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Lässt das Sehvermögen uns im Stich, ist das beängstigend. Bei vielen Augenerkrankungen passiert das schleichend, die Betroffenen merken es erst spät. Das verschlechtert mitunter die Therapieaussichten. In der rbb Praxis steht heute ein hochmodernes Diagnostik-Gerät, das Augen per Laser untersucht. Es entdeckt schon früheste Anzeichen der sogenannten Makuladegeneration - einer der häufigsten Ursachen für Erblindung. Eine Patientin ist in der Praxis zu Gast, die wissen möchte, woran es liegt, dass ihr Sehvermögen nachlässt.
Unsere Augen haben eine besondere Gabe: Sie können uns vorgaukeln, dass alles in Ordnung ist, auch wenn ein Auge nicht mehr einwandfrei funktioniert. Auf den ersten Blick sieht alles aus wie immer - die Nachbarin, der Brief, das Preisschild. Doch es lohnt sich, genauer hinzuschauen, und zwar mit jedem Auge einzeln: Erscheint das Grün der Bäume plötzlich seltsam blass? Sind gerade Linien wirklich gerade oder leicht gekrümmt?
Bei solchen Fragen lohnt der Besuch beim Augenarzt. Denn die verzerrte Sicht kann der Anfang der sogenannten altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) sein. Sie ist die Hauptursache, wenn Menschen im Alter von über 50 Jahren erblinden. In Deutschland leiden rund zwei Millionen Menschen daran, meist ältere Menschen.
Ihren Namen verdankt die AMD einer geschädigten Makula, auch "gelber Fleck" bezeichnet. Sie befindet sich inmitten der Netzhaut und ist mit vielen Sinneszellen bestückt. Wenn die Nervenzellen der Makula geschädigt sind, kommt es also typischerweise zu Sehstörungen im zentralen Gesichtsfeld; die Patienten sehen nur noch ein grauen, verschwommenen Fleck – und zwar immer dort, wo sie gerade hinblicken.
Ärzte kennen zwei Formen der Netzhautdegeneration
Ärzte unterscheiden zwei Formen der AMD: die feuchte und die trockene.
Bei der feuchten AMD wachsen Gefäße in die Makula ein, deren Wände instabil und löchrig sind. In der Folge treten Blut und Flüssigkeit ins Gewebe aus. Im Verlauf von Monaten oder Jahren vernarbt das Gewebe, die Sehkraft schwindet. Die feuchte Makuladegeneration betrifft etwa 15 Prozent aller Patienten.
Die meisten Patienten haben jedoch die trockene AMD. Hier sammeln sich Stoffwechselabbauprodukte in der Makula, es kommt zu Umbauprozessen und letztlich werden Sinneszellen so geschädigt, dass eine Sehverschlechterung die Folge ist. Als mögliche Ursachen der altersbedingten Makuladegeneration kommen mehrere Faktoren zusammen. Mit fortgeschrittenem Alter ab 50 Jahre lagern sich vermehrt Stoffwechselprodukte unter der Netzhaut ab. Bluthochdruck, Rauchen, Kreislauferkrankungen, Vitamin- oder Mineralienmangel sind weitere Risikofaktoren, ebenso wie Erkrankungen in der Familie (genetische Faktoren) oder intensive oder längere UV-Lichteinwirkung.
Die trockene AMD schreitet langsamer fort als die feuchte Form, die Patienten erblinden nicht vollständig. Irgendwann können Betroffene aber auch nicht mehr lesen oder Auto fahren
Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt empfohlen
Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) empfiehlt jährliche AMD-Vorsorgeuntersuchungen ab dem 50. Lebensjahr. Die Vorsorgeuntersuchung gehört derzeit zu den individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL). Kassenpatienten müssen die Untersuchung selbst bezahlen - je nach Praxis meist zwischen 20 und 30 Euro. Darin enthalten sind Fragen zur Krankengeschichte, die äußerliche Untersuchung der Augen, die Überprüfung von Brille oder Kontaktlinsen, die Bestimmung der Sehschärfe (Visus), die Spiegelung des Augenhintergrundes und die Messung des Augeninnendrucks. Stellt der Arzt dann abschließend eine AMD fest, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen normalerweise die Kosten für die dadurch entstehenden Folgeuntersuchungen. Sind bereits Risikofaktoren, wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder eine Zuckererkrankung, bekannt, gibt es ohnehin für Kassenpatienten in der Regel keine Probleme mit der Kostenübernahme.
