Patient wird Blutplasma unter die Kopfhaut gespritzt (Quelle: rbb)

- Kampf dem Haarschwund

Männer müssen sich heutzutage nicht mehr mit erblich bedingtem Haarausfall abfinden - schließlich gibt es verschiedene wirksame Behandlungsmethoden. Doch nicht jede Methode ist auch für jeden geeignet: Zu den Risiken und Nebenwirkungen klärt Sie die rbb Praxis auf.

Rund eine Million Menschen in Deutschland haben Haarausfall. Zwar verliert jeder Mensch täglich Haare. Mindestens jeder zweite Mann leidet jedoch mit den Jahren unter der "Alopecia androgenetica". Ursache ist eine angeborene erhöhte Empfindlichkeit der Haarwurzel gegenüber Testosteron. Ein Enzym wandelt das Hormon in der Kopfhaut in die aktive Form Dihydrotestosteron (DHT) um. Die Haarfollikel der Menschen mit dieser Veranlagung sind entweder stärker mit diesem Enzym ausgestattet oder sie weisen besonders viele Andockstellen für das Hormon auf. Das DHT greift die Haarwurzel dann verstärkt an. Das Haar bekommt nicht mehr genug Nährstoffe, wird dünner, verkümmert und fällt schließlich aus. Zunächst lichtet sich der Bereich vorn an den Schläfen und der Stirn, dann am Hinterkopf. Nur die Haare am unteren Rand sind unempfindlich gegenüber DHT.

Übrigens: Entgegen häufiger Vermutungen bedeutet Haarausfall nicht, dass die betroffenen Männer mit Glatze besonders potent sind und besonders viel von dem männlichen Geschlechtshormon im Blut haben. Vielmehr reagieren deren Haarwurzeln nur extrem sensibel auf das Hormon, so dass die Haare vermehrt ausfallen.

Das ist so bei Silvio Berlusconi, Jürgen Klopp und vielen tausenden andere Männern. Sie nehmen die Zeichen des Alters aber nicht mehr hin, sondern gehen die haarlosen Zeiten mit verschiedenen Methoden an: Vom Haarwasser über Haartransplantation bis hin zur Eigenbluttherapie ist alles dabei. Denn: Der Trend geht wieder in Richtung Haare, auf dem Kopf wie im Gesicht.

Für Medikamente mit den Wirkstoffen Finasterid oder Minoxidil gibt es Experten zufolge gute kontrollierte klinische Studien. Sie zeigen: Die geprüften Präparate wirken effektiv gegen Haarausfall. Teilweise stoppen sie ihn nicht nur, sondern sie stimulieren sogar das Nachwachsen.

Auf eine Hand wird ein Minoxidil-Spray gegeben (Quelle: rbb)

Minoxidil

So heißt der Wirkstoff in der 2004 zugelassenen Haarwuchs-Arznei Regaine. Sie muss jeden Morgen und Abend auf die Kopfhaut aufgetragen werden. Apotheken verkaufen die Lösung rezeptfrei. Minoxidil kostet je nach Anbieter und Packungsgröße 15 bis 40 Euro im Monat. Die Wirkung von Regaine hält, wie bei jedem anderen Haarwuchsmittel, nur so lange an, wie die Lösung verwendet wird. Als Nebenwirkung sind Irritationen der Kopfhaut, allergische Reaktionen gegen den Wirkstoff und in seltenen Fällen eine vermehrte Behaarung im Gesicht bekannt.

Grafik, die den Haar verlust erklärt (Quelle: rbb)

Finasterid

Der in dem Präparat Propecia enthaltene Wirkstoff blockiert die Bildung des Hormons DHT, welches die Haarwurzel angreift. Wird das Mittel abgesetzt, endet die Wirkung. Bei einem Teil der Propecia-Patienten treten Nebenwirkungen auf. Dazu zählen eine verminderte Libido, Erektionsschwäche und Depressionen. Außerdem warnen Experten vor einem möglichen männlichen Brustkrebsrisiko. Das Präparat gibt es nur auf Rezept, muss aber selbst bezahlt werden. Finasterid kostet 35 bis 45 Euro im Monat.

Haartransplantation (Quelle: rbb)

Haartransplantation

Die Transplantation findet unter örtlicher Betäubung statt. Die Behandler entnehmen Haare aus dem unterem Kopfbereich, wo die Wurzeln unempfindlich gegenüber dem Hormon DHT sind. Jedes Haar wird einzeln an die kahlen Stellen verpflanzt. Die Haartransplantation kann einen ganzen Tag dauern. Je nach Aufwand kostet sie drei bis neuntausend Euro. Wichtig ist: Vor der Transplantation muss der Haarausfall medikamentös gestoppt werden. Ansonsten fallen die natürlich gewachsenen Haare aus – und es bleiben nur noch die verpflanzten stehen. Bei der Haartransplantation ist also die Kombination von Medikamenten und der Transplantation sinnvoll.

Arzt setzt Spritze für die Eigenblut-Therapie (Quelle: rbb)

Eigenbluttherapie

Anders als die anderen Methoden ist die Eigenbluttherapie gegen Haarausfall noch nicht etabliert. Verfechter schwören jedoch darauf, dass sie wie folgt wirkt: Aus dem Blut des Patienten wird mittels Zentrifuge ein Blutplättchen-Konzentrat gewonnen. Das Konzentrat wird umgehend in die von Haarverlust betroffenen Kopfhautregionen injiziert. Die im Gewebe befindlichen aktiven Blutplättchen sollen dann dafür sorgen, dass Wachstumsfaktoren freigesetzt werden und neue Zellen sich bilden. Denn das eigene Blut wird nach dem Aufenthalt außerhalb des Körpers von diesem als "fremd" angesehen und löst so eine Immunreaktion des Körpers aus bzw. stimuliert dessen körpereigene Abwehr. Die Eigenbluttherapie soll den Körper also ganz gezielt bei der Zellregeneration unterstützen. Eine Behandlung kostet zwischen 250 und 800 Euro und muss alle paar Monate wiederholt werden. Nebenwirkungen gibt es bisher nicht. Ebenso fehlt aber auch ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis. Das dürfte sich in naher Zukunft auch nicht ändern. Denn anders als bei Medikamenten hat die Pharmaindustrie kein Interesse an einer Finanzierung.


Filmbeitrag: Thomas Förster
Infotext: Beate Wagner

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