich Entzündungszellen direkt unter der Schleimhaut sammeln und die gesunde Haut quasi abstoßen. Sie vermuten also eine Autoimmunreaktion. Dabei bekämpft das Abwehrsystem körpereigene Strukturen, die es für "fremd" hält. Zudem wird eine genetische Veranlagung diskutiert. Auf keinen Fall ist sie also anstecken oder kann "an jemanden" weitergegeben werden. Außerdem kann die Flechte durch unspezifische äußere Reize getriggert werden. Auf der Haut ist das beispielsweise ein Sonnenbrand, im Mund eine schlecht sitzende Zahnprothese.
Selten entsteht aus der chronischen Entzündung Krebs
Besteht die chronische Entzündung unbehandelt über Jahre oder Jahrzehnte, entwickelt sich bei zwei von hundert Patienten daraus Krebs. Betroffene sollten sich daher regelmäßig auf entartete Zellen, die so genannten Zelldysplasien, untersuchen lassen. Experten empfehlen ein Intervall von zwei Jahren.
An der Haut und Schleimhaut versuchen Experten therapeutisch, die Entzündung mithilfe von kortisonhaltigen Salben, Cremes oder Pasten zu unterdrücken – vor allem wenn die Knötchen brennen. Die Kortison-Behandlung dauert meist Jahre. Im Bereich der Mundschleimhaut helfen zudem Haftpasten, Mundwasser zum Spülen oder Lutschpastillen. Im Mund lindern manchmal auch Substanzen mit leicht betäubendem Effekt die Schmerzen. Auf Nikotin, Alkohol sollten Betroffene vollständig verzichten. Ebenso sollten Zitrusfrüchte tabu sein. Denn die in den Früchten enthaltene Säure reizt die entzündete Schleimhaut.
Filmbeitrag: Erika Brettschneider
Infotext: Beate Wagner








