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Es klingt wie ein Wunder: Getragen durch ein von außen angelegtes Skelett – ein Exo-Skelett – können behinderte und gelähmte Menschen üben, wieder zu laufen. Die aus Japan stammende Neuentwicklung wird seit kurzem auch im Unfallkrankenhaus Berlin eingesetzt. Erste Nutzerin ist die erfolgreiche Paralympics-Schwimmerin Kirsten Bruhn. Seit einem Motorradunfall vor 23 Jahren ist sie querschnittgelähmt, nur ihre vordere Beinmuskulatur kann sie noch bewegen. Die rbb Praxis hat Bruhn bei ihren ersten Schritten mit dem Exo-Skelett begleitet.
Zwei Schienen sind das Herzstück des neuartigen Trainingsgerätes. Der "Roboteranzug" wurde von der japanischen Firma CYBERDYNE Inc. entwickelt. Damit die Betroffenen das Laufen üben können, wird das Exo-Skelett an den in ihrer Funktion beeinträchtigten Extremitäten befestigt.
Sensoren greifen die bei (Teil-)-Querschnittsgelähmten noch vorhandenen Rest-Nervenströme der Muskeln von der Hautoberfläche ab und steuern mit diesen - computerunterstützt - eine physiologisch weitgehend korrekte Bewegung der Extremität. Die Elektromotoren des Exo-Skeletts kompensieren die neurologischen und muskulären Defizite in dem für den einzelnen Patienten notwendigen Umfang. Was an Muskelimpulsen noch da ist, verstärkt die Technik, was nicht mehr da ist, ersetzt sie.
Bevor die Kirsten Bruhn auf dem Laufband ihre Beine einsetzen kann, bekommt sie einen Stützgurt angelegt. Er soll ihren Oberkörper stabilisieren und sie aufrecht halten. Dann ist es soweit: Das Exo-Skelett bewegt durch Motorschienen an den Gelenken die gelähmten Körperteile der jungen Frau – ein unbeschreiblicher Moment.
Nur wenige gelähmte Menschen sind so fit wie die Leistungsschwimmerin Bruhn. Das soll sich mit dem Exo-Skelett ändern: Denn das Üben an dem Trainingsgerät – so die Hoffnung von Herstellern und Anwendern – könnte die Selbstständigkeit im Alltag fördern. Mit der Zeit soll ein Trainingseffekt entstehen, die Muskulatur wieder kräftiger werden. Die Muskelfasern der wieder genutzten Extremitäten wachsen; Durchblutung, Kreislauf und Stoffwechsel des gesamten Organismus werden leistungsfähiger und belastbarer.

Das HAL-System wird in Japan bereits in mehr als 100 Kliniken eingesetzt. Erste Ergebnisse aus der BG Klinik Bochum zeigen beachtliche Rehabilitationserfolge. Derzeit steht das HAL-Exoskelett in drei an den europäischen Körperwuchs angepassten Größen zur Verfügung.
Das Unfallkrankenhaus Berlin trainiert jetzt den ersten "echten" Patienten mit dem Exo-Skelett, d.h. die Kostenübernahme dafür wird von der Unfallkasse für diesen Menschen übernommen. Sie rekrutieren die Patienten, die dafür in Fragen kommen aus ihrer Reha heraus, also es kann derzeit keiner von außen kommen, um mit dem Gerät zu trainieren.
Filmbeitrag: Ursula Stamm
Infotext: Constanze Löffler








