Frau topft Blumen um und muss dabei niesen (Quelle: rbb)

- Allergien – was kann man jetzt noch machen?

Am 20. März ist Frühlingsanfang. Und durch den milden Winter ist die Pollenbelastung jetzt schon hoch und viel früher als sonst. Was können Allergiker jetzt noch machen, um die Pollen und die dadurch ausgelösten Allergien wirksam zu bekämpfen? Ayurvedische Kost und Yoga helfen genauso wie kleine Tipps für den allergischen Alltag.

Die Sonne gibt uns dieser Tage schon eine milde Vorahnung auf den bevorstehenden Frühling. Viele Menschen mit einer Pollenallergie freuen sich jedoch nicht unbedingt über den Beginn dieser Jahreszeit. Sie fürchten Heuschnupfen, häufig klagen sie teilweise schon seit Ende Januar über Fließschnupfen, tränende Augen und Juckreiz. Pollen der Haselnuss, Erle und Birke fordern ihr Immunsystem immer früher im Jahr heraus. Sie provozieren es und bringen den körpereigenen Botenstoff Histamin in Gang, der zur Abwehr der Fremdlinge für eine erhöhte Durchblutung der Schleimhäute sorgt. Und ein Ende des Schniefens ist erst einmal nicht in Sicht: Bis in den Herbst hinein gibt es Pflanzen wie beispielsweise Beifuss, die bei Betroffenen den Heuschnupfen befeuern.

Seit Jahren sind immer mehr Menschen von Allergien betroffen. Nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB) plagt derzeit rund 16 Prozent aller Deutschen ein Heuschnupfen. Die genauen Gründe für den stetigen Anstieg kennt man noch nicht. Klar ist aber, dass die globale Erwärmung mit dem milden Klima dazu beiträgt, dass es fast keine allergiefreie Zeit mehr im Jahr gibt.

Akut helfen Antihistaminika

Für Betroffene gibt es einige Grundregeln, mit denen sie sich gegen die Pollenallergie zur Wehr setzen können. Gegen akute Beschwerden helfen zum Beispiel die sogenannten Antihistaminika. Wie der Name schon sagt, blockieren sie das Histamin an den Schleimhautzellen. Dadurch werden die Entzündungssymptome reduziert. Nachteil sind die mitunter unangenehmen Nebenwirkungen: Teilweise gehen sie mit Kopfschmerzen und extremer Müdigkeit einher. Antihistaminpräparate sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Betroffene sollten die Auswahl aber mit ihrem Arzt abstimmen. Er kann Wirkungen und vor allem auch Neben- und Wechselwirkungen der Medikamente am besten einschätzen. Als sehr wirksame Helfer gegen geschwollene Nasen gelten auch kortisonhaltige Nasensprays. Sie gibt es allerdings wegen möglicher Nebenwirkungen nur auf Rezept.

Der Wäscheständer wird in die Wohnung getragen (Quelle: rbb)

Wer sich langfristig gegen das Niesen, Schnupfen und tränende Augen wappnen will, kann auch eine Immuntherapie beim Arzt durchführen lassen. Dabei bekommt der Patient in regelmäßigen Abständen geringe Mengen jener Allergene verabreicht, auf die er während der Pollensaison reagiert. Die sogenannte Hyposensibilisierung bewirkt, dass sich der Körper langsam an die Allergie auslösenden Stoffe gewöhnt, die überschießende Immunreaktion geht langfristig zurück. Eine Variante ist die Immuntherapie, bei der die Allergene direkt gespritzt werden. Eine andere die so genannte sublinguale Variante. Hier werden von den Betroffenen Tropfen- oder Tabletten eingenommen.

Tipps für den Alltag

In jedem Fall aber gilt: Je weniger Pollen ein Betroffener ausgesetzt ist, desto besser. Wichtig ist, die Pollen so effektiv wie möglich aus den eigenen vier Wänden zu verbannen. Dazu kann tägliches Staubsaugen beitragen. Zusätzlich helfen bestimmte Filter im Staubsauger und Klimaanlagen, welche die Pollenbelastung zu senken. Da sie jedoch nach einer gewissen Zeit verstopfen, sollten die Filter regelmäßig gewechselt werden.

Das regelmäßige nasse Wischen der Böden macht den umher fliegenden Pollen den Garaus. Luftbefeuchter und eine Nasendusche erfreuen die Nasenschleimhaut. Im Schlafzimmer hält eine Tagesdecke auf dem Bett die Pollen vom Bettzeug fern. Die Tageskleidung lässt man vor dem Schlafengehen am besten gleich draußen auf dem Flur. Auch das tägliche Haare waschen hilft, die Pollen von dem Kopfkissen fernzuhalten.

Wäsche sollten Betroffene in der Zeit des Pollenfluges in der Wohnung trocknen. Beim Lüften in der Stadt ist darauf zu achten, morgens im Stoß die Fenster zu öffnen – zu dieser Zeit ist die Luft noch nicht so stark mit Pollen belastet. Auf dem Lande dagegen empfehlen Experten lieber abends kurz zu lüften. Zudem hilft auch ein Fliegen- oder ein Pollenschutzgitter. Sportler joggen am besten auch gleich morgens, denn mittags ist die Polenbelastung am größten.

Pollenschutzgitter wird angebracht (Quelle: rbb)

Flucht in den Urlaub

Wer plant, in der pollenreichen Zeit in den Urlaub zu "flüchten", sollte sich vorher ein Ziel mit niedrigem Pollen- oder Sporenflug aussuchen. Dazu zählen zum Beispiel Gebirgsregionen über 2.000 Meter Höhe, das Meer oder nordeuropäische Gebiete, wo die Pollenflugsaison erst später beginnt. Wichtig ist, dass man vor Urlaubsantritt prüft, ob in der Zielregion nicht ebenso gefürchtete Pollen oder gar ähnliche Allergene umherfliegen. So ähneln zum Beispiel die Pollen der Esche denen des Olivenbaumes, was einen Urlaub am Mittelmeer für einen Eschenpollen-Allergiker nicht zu jeder Zeit angenehm macht.

Digitale Orientierung

Die Pollenflugsaison ist durch den Klimawandel längst nicht mehr auf ein paar Monate reduziert. Aktuelle Vorhersagen für Allergiker bieten daher mittlerweile alle Zeitungen und Wetterdienste im Internet oder Fernsehen. Wer sich digital informieren will, wann wo welche Pollen fliegen, kann sich die Vorhersage des aktuellen Pollenflugs kostenlos direkt auf das Handy downloaden. Um die konkreten Tipps für die eigene Region zu bekommen, gibt man bei der App mittels Postleitzahl seinen genauen Standort an. Wer sich einen Überblick über seine individuelle Belastung erstellen will, kann sich zudem ein persönliches Pollentagebuch anlegen.

Kreuzweise allergisch

Pollenallergiker müssen nicht nur auf die aktuelle Belastung in der Luft achten, sondern sollten auch ihren Speiseplan im Auge behalten. Denn manche Proteine in Lebensmitteln ähneln den Allergenen, die den Heuschnupfen auslösen. Meist löst der Kontakt damit lediglich Beschwerden in der Mundschleimhaut aus. In schweren Fällen kann es aber auch einmal zu Magen- oder Atembeschwerden kommen. Wer beispielsweise auf Birke, Hasel oder Erle allergisch reagiert, sollte Obst und Gemüse mit Steinen oder Kernen meiden. Dazu zählen Äpfel, Kirschen, Avocados oder auch Nüsse. Wer gegen Beifußpollen allergisch ist, verzichtet auf Sellerie, Karotten und Gewürze wie Anis oder Kümmel.

Wie die richtige Ernährung helfen kann

Es gibt aber auch Ernährungsweisen, die Allergien vorbeugen können. Dazu zählt zum Beispiel die alte Tradition einer medizinischen Ayurvedaküche aus Indien. Ayurveda ist eine uralte, ganzheitliche Medizin. In Indien wurde die tradierte Volksmedizin während der Kolonialzeit durch die westliche Medizin zurückgedrängt. Seit einigen Jahrzehnten erlebt sie wieder eine Renaissance. Die ganzheitliche Medizin will die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren. Die Ayurvedische Lehre ist eine Individualmedizin, sie ist speziell auf den einzelnen Menschen ausgerichtet. Ihr zufolge ist der Mensch ein Lebewesen, das von drei Lebenskräften, sogenannten Doshas, bestimmt wird: Vata, Pitta und Kapha. Diese werden mit bestimmten Organen und physiologischen Prozessen in Verbindung gebracht. Bei der Betrachtung eines Patienten und seiner Beschwerden geht es immer um die Herstellung des Gleichgewichtes der drei Doshas. Krankheit wird als ein Ungleichgewicht der Lebensenergien betrachtet.

Khichadi (klassische Reis-Linsen-Speise) (Quelle: rbb)

Die ayurvedische Ernährung

Neben der Lebensweise gehört auch die Ernährung bei Ayurveda zum zentralen Bestandteil von Gesundheit. Im ayurvedischen Sinne gilt jede Nahrung auch als Medizin, die vor allem der Vorsorge dient. Auch die Nahrungsmittel haben bestimmte Eigenschaften – korrespondierend zu den Doshas. Bei einer Dysbalance im Körper werden die Doshas durch das Essen harmonisiert, ergänzt und ausbalanciert.

Allergien beruhen schulmedizinisch auf einer Überreaktion des Immunsystems. Im Verständnis der Ayurvedamedizin entsteht es durch ein Ungleichgewicht der Dohas. Die Ernährung wird entsprechend so ausgewählt, dass sie die Fehlsteuerungen ausgleichen. Helfen kann auch eine ayurvedische Reinigungskur, die Pancakarma, welche die überschüssigen Doshas entfernt. Prinzipiell sollte die Behandlung des Heuschnupfens vor Beginn der Symptome eingeleitet werden. Es ist also sinnvoll, bereits im Winter die Ernährung entsprechend umzustellen und die Reinigungskur im Frühjahr durchzuführen.

In den meisten Fällen konzentrieren sich ayurvedische Ärzte darauf, Vata und Kapha zu senken. Da die Therapie aber individuell ist, geben ayurvedische Experten keinen allgemeingültigen Tipps für "alle" Allergiker. Bei Nahrungsmitteln kommt es zudem besonders auf die Zubereitung an. So ist kalte Milch häufig unverträglich. Wird die Milch aber warm gemacht und mit anregenden Gewürzen getrunken, vertragen Patienten mit Allergien sie deutlich besser. Auch Rohgemüse wird häufig schlechter vertragen als gekochte Gemüse. Ayurveda bietet gerade bei Allergien sehr viel Hilfe, kann aber im akuten Stadium die schulmedizinische Therapie nicht ersetzen.


Filmbeitrag: Ina Czycykowski
Infotext: Beate Wagner

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