-
Patienten, die etwa nach einer erfolglosen Bandscheiben-Operation ständig unter Schmerzen leiden, kann ein "Schmerzschrittmacher" helfen. Er wird implantiert und "überlagert" mit elektrischen Impulsen die Schmerzweiterleitung zum Gehirn. Aber auch alternative Verfahren wie Meditation und Yoga, können bei Schmerzen helfen.
Seite 2 von 2
Metamizol
Metamizol wirkt Fieber entgegen, schmerzlindernd und krampflösend. Es soll nur kurzfristig eingesetzt werden, wenn schwere, mit NSAR nicht beherrschbare Schmerzzustände bestehen. Trotz strengster Einschränkung der Indikationen wird Metamizol hierzulande in den letzten Jahren jedoch wieder häufiger eingesetzt. In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde es in vielen Ländern vom Markt genommen (z. B. USA, Australien, Japan sowie in den meisten Ländern der Europäischen Union). In Deutschland wurden im Jahr 1987 alle Metamizolhaltigen Kombinationspräparate vom Markt genommen und die Monopräparate der Rezeptpflicht unterstellt. Trotz dieser Einschränkungen verzehnfachte sich die Zahl der Verordnungen in Deutschland im ambulanten Bereich von circa zehn Millionen Tagesdosen im Jahr 1990 auf mehr als 110 Millionen im Jahr 2009.
Experten sprachen von einer "gefährlichen Renaissance eines Schmerzmittels". Denn Metamizol kann eine allergische Schockreaktion auslösen, die tödlich enden kann. Es kann zudem dazu führen, dass keine weißen Blutkörperchen mehr gebildet werden. Ist ihre Zahl stark vermindert, sprechen Ärzte von einer Agranulozytose. Der Körper kann dann Infektionen, selbst eine banale Entzündung des Rachens, nicht mehr abwehren. Das Gefährliche ist, dass der Patient nicht merkt, dass seine körpereigenen Waffen fehlen. Wer Metamizol einnimmt, sollte sein Blutbild regelmäßig kontrollieren lassen und Infektionen nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern den Arzt sofort darüber informieren.

Elektrische Impulse lindern den Schmerz
Neben Medikamenten gehen Schmerzmediziner mit modernen Nervenstimulatoren gegen die chronischen Beschwerden vor. Die sogenannte Neurostimulation (Spinal Cord Stimulation) sorgt dafür, dass Schmerzsignale nicht an die im Rückenmark aufsteigenden und zu den zum Gehirn weiterleitenden Nervenfasern fortgeleitet werden.
Der Schmerz wird somit gedämpft. Bei einer Operation implantieren Ärzte dem Patienten ein Stimulationsgerät in den linken Oberbauch. Es hat etwa die Größe eines Herzschrittmachers. Das Gerät ist mit zwei Elektroden im Wirbelkanal verbunden. Durch feine elektrische Impulse an die Rückenmarksnerven wird die Schmerzweiterleitung in den Nervenbahnen des Rückenmarks gedämpft, der Schmerz so verringert. Der Träger spürt ein leichtes, angenehmes Kribbeln.
Nach der Implantation lernen die Patienten in der Rehabilitation, mit dem Stimulator umzugehen. Per Fernbedienung kann der Patient den Stimulator permanent oder für besonders belastende Aktionen anstellen. Ebenso lässt sich die Intensität des Gerätes regulieren. Die chronische Schmerzempfindung wird quasi "überschrieben". In der Regel ist das ein dauerhafter Effekt, der über viele Jahre stabil bleiben kann. Patienten, bei denen die Neurostimulation erfolgreich eingesetzt wird, geben eine Schmerzreduktion von 50 bis 90 Prozent an. Teilweise kann sogar völlige Schmerzfreiheit ohne das Kribbeln erzielt werden.
In einzelnen Fällen kommt es auch zu einer Gewöhnung, so dass die Wirksamkeit der Stimulation nachlässt und der Schmerz dann wieder mehr in den Vordergrund tritt. In der Schmerztherapie ist die Neurostimulation seit Jahren etabliert. Die Krankenkassen übernehmen die Behandlungskosten. Eingesetzt wird der Neurostimulator beispielsweise bei Herzpatienten oder Menschen mit chronischen Rückenschmerzen. Außerdem profitieren Menschen mit dem sogenannten "Failed-back-surgery-Syndrom" (FBSS). So bezeichnen Mediziner Beschwerden beziehungsweise Schmerzen, die sich auch nach einer Bandscheiben- oder Wirbelsäulenoperation nicht bessern. Wie häufig das FBSS ist, darüber ist man sich nicht einig. Zu den Schmerzen gesellen sich häufig Schlafstörungen, Depressionen, soziale und ökonomische Probleme.

Naturheilkunde gegen chronische Schmerzen
Schmerzpatienten können auch viel selber dazu beitragen, dass sie die Schmerzen weniger als Belastung erleben. Grundsätzlich sollten sie darauf achten, dass sie sich gesund ernähren, ausreichend schlafen und ihr Alltag durch einen Balance zwischen An- und Entspannung geprägt ist. Weiterhin können alternative Angebote aus der Naturheilkunde Linderung bringen. Dazu zählen Yoga, Atem-Meditation und Achtsamkeitsübungen, gymnastische Übungen, autogenes Training und aufsteigende Bäder. Angeboten werden sie zum Beispiel in der Tagesklinik des Immanuel Krankenhauses Berlin. Hier entwickeln die Patienten eigene Strategien, um mit dem Schmerz umzugehen. Sie lernen ihre Gefühle einzuschätzen, bewusster auf Körpersignale zu achten und gute Momente intensiver zu genießen. Ihnen geben sie fortan eine größere Bedeutung als dem Schmerz, er wird weniger beachtet, tritt in den Hintergrund des Bewusstseins. Innere Gelassenheit kann helfen, den Schmerz als zweitrangig zu bewerten, sogar regelrecht zu ignorieren und dadurch auch weniger darunter zu leiden.
Filmbeitrag: Ursula Stamm
Infotext: Beate Wagner










