-
Herzrhythmusstörungen sind für die Betroffenen beängstigend, mitunter aber auch gefährlich. Ein neuartiger kleiner Chip unter der Haut kann das Herzstolpern aufnehmen und direkt an die Ärzte melden – egal, ob der Patient nachts zuhause oder im Urlaub ist. Welche Vorteile der EKG-Chip gegenüber herkömmlichen Loop-Recordern bietet, fragt die rbb Praxis.
Plötzliches Herzstolpern, Herzrasen oder kurzzeitige Bewusstlosigkeit: All das können Beschwerden einer ausgeprägten Herzinsuffizienz sein. Die Herzschwäche ereilt allein in Deutschland zwei bis drei Millionen Menschen. Es drohen Herzstillstand und Schlaganfall. Ausgeprägte Beschwerden sind jedoch unregelmäßig und treten oft nur für kurze Zeit auf, sie lassen sich daher oft schwer nachweisen. Herzschwächepatienten müssten daher engmaschig ärztlich kontrolliert werden.

Bei vielen Patienten ist die Versorgung jedoch unzureichend, das bestätigen Zahlen: Fast 50.000 Patienten versterben der Herzstiftung zufolge innerhalb eines Jahres; nach vier Jahren lebt nur noch die Hälfte aller Erkrankten. Jedes Jahr müssen fast 400.000 Menschen deshalb ins Krankenhaus – so viele wie bei keiner anderen Erkrankung. Trotz intensiver Forschungsbemühungen gehört die Herzschwäche zu den drei häufigsten Todesursachen in Deutschland.
Ein nur etwa drei Gramm schwerer Mikrochip könnte zahlreichen Herzschwächepatienten mit Rhythmusstörungen zukünftig viel Leid ersparen. Der sogenannte Loop-Recorder ist eine Weltneuheit in Form eines telemetrischen Mini-EKG-Gerätes. Ende Januar hat Prof. Andresen in Berlin den ersten Mikro-Chip unter die Haut injiziert. Der winzige Chip - nicht größer als ein USB-Stick - zeichnet über drei Jahre kontinuierlich ein EKG auf und entdeckt so schneller als bisher bedrohliche Herzrhythmusstörungen. Nach drei Jahren ist die in dem Mikrochip enthaltene Batterie leer.

Mit dem neuen Mini-EKG unter der Haut ist es möglich, seltene Herzrhythmusstörungen zu erfassen und eine Korrelation zwischen den Symptomen des Patienten und dem zu diesem Zeitpunkt registrierten EKG herzustellen. Registriert das Gerät bedrohliche Herzrhythmusstörungen, kann der Loop-Recorder das sofort an ein kleines Zusatzgerät melden. Dieses Gerät wiederum sendet die Daten online an die Klinik – egal ob der Patient abends im Bett liegt oder im Urlaub ist.
In der Klink werden die Daten der Herzaktivitäten dann alle 24 Stunden routinemäßig – oder in schweren Fällen öfter – am Computer kontrolliert. Diese innovative telemedizinische Überwachung über das Internet funktioniert über weite Strecken hinweg ohne Zeitverzögerung. Der Loop-Recorder ist also so etwas wie eine individuelle private Notrufsäule für Herzpatienten per Internet.
Auch Patienten mit Vorhofflimmern, die bereits mittels einer Ablation behandelt worden sind, kann der Loop-Recorder helfen. Bei dem operativen Eingriff wird Gewebe in der Herzkammer verödet, von dem krankhafte Erregungen ausgehen. Der Loop-Recorder kontrolliert, ob das Herz danach wieder kontinuierlich und ohne zusätzliche oder abnorme Erregungen schlägt. Der kleine Chip ist also selbst kein Therapeut. Er zeigt den Ärzten nur an, wie das Herz erregt wird – und wann sie handeln müssen. Das Gerät beeinflusst natürlich aber auch die medikamentöse Behandlung. Stellt sich beispielsweise nach einer monatelangen "Überwachung" nach Vorhoffflimmern und Operation heraus, dass das Herz komplett wieder normal erregt wird, kann der Patient die Blut verdünnenden Medikamente absetzen.
Filmbeitrag: Johannes Mayer
Infotext: Beate Wagner









