Grafik von einer Zecke (Quelle: rbb)

- Last-Minute-FSME-Impfung

Das große Krabbeln geht wieder los: Wenn die Temperaturen steigen, erwachen auch Zecken aus ihrer Winter-Kältestarre. Dieses Jahr ob des milden Winters mit hohen Temperaturen auch viel früher, als in den vergangenen Jahren. Sie warten im Gras oder im Laub auf ihre Opfer: die weiche und warme Haut von Menschen.

Mit einem Stich hinein gelingt es den Spinnentierchen, eine Blutmahlzeit zu ergattern. Doch das kann unangenehme Folgen haben: Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Borreliose. Das Infektionsrisiko steigt mit der Saugdauer der Zecke. 411 Fälle der mitunter lebensbedrohlichen Hirnhautentzündung FSME wurden im letzten Jahr erfasst. Ein hoher Stand im Langjahresvergleich und mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.

Vor allem die Frühsommer-Menigo-Enzephalitis (FSME) muss nicht sein, gegen sie kann sich jeder impfen lassen. Die FSME ist eine durch das FSME-Virus ausgelöste Krankheit. In Deutschland sind 20 Arten davon heimisch, darunter der Gemeine Holzbock, der das FSME-Virus überträgt. Das Virus greift das zentrale Nervensystem des Menschen an.

Das Robert-Koch-Institut rät vor allem Menschen zur Impfung, die in den FSME-Risikogebieten leben. Auch Menschen, die bald in solche Gebiete reisen und dort Zeit im Freien verbringen wollen, lassen sich impfen. Die beste Zeit für die Impfung ist der Winter, wenn die Zecken noch schlafen. Aber auch jetzt, mit Beginn der warmen Jahreszeit, ist es noch nicht zu spät. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Teilimpfungen. Für einen mehrjährigen Schutz sei eine dritte Impfung nach etwa einem Jahr nötig.

Es gibt immer mehr Risikogebiete in Deutschland: Waren 1998 noch 63 Landkreise im gesamten Bundesgebiet als FSME-gefährdet eingestuft, so sind es 2013 schon 141 Stadt- und Landkreise. Vor allem der Süden ist betroffen.

Zu den Bundesländern mit definierten FSME-Risikogebieten gehören Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Saarland. Bundesländer, in denen vereinzelt auftretende FSME-Erkrankungen festgestellt wurden, in denen jedoch kein Landkreis die Definition für ein FSME-Risikogebiet erfüllt, sind Brandenburg – hier vor allem die Uckermark und die Lausitz -, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein.

In Berlin, Bremen und Hamburg wurden bisher noch keine FSME-Fälle erworben. Möglicherweise als Folge der Klimaveränderungen kamen in den letzten Jahren neue Verbreitungsgebiete des FSME-Virus hinzu, etwa in Nordeuropa, in Alpentälern und in einigen Mittelgebirgsregionen.

Landkarte von FSME-Risikogebieten (Quelle: rbb)

Die Gefahr, nach einem Zeckenstich in diesen Risikogebieten an FSME zu erkranken, liegt neuen Erkenntnissen zufolge bei 1 zu 150. Allerdings führt nicht jede Infektion zu einer Erkrankung: Von den Menschen, die von einer FSME-infizierten Zecke gestochen werden, erkrankt etwa jeder Dritte. Bei den anderen verläuft die Infektion ohne merkliche Krankheitszeichen.

Naturliebhaber sollten möglichst helle, geschlossene Kleidung tragen und sich nach dem Spaziergang nach Zecken absuchen. Frühzeitiges Entfernen der kleinen Blutsauger bewahrt meist vor einer Infektion.

Nach dem Aufenthalt im Freien ist zudem Duschen eine gute Vorsichtsmaßnahme: Denn die Zecken krabbeln oft noch stundenlang auf dem Opfer umher, bevor sie wirklich zustechen, deshalb kann man manche Kandidaten noch abspülen. Einige Tiere bleiben aber auch in der und an der Kleidung haften. Da hilft nur die Waschmaschine. Forscher, wie der Berliner Biologe Dr. Hans Dautel, haben ermittelt, dass man die Kleidung über 40 Grad waschen muss, da die Viecher einen Waschgang mit unter 45 Grad überleben. Gegen Tiere, die sich bereits festgebissen haben, nützt Wasser natürlich nichts. Hat eine Zecke zugestochen, sollte man sie vorsichtig mit einer Pinzette, Zeckenzange oder einer Zeckenkarte hinter den Kopf fassen und herausziehen, ohne vorher Öl oder Wasser darauf zu geben. Dabei nicht herausdrehen. Zeckenkarten sind besonders unterwegs hilfreich. Zu erhalten sind sie in den meisten Apotheken und auch leicht und preiswert im internet zu bestellen. Wichtig ist, dass die Zecke ihren Darm nicht in die Blutbahn ausleert, deswegen die Hilfsmittel tief ansetzen.


Filmbeitrag: Nadine Bader
Infotext: Beate Wagner

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