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Allein in Deutschland leiden laut Schätzungen zwei bis drei Millionen Menschen an einem schwachen Herzen. Herzschwäche ist die Folge von Bluthochdruck, Herzinfarkt und anderen Herzerkrankungen. Der Film zeigt, wie differenziert die Herzschwäche in unserer Region behandelt werden kann und welche innovativen Konzepte Ärzte anwenden, um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.
Ist das Herz schwach, wird der Körper nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt, es kommt zu Beschwerden wie Atemnot, Abnahme der Leistungsfähigkeit, Wassereinlagerungen in den Beinen. In der Therapie der Herzschwäche setzt man auf eine Behandlung der Grunderkrankung, auf Medikamente, die das Herz schützen sollen, auf Bewegung als Therapie und auf spezielle Schrittmacher. Schreitet die Herzschwäche weiter fort, bleibt im Endstadium nur eine Herztransplantation.
Herzschwäche oder Herzinsuffizienz ist eine weit verbreitete Herzerkrankung, bei der die Lebenspumpe dauerhaft erschöpft ist. Viele der Millionen Betroffenen wissen gar nicht, dass sie eine Herzschwäche haben. Auch Ärzte diagnostizieren die Krankheit oft viel zu spät, so dass Medikamente nicht mehr helfen. Das hat Folgen: Fast 50.000 Patienten versterben innerhalb eines Jahres; vier Jahre nach der Diagnose lebt nur noch die Hälfte aller Erkrankten.
Jedes Jahr müssen mehr als 300.000 Herzschwächepatienten ins Krankenhaus – so viele wie bei keiner anderen Erkrankung. Der häufigste Grund für Krankenhaus-Einweisungen sind Fehler bei der Medikamenten-Einnahme. Einige Patienten vergessen, die Tabletten zu schlucken. Andere setzen einzelne Präparate ohne Rücksprache mit dem Arzt einfach ab oder verringern die Dosis. So gehört die Herzschwäche zu den drei häufigsten Todesursachen in Deutschland. Die Fallzahl könnte sogar noch zunehmen, denn die Menschen werden älter und damit steigt auch die Zahl der schwachen Herzen.

Das schwache Herz muss viel mehr Kraft aufbringen als beim Gesunden, um genug sauerstoffreiches Blut in den Körper zu pumpen. Gelingt das nicht, staut sich das Blut zurück. So entstehen folgende Warnzeichen und Beschwerden: Atemnot, Leistungsabfall und ständige Müdigkeit, mehr Gewicht auf der Waage und Flüssigkeitseinlagerungen, vor allem in den Beinen und der Lunge.
Mit der Zeit schafft es das Herz immer weniger, genug Blut durch den Körper zu pumpen. Gehirn, Nieren, Leber, aber auch Muskeln und alle anderen wichtigen Organe bekommen zu wenig Nährstoffe und Sauerstoff. Zunächst weiß das Herz sich zu helfen.
Die Herzmuskelzellen wachsen, die Herzwände verdicken sich. Dann sterben die vergrößerten Herzmuskelzellen ab, es entsteht minderwertiges Narbengewebe. Die Herzkammern versteifen, die Beschwerden nehmen zu. Nach und nach büßt der Herzmuskel ganz seine Pumpkraft ein. Bei der Linksherzschwäche ist die linke Herzkammer stark vergrößert, bei der Rechtsherzschwäche die rechte Kammer. Oft büßt das Herz zudem eine synchrone Erregung ein – es kommt zu Herzrhythmusstörungen.
Lässt sich die Herzschwäche vermeiden?
Risikofaktor für eine Herzschwäche ist ein Bluthochdruck. Davon spricht man, wenn bei verschiedenen Messungen an unterschiedlichen Tagen Werte von 140 zu 90 mmHg oder höher auftreten. Verschiedene Medikamente helfen gegen Bluthochdruck. Auf natürliche Weise lässt er sich aber auch durch Bewegung senken. Mit einem gut durchdachten Sportprogramm ist bei einem Bluthochdruck eine Verringerung der Werte um etwa 5 bis 10 mmHg zu erwarten. Zudem sollte man das Essen nicht zu sehr salzen, auf Alkohol verzichten und sein Körpergewicht reduzieren – all das wirkt sich positiv auf den Blutdruck aus.
Auch eine Arteriosklerose erhöht das Risiko für Herzschwäche. Die Gefäßerkrankung führt dazu, dass sich Fett an den Gefäßwänden ablagert, später verkalken die Wände. Allmählich verringert sich der Gefäßdurchmesser, es kommt zu Durchblutungsstörungen und zur koronaren Herzerkrankung (KHK). Schlimmstenfalls bildet sich zusätzlich ein Pfropf aus Blutplättchen (Thrombus). Dann droht ein kompletter Gefäßverschluss, ein Infarkt.