Fällt dem Arzt bei den üblichen Untersuchungen etwas Krankhaftes auf, schließt er oft noch die sogenannte optische Kohärenztomographie (OCT) an. Sie ist besonders geeignet, um strukturelle Makulaerkrankungen dingfest zu machen. Das bildgebende Verfahren verwendet Licht statt akustischer Wellen wie der Ultraschall. Ähnlich wie bei einer Computertomographie (CT) oder einer Magnetresonanztomographie (MRT) wird die Netzhaut in dem untersuchten Bereich durch ein Laserverfahren in optische Schnitte zerlegt, und es kann damit wie bei einem mikroskopischen Gewebeschnitt die Netzhaut des Auges beurteilt werden. Diese Untersuchung hat eine etwa zehnmal höhere Auflösung als der Ultraschall am Auge. Die Untersuchung am OCT funktioniert ähnlich einem Foto ohne Blitz. Sie dauert nur wenige Minuten, ist schmerzlos und ungefährlich. Oft kann die nicht invasive Methode sogar eine fluoreszenzangiografische Untersuchung ersetzen, bei der ein Farbstoff in die Armvene injiziert wird. Die OCT ist keine kassenärztliche Leistung.
Die feuchte AMD kann gut behandelt werden
Bei der Behandlung unterscheiden sich die feuchte von der trockenen AMD erheblich. Eine mögliche Behandlung der feuchten AMD ist eine Spritze, die das Wachstum der kranken Gefäße verhindert. Drei verschiedene Medikamente werden hier eingesetzt: Lucentis®, Avastin® und Eylea®. Lucentis hat seit 2007 eine Zulassung für Europa. Seit Ende 2012 ist zudem Eylea® (Wirkstoff Aflibercept) in Deutschland zur Behandlung der feuchten Makuladegeneration zugelassen.
Die Arzneien blockieren Eiweiße, die normalerweise neue Gefäße sprießen lassen. Sie werden unter örtlicher Betäubung direkt in den Glaskörper des betäubten Auges injiziert - also genau dahin, wo sie wirken sollen. Bei Avastin® und Lucentis® wurde nicht nur ein Aufhalten der Gefäßwucherungen beobachtet, sondern auch eine deutliche Sehverbesserung beschrieben. Die Nebenwirkungen sind gering: Bindehautblutungen, Augenschmerzen und Glaskörpertrübungen. Die Behandlung muss aber mehrfach ausgeführt werden. Lucentis® ist zudem sehr teuer und wird bislang nur auf Antrag von den Kassen erstattet. Der Antrag muss für jede Injektion neu gestellt werden. Das preiswertere Avastin® ist nicht für das Auge zugelassen.
Eylea® enthält den Wirkstoff Aflibercept. Es sollte auf Dauer preisgünstiger sein, da es seltener gegeben werden muss. Anfang des vergangenen Jahres erlitt das Mittel jedoch eine Schlappe. Bei einem Vergleich des Medikaments mit dem seit längerer Zeit etablierten Lucentis® ergab sich dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zufolge kein Zusatznutzen.

Der trockenen AMD muss vorgebeugt werden
Die viel häufiger vorkommende trockene Makula-Degeneration scheint hingegen bisher kaum behandelbar. Ärzte setzten bisher auf Vorbeugung. Schützen soll außerdem eine Ernährung, die reich ist an Antioxidantien, verschiedenen Vitaminen (vor allem C und E) und Spurenelementen (Zink) und den in Meeresfisch enthaltenen ungesättigten Omega-3-Fettsäuren. Empfohlen wird zudem der Verzicht auf das Rauchen. Unerlässlich ist zudem die regelmäßige Kontrolle des Augenhintergrundes, nur so kann ein Fortschreiten der AMD rechtzeitig erkannt werden.
Filmbeitrag: Susanne Fass, Stefan Sperfeld
Infotext: Beate Wagner










