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Wenn es im Bauch drückt oder grummelt, ist die Diagnose selten eindeutig. Magen- und Darmspiegelung, Kernspin oder CT sollen bei der Suche nach der Ursache helfen, bleiben jedoch allzu oft ohne Ergebnisse. Dabei können Bauchschmerzen manchmal mit ganz einfachen Mitteln behandelt werden, wenn man an die richtige Erkrankung denkt.
Bauchschmerzen können viele Gründe haben – im Bauchraum selber oder auch in anderen Regionen, welche dann in die Bauchregion ausstrahlen. Tauchen die Beschwerden immer wieder auf, sprechen Experten von einem chronisch rezidivierenden Verlauf. Ursachen können eine Magenschleimhautentzündung, Gallenprobleme bis hin zum Reizdarmsyndrom sein. Oft vergessen oder übersehen wird allerdings der chronische Bauchwandschmerz. Mal äußert er sich als ein Stechen oder Ziehen, manchmal auch als Druckschmerz rechts oder links des Bauchnabels. Oft tritt er unabhängig von einem anderen organischen Befund auf.
Besteht der Bauchwandschmerz länger, begeben sich Patienten häufig auf eine frustrierende Suche nach einer richtigen Diagnose – und werden von einer Untersuchung zur nächsten geschickt. Amerikanischen Studien zufolge werden bei Betroffenen zwei bis drei apparative Untersuchungen durchgeführt, darunter kostspielige Computertomographien, endoskopische und/oder Ultraschalluntersuchungen, Darmspiegelungen, in einigen Fällen sogar Laparoskopien. Doch alle diese Verfahren liefern meist keine wegweisenden Hinweise. Denn chronische Bauchwandschmerzen gehen eben nicht von den Eingeweiden aus, sondern von den Schichten der vorderen Bauchwand. Der Schmerz entsteht, weil ein Nerv bei Durchtritt durch die Bauchwand eingeklemmt ist. Typischerweise ist nur ein sehr kleines Schmerzareal seitlich des geraden mittigen Bauchmuskels betroffen. Die Patienten haben meist keine weiteren Symptome, ihre Laborwerte sind normal.
Wie viele Menschen genau betroffen sind, hat bisher niemand untersucht. Ebenso gibt es bisher keine allgemein verbindlichen Kriterien für eine Diagnose. Daraus resultiert eine nicht abschätzbare "Dunkelziffer". Kundige Fachleute stellen die Diagnose oft mit einem einfachen Test: der CARNETT- Test. Dabei drückt der Arzt vor Anspannung der Bauchmuskulatur auf den Punkt, der am heftigsten schmerzt. Dann spannt der Patient die Bauchwand an. Ist der Schmerz auch nach dem Anspannen noch so extrem, liegt die Ursache wirklich in der Bauchwand. Geraten die Beschwerden jedoch in den Hintergrund oder verschwinden gar, liegt die Ursache innerhalb des Bauchraumes.
Ein weiterer wichtiger Hinweis auf den Bauchwandschmerz: Sind die Bauchschmerzen lageabhängig, werden aber nicht durch Nahrungsaufnahme oder Verdauungsbewegungen verändert, scheint die Nerveneinklemmung dahinterzustecken. Die Behandlung des Bauchwandschmerzes ist einfach: Der Arzt bestimmt exakt den maximalen Schmerzpunkt. Dann spritzt er gezielt das Betäubungsmittel Lidocain hinein – und der Schmerz verschwindet anhaltend.
Wer mit Kräutern gegen Magen-Darm-Beschwerden angehen will, sollte sich folgende Kräuter merken: Bärlauch hat eine antibakterielle Wirkung und verhindert Beschwerden wie Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Blähungen, Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Basilikum wirkt ebenso gegen Völlegefühl und Blähungen. Rosmarin reguliert die Magen- und Darmsäfte. Petersilie hilft bei Sodbrennen und saurem Aufstoßen. Kümmel hemmt Blähungen, wenn man rohes Gemüse oder Kohl gegessen hat.

Die chronisch entzündete Speiseröhre
Die so genannte Eosinophile Ösophagitis (EoE) ist eine zweite Krankheit, die zu Bauchschmerzen führen kann und oft nicht erkannt wird. Sie wird von starken Schluckbeschwerden und Schmerzen in der Speiseröhre begleitet. Oft bekommen Betroffenen das Essen nicht herunter, sie haben einen starken Würgereiz. Typischerweise rutschen Getränke oder weiche Speisen ohne Probleme durch die Speiseröhre, festere Bissen oder Tabletten bleiben jedoch immer wieder stecken.
Auch hier kann die Diagnose einfach sein: Bei immerhin der Hälfte der Betroffenen sehen Ärzte bei der Spiegelung von Speiseröhre und Magen eine krankhafte Querriffelung der Speiseröhre. Bei allen Patienten ist das Gewebe entzündlich verändert.
Die chronische Entzündung der Speiseröhre ist erst seit einigen Jahren bekannt. Wahrscheinlich hat sie eine allergische Ursache, die dazu führt, dass dann Entzündungszellen aktiviert werden. Oft sind auch Kinder betroffen. Sie klagen dann jedoch typischerweise über unspezifische Bauchschmerzen, Erbrechen, Übelkeit und saures Aufstoßen.

Um die Krankheit nachzuweisen, muss bei der Spiegelung eine Gewebeprobe aus der Speiseröhre entnommen werden. Unter dem Mikroskop zeigen sich die typischen entzündlichen Veränderungen. Im Gewebe sammeln sich eosinophile Granulozyten, eine spezielle Art weißer Blutzellen. Diese weisen auf eine Überempfindlichkeit der Schleimhaut hin. Als Folge des Dauerreizes reagiert die elastische Schleimhaut mit der Bildung von festerem Bindegewebe. Die Beweglichkeit der Speiseröhre vermindert sich nach und nach. Bei fortgeschrittenem Befund kann die versteifte und verengte Speiseröhre sogar einreißen. Dann muss sofort operiert werden. Doch solch schwere Verläufe lassen sich abwenden.
Die Behandlung erfolgt in mehreren Schritten. Zunächst versuchen Ärzte die Schluckbeschwerden mit sogenannten Protonenpumpenhemmern in den Griff zu bekommen. Das sind die klassischen Medikamente bei der Refluxkrankheit, auch Sodbrennen genannt. Dann sollten Betroffene es mit einer Diät versuchen, in der sie auf folgende Nahrungsmittel weitgehend verzichten: Milch, Eier, Weizen, Nüsse, Meeresfrüchte und Soja. Das Mittel der Wahl ist ein Kortison-Spray, das jedoch nicht eingeatmet sondern in den Mund und Rachen gesprüht und heruntergeschluckt wird.
Bei der eosinophilen Ösophagitis handelt es sich um eine dauerhafte Störung, die auch schon im Säuglings- und Kindesalter zum Tragen kommen kann. Bei den meisten Patienten reicht eine kurzfristige Behandlung nicht aus. Für eine Langzeittherapie werden die Medikamente dann aber niedriger dosiert.
Filmbeitrag: Erika Brettschneider
Infotext: Beate Wagner