Die wichtigsten Risikofaktoren für die Gefäßverkalkung sind Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Rauchen, schlechte Blutfettwerte sowie das Alter. Arteriosklerose wird zudem zum Teil vererbt.
Eine andere Ursache für die Herzschwäche ist zum Beispiel eine dilatative Kardiomyophatie. Dieser Begriff beschreibt eine Erkrankung des Herzmuskels, die nicht durch eine KHK, einen angeborenen Klappenfehler oder durch Bluthochdruck bedingt ist.
Selten kann auch eine Chemotherapie, eine Entzündung oder eine Bindegewebserkrankung zu einer Herzschwäche führen. Generell wirkt eine gesunde Lebensführung der Entwicklung einer Herzschwäche entgegen. Dazu gehören eine ausgewogene Ernährung und eine regelmäßige Bewegung. In vielen Städten gibt es spezielle Herzsportgruppen, die unter ärztlicher Kontrolle stattfinden.

Wie diagnostizieren Ärzte eine Herzschwäche?
Oft ergibt sich die richtige Diagnose der Herzschwäche bereits aus der Krankengeschichte. Der Arzt stellt bei der körperlichen Untersuchung außerdem geschwollene Beine und Knöchel sowie Wasseransammlungen im Bauchraum fest.
Das Röntgenbild des Brustkorbs zeigt diese auch in der Lunge, zudem wird ein vergrößertes Herz sichtbar. Die Pumpfunktion des schlagenden Herzens kann der Arzt sehr gut mit dem Herz-Ultraschall untersuchen. Dabei kann er auch die Herzklappen beurteilen. Manchmal wird der Ultraschall auch von innen durch die Speiseröhre durchgeführt.
Diese sogenannte transösophageale Echokardiografie (TEE) wird umgangssprachlich als "Schluck-Echo" bezeichnet. Sie wird nötig, wenn beispielsweise die Vorhöfe des Herzens oder die Herzklappen noch genauer betrachtet werden müssen. Bei einer Herzschwäche wird häufig die Mitralklappe undicht. Da sie zwischen linkem Vorhof und linker Kammer liegt, schwappt dann nicht selten das Blut zurück in die Lunge. Die Mitalklappenisuffizienz ist eine häufige Begleiterscheinung der Herzschwäche.
Hinweise zum Grad der Arteriosklerose als Ursache einer Herzschwäche findet man mit einer Herzkatheteruntersuchung. Das EKG und Herzecho bestätigen schließlich die Diagnose. Im EKG sehen die Ärzte, ob zusätzlich eine gefährliche Herz- Rhythmusstörung vorliegt.
Besteht der Verdacht auf eine seltene Speichererkrankung oder eine entzündliche Bindegewebserkrankung wie die Sarkoidose, hilft die Kardio-MRT-Untersuchung. Ärzte können mit dieser Methode in den Herzmuskel hineinschauen. Durch die Sarkoidose kann das Herzmuskelgewebe zerstört werden – und so schwere Rhythmusstörungen verursachen.

Wie behandeln Ärzte die Herzschwäche?
Klassischerweise therapieren Ärzte die Herzschwäche mit Medikamenten. Die senken den Blutdruck im Körperkreislauf, dann reicht die Kraft des geschwächten Muskels wieder, um genügend Blut durch den Körper zu pumpen: Diuretika oder Wassertabletten entwässern, Beta-Blocker harmonisieren den Herzschlag, ACE-Hemmer unterstützen die Pumpkraft.
Oft dauert es einige Wochen oder sogar Monate, bis die richtige Dosis für die Medikamente gefunden ist. Auch fühlen sich viele Patienten kurz nach Beginn der Therapie zunächst schlechter als vorher. Wenn jedoch dieses typische "Tal der Tränen" durchschritten ist, sind viele Patienten wieder viel leistungsfähiger. In jedem Fall ist eine engmaschige ärztliche Betreuung wichtig, damit ein gutes Ergebnis entsteht. Das setzt natürlich auch voraus, dass die Medikamente regelmäßig eingenommen werden.

