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Es war die größte medizinische Katastrophe der DDR: Tausende Schwangere wurden Ende der siebziger Jahre mit Hepatitis C infiziert. Neben vielen Todesfällen warteten Unzählige Jahrzehnte auf eine wirksame Therapie, gemeinsam mit anderen Betroffenen weltweit. Vielen blieb nur eine Lebertransplantation als letzte Rettung. Jetzt macht ein neues Medikament Furore, das endlich einen Durchbruch verspricht. Die rbb Praxis fragt nach.
Die Hepatitis C ist eine Virusinfektion der Leber, die Krebs hervorrufen kann. Sie ist deshalb so gefährlich, weil die ersten Symptome wie anhaltende Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Kopfschmerzen oder ein Druckgefühl im Oberbauch häufig verkannt werden. In Deutschland sind etwa eine halbe Million Menschen von der Hepatitis C betroffen. Weltweit stecken sich der WHO zufolge drei bis vier Millionen Menschen pro Jahr neu an.
Experten unterscheiden zwischen dem akuten und dem chronischen Verlauf. Die akute Infektion lässt sich heute durch eine alleinige Interferontherapie bei 90 Prozent aller Patienten heilen. Das Problem aber ist: Experten vermuten, dass weit weniger als die Hälfte der Betroffenen überhaupt weiß, dass sie infiziert ist. Oft erfahren sie erst davon, wenn die Hepatitis sich mit Beschwerden äußert. Entwickelt sie sich also zu einem chronischen Problem, entstehen in vielen Fällen Folgekrankheiten wie chronische Hepatitiden, Leberzirrhose oder Leberkrebs. Daran sterben jährlich mehr als 350.000 Menschen.
Hepatitis ist hierzulande die häufigste Ursache für eine Lebertransplantation. Bleibt die medikamentöse Therapie ohne Erfolg, so dass die Leber zunehmend ihre Funktion verliert, bleibt als letzte Therapie-Möglichkeit eine Leber-Transplantation. Auch nach einer Transplantation sind jedoch nicht alle Probleme gelöst. So ist das neue Leben mit dem Transplantat mit der täglichen Einnahme vieler Tabletten verbunden. Die so genannten Immunsuppressiva sollen verhindern, dass das fremde Organ wieder abgestoßen wird.

Die Hepatitis C hat bis heute ein "schlechtes Image". Tatsächlich haben Menschen, die Drogen spritzen, ein erhöhtes Risiko für Hepatitis C. Denn das Virus wird über Körperflüssigkeiten wie Blut übertragen. Deshalb sind jedoch auch Menschen in medizinischen Berufen gefährdet oder Patienten, die vor 1990 Blutkonserven bekommen haben. Denn erst seitdem werden diese Konserven auf das Virus getestet.
Bisher mussten die Patienten bei der Behandlung von Hepatitis C sehr geduldig sein. Bis zu eineinhalb Jahre lang nahmen sie zweimal täglich Tabletten mit dem Wirkstoff Ribavirin, wöchentlich spritzten sie sich das Hormon Interferon. Interferon stärkt die körpereigene Virusabwehr. Doch die Nebenwirkungen - wie beispielsweise Depressionen - machen die Behandlung für viele Patienten beschwerlich. Bei mehr als jedem zweiten der mit Interferon behandelten Patienten treten zudem grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kältegefühl bis Schüttelfrost, Kopf-, Glieder-, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen auf. Auch die Erfolgsaussichten sind bei der Kombinationstherapie noch unbefriedigend und variieren je nach Gentypus des Virus.
Nur etwa die Hälfte der Patienten erreichte bisher das Therapieziel. Mediziner verstehen darunter ein über das Ende der Behandlung anhaltendes Ansprechen des Virus auf das Medikament, eine sogenannte "sustained virological response" (SVR). Fällt der Virustest zwölf Wochen nach dem Ende der Therapie negativ aus, gehen Experten von einer Ausheilung der Hepatitis C aus.
Mehrere neue Wirkstoffe haben die Heilungschancen nun deutlich verbessert: Boceprevir und Telaprevir erreichen in Kombination mit Interferon und Ribavirin eine Heilungsrate von bis zu 80 Prozent. Seit der vierten Kalenderwoche 2014 ist zusätzlich das Medikament Sovaldi (Sofosbuvir) zugelassen. In Studien zeigten sich Erfolgsraten bei 90 Prozent der Patienten. Neu an den Substanzen ist: Sie wirken direkt gegen das Hepatitis C-Virus, indem sie bestimmte Enzyme der Viren blockieren und damit deren Vermehrung stoppen. Es sind die ersten sogenannten direct acting antivirals (DAA). Mehrere Dutzend weitere DAA sind in der klinischen Entwicklung. Sie sind wohl wirksamer als die bisherige Kombinationstherapie aus Ribavirin und Interferon, aber auch deutlich teurer.
Experten freuen sich dennoch über die nun sichtbaren Ergebnisse jahrzehntelanger Forschung. Denn mit einer größeren Zahl von Wirkstoffen steigen auch die Chancen, schwierige Hepatitis-Infektionen erfolgreich zu behandeln. Eine Impfung gegen Hepatitis C wird es in absehbarer Zeit jedoch nicht geben. Man kann also weiterhin nur mit einem sorgfältigen Schutz vor Hepatitis C vorbeugen – etwa indem man Kondome benutzt oder im Fall einer Drogenabhängigkeit auf sauberes Spritzbesteck achtet. Für medizinisches Personal gilt insbesondere der vorsichtige Umgang mit Blut.
Filmbeitrag: Johannes Mayer
Infotext: Beate Wagner









