Knie wird von einer Schiene stabilisiert (Quelle: rbb)

- Nur das Knie kommt in die Röhre – das Teil-Körper MRT

Das Knie schmerzt, aber woran liegt es? Die Live-Diagnose stellt einen Patienten vor, der mithilfe eines neuen Gerätes, einem Teil-Körper-MRT, untersucht wird. Nicht der ganze Körper wird liegend in die "Röhre" gefahren, nur das Knie wird untersucht - im Sitzen.

Die Patientin der Live-Diagnose ist beim Skifahren an einem Schneehügel hängen geblieben und hat sich das Knie verdreht. Im Anschluss an den Unfall bemerkt sie, dass ihr Knie nach innen wegrutscht. Auf dem Röntgenbild, das die Ärzte vor Ort anfertigen, können sie nichts feststellen; sie tippen auf eine Überdehnung der Bänder. Doch wegen der Instabilität des Knies schicken sie die Patientin zu weiteren Aufnahmen in eine radiologische Praxis. Ein Magnetresonanztomographie (MRT) soll Gewissheit bringen.

Die Patientin entscheidet sich für ein Teil-MRT. Für die Aufnahmen von Händen, Ellenbogen, Knien, Füßen und Fußgelenken müssen die Patienten bei diesem Gerät nicht mehr vollständig in die Röhre, sondern können bequem auf einem Stuhl sitzend untersucht werden. Denn nur noch der zu untersuchende Körperteil muss in das Gerät eingeführt werden. Vor allem für Menschen, die an Platzangst leiden, stellt diese Neuerung einen außergewöhnlichen Patientenkomfort dar.

Nach Auswertung der Aufnahmen stellt der Spezialist im Studio fest: Die Bänder im Knie sind nicht nur gedehnt, sondern gerissen. Der Riss des vorderen Kreuzbandes gehört zu den schwersten und häufigsten Bänderverletzungen. Meist sind auch der Meniskus, das Innenband oder der Gelenk-Knorpel in Mitleidenschaft gezogen. Das vordere Kreuzband reißt zehn bis zwölf Mal häufiger als das hintere. Etwa bei jedem dritten Betroffenen ist zusätzlich ein Meniskus beschädigt. Dass das Knie so anfällig ist, liegt zum einem an seiner komplizierten Anatomie, zum anderen daran, dass es als das am meisten beanspruchte Gelenk des Körpers fast dessen gesamtes Gewicht trägt.

Mann hält sich das Knie. Quelle: imago

Ein Kreuzbandriss muss nicht zwangsläufig operiert werden, wenn stattdessen die Oberschenkelmuskulatur so kräftig trainiert wird, dass sie für die alltägliche Belastung genug Stabilität liefert. Doch nicht immer ist das möglich. Denn durch einen Kreuzbandriss wird das Gelenk nicht nur instabil, zusätzlich rutscht auch der Schienbeinkopf bei jedem Schritt einen Zentimeter nach vorn und wieder zurück. So wird die Knorpelschicht des Gelenks nach und nach beschädigt. Über längere Zeit zermürbt auch der Innenmeniskus; meist reißt er innerhalb des ersten Jahres nach einem Kreuzbandschaden.

Wer mit seinem Knie noch ein bisschen was "vorhat", sollte sich überlegen, ein gerissenes Kreuzband operieren zu lassen. Wichtig ist, sich für die Operation einen ausgewiesenen Experten zu suchen und im Zweifelsfall eine zweite Meinung einzuholen. Mehr als 90 Prozent der Kreuzbandrisse werden heute mit einer Kreuzbandplastik behoben. Die Operateure verwenden dafür körpereigene, gelenknahe Sehnen, wie zum Beispiel ein Sehnen-Knochen-Transplantat aus der Patellasehne, die zwischen der Kniescheibe und dem Schienbein liegt. Oder sie setzen ein Stück der Semitendinosus-Sehne ein, die seitlich zwischen Ober- und Unterschenkel verläuft.

Darüber, welches der Transplantate besser ist, streiten sich die Experten seit Jahren. Lange galt die Patellasehne als die stabilere und schneller heilende Variante. Bei ihrer Entnahme verbleiben zwei Knochenstückchen an den Sehnenden; man benötigt kein Fremdmaterial zum Befestigen der Sehne. Heute ist die Semitendinosus-Sehne die am häufigsten verwendete: Sie ist zwar etwas schwieriger zu verankern. Experten zufolge verursacht sie aber weniger Komplikationen und weniger Schmerzen im vorderen Knie, da die Methode ohne eine Operationsnarbe auf der Vorderseite des Kniegelenks auskommt. Der Heilungsprozess nach einer Kreuzbandoperation kann bis zu eineinhalb Jahre dauern. Oft bleibt das Knie auch noch darüber hinaus eine Schwachstelle.

Der Erfolg der Operation hängt auch von der Qualität der physiotherapeutischen Nachbehandlung ab. Denn neben den Bändern zerstören Verletzung und Operation auch Nerven: Ein Drittel aller Rezeptoren, die das Gehirn braucht, um den Bewegungsablauf des Knies zu koordinieren, sitzen auf dem vorderen Kreuzband.

Deshalb sollte bereits in den ersten Tagen nach dem Eingriff mit Physiotherapie begonnen werden. Schließlich ersetzt die Kreuzbandplastik nur das Band, nicht aber die tausenden Nervenenden, die vor der Verletzung Informationen über die Lage und andere Funktionen des Gelenks an das Gehirn gesendet haben. Der Körper muss deshalb die mechanische und sensorische Kontrolle wieder lernen. Wie der Muskelaufbau kostet auch das Training von Eigenreflexen, Koordination und Gleichgewicht Geduld und Zeit.


Filmbeitrag: Benjamin Kaiser
Infotext: Constanze Löffler

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