Schrittmachersysteme verbessern Rhythmus und Pumpleistung
Wenn Leitungsstörungen am Herzen hinzukommen, implantieren Ärzte ein sogenanntes CRT-System (Cardiac Resynchronization Therapy). Der Schrittmacher ist gleichzeitig auch ein Defibrillator.
Er bringt das Herz wieder in den richtigen Rhythmus und gibt Elektroschocks ab, wenn das Herz droht auszusetzen. Denn eine der größten Gefahren für herzschwache Patienten ist der plötzliche Herztod. Das CRT-System reguliert den Herzrhythmus und verbessert die Pumpleistung. Zu diesem 3-Kammer-System führten Wissenschaftler in den letzten Jahren viele Studien durch. Wie sich zeigte, sterben durch seinen Einsatz weniger Patienten und sie müssen seltener ins Krankenhaus.
Viele berichten zusätzlich von einer deutlich gesteigerten körperlichen Leistungsfähigkeit. Dennoch ist die Resychronisationstherapie kein Allheilmittel. Das CRT-System ist dann angezeigt, wenn die Pumpkraft des Herzens deutlich eingeschränkt ist und die linke Herzkammer bedeutend später erregt wird als normal. Patienten nach Herzinfarkt profitieren zum Beispiel weniger. Denn ihr Muskel ist vernarbt, die Elektroden können dagegen wenig ausrichten.

Undichte Herzklappen werden mit Mitraclips zusammengeheftet
Sind die Herzklappen durch die Herzschwäche in Mitleidenschaft gezogen, kann ein sogenannter Mitraclip helfen.
Während des Eingriffs schiebt der Kardiologe den Mitraclip mittels Katheter von der linken Leiste bis in das linke Herz vor und platziert ihn mithilfe des Herz-Ultraschalls exakt an der undichtesten Stelle des winzigen Segels. Das Herz wird dabei nicht in seiner Arbeit gestört, der Brustraum muss weder chirurgisch geöffnet werden noch braucht es eine Herz-Lungen-Maschine. Manchmal dauert die Operation jedoch dennoch mehrere Stunden und es sind mehrere Clips nötig, um die Herzklappen wirklich abzudichten.

Die Stimulation von Nervenknötchen senkt den Blutdruck
Ist die Herzschwäche so fortgeschritten, dass die Belastbarkeit immer weiter sinkt und fast alle Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft scheinen, testen Kardiologen die sogenannte Baroreflexstimulation.
Kernstück der Therapie ist ein Schrittmacher, der unter die Haut implantiert wird. Über feine Kabel sendet er Impulse zu kleinen Nervenknötchen an der Halsschlagader, die Barorezeptoren, und von hier aus in Richtung Gehirn. Entscheidend für die Wirkung auf die Herzschwäche ist vor allem die Antwort des Gehirns an das Herz und die Blutgefäße: Sie führt dazu, dass die Herzfrequenz sinkt – und das System zur Ruhe kommt.
Bisher wurde die Baroreflexstimulation eines schwer einstellbaren Bluthochdrucks eingesetzt, ihre Wirkung auf die Herzschwäche wird jetzt erst im Rahmen von Untersuchungen getestet. So nimmt beispielsweise das Herzzentrum Brandenburg an einer weltweiten Studie teil, die klären soll, welche Patienten von dieser Methode profitieren.
Wirkt die Vagusstimulation effektiv der Herzschwäche entgegen?
Ein ähnlicher neuer Therapieansatz zur Behandlung der Herzschwäche ist die so genannte Vagusstimulation. Sie wird aktuell im Rahmen einer großen europaweiten Studie untersucht. Diese Vagusstimulation wirkt auf das so genannte vegetative Nervensystem. Hier spielen der Sympathikus und der Parasympathikus eine entscheidende Rolle. Diese Nerven können vom Körper nicht direkt willentlich beeinflusst werden, sie steuern lebenswichtige Körperfunktionen wie Herzschlag, Atmung, Blutdruck, Verdauung und Stoffwechsel. Ist der Sympathikus dauerhaft dominant, läuft der Körper auf "Hochtouren", die Prognose einer Herzschwäche verschlechtert das deutlich.
In der Behandlung wird daher der Vagusnerv als Gegenspieler angeregt. Der Vagusnerv ist Teil des Parasympathikus. Dies geschieht über einen Impulsgeber, den Kardiologen auch unter die Haut einpflanzen – ähnlich einem Schrittmacher. Mit einem dünnen Draht wird das kleine Gerät mit dem Vagusnerv verbunden, dann stimuliert es ihn mit Stromimpulsen. Durch die Aktivierung des Parasympathikus beruhigt sich das Herz und wird entlastet. Die Studie ist abgeschlossen, jedoch noch nicht endgültig ausgewertet. Erste Studienergebnisse sind vielversprechend.
Verbessert Telemedizin die Versorgung von Herzschwächepatienten auf dem Land?
Eine Studie für Patienten mit Herzschwäche untersucht momentan Nutzen und Kosten von Telemedizin auf dem Land. Die Studie ist die bisher größte randomisierte Herzinsuffizienