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Durch verbesserte Bildgebungsverfahren diagnostizieren Ärzte vermehrt sogenannte "stumme" Schlaganfälle. Hierbei verstopfen Blutgefäße in weniger wichtigen Bereichen des Gehirns, so dass deren Folgen nicht sofort bemerkt wird. Typische Schlaganfallzeichen wie Lähmungen oder Sprachstörungen bleiben aus. Allerdings sind "stumme" Schlaganfälle trotzdem gefährlich, denn Menschen, die mehrere stumme Schlaganfälle hatten, haben ein höheres Risiko, eine Demenz zu entwickeln. Die rbb Praxis sensibilisiert für diese unterschätzte Form des Schlaganfalls.
Der sogenannte stumme Schlaganfall rückt zunehmend in den Focus des medizinischen Interesses. Ein Grund: Durch die verbesserte Bildgebung per MRT wird er heute häufiger diagnostiziert als noch vor 20 Jahren. Je nach Altersgruppe haben bis zu 30 Prozent schon einmal einen stummen Schlaganfall oder "silent brain infarct" erlitten; mit zunehmendem Alter steigt der Anteil. Stumme Infarkte sind fünf Mal so häufig wie klinische manifeste Schlaganfälle. Neben dem Alter ist auch ein hoher Blutdruck ein bedeutender Risikofaktor.

Genau wie ein "normaler" Schlaganfall auch entsteht der stumme Infarkt durch ein verstopftes oder gerissenes Gefäß im Gehirn. Stumme Schlaganfälle sind jedoch meist kleiner und finden in eher unwichtigen Bereichen des Gehirns statt, Regionen also, deren Ausfall wir nicht sofort bemerken. Das führt dazu, dass sie teilweise schwer zu diagnostizieren und oft nur Zufallsbefunde sind. Betroffene Patienten klagen weder über Sehfeldeinschränkungen, noch Arm-, Bein- oder Orientierungsstörungen. Stattdessen raten die Experten, aufmerksamer gegenüber (leichteren) kognitiven Einschränkungen zu sein. Dazu gehören Benommenheit und ein vermindertes Leistungsvermögen. Wer etwas Ungewöhnliches bei sich feststellt, sollte seinem Hausarzt oder einem Neurologen darüber berichten. Mit der Kenntnis über Vorerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck wird der entscheiden, ob eine weitere Diagnostik notwendig ist.
Noch weiß die Medizin nicht viel über die stummen Hirninfarkte. Was man weiß ist, dass sie die Entwicklung einer Demenz begünstigen, da das Gehirn nach und nach seine Funktionsfähigkeit einbüßt.
Würden stumme Schlaganfälle rechtzeitig erkannt, könnte man möglicherweise medikamentös eingreifen – beispielsweise mit Blutverdünnungsmittel. Allerdings gibt es bislang noch keine wissenschaftlichen Daten dazu, wann welches Medikament am besten gegeben werden sollte. Ein generelles Screening per Bildgebung – beispielsweise für alle Menschen über 60 und bekannt aus der Brustkrebsvorsorge – wäre zu teuer. Zudem ist der Nutzen fraglich. Denn welche konkreten Konsequenzen müsste eine Diagnose nach sich ziehen? Medikamente? Engmaschige Überwachung? Regelmäßige Bildgebung? Noch gelten viele Fragen beim stummen Hirninfarkt als unbeantwortet.
Filmbeitrag: Kathrin Zauter
Infotext: Constanze Löffler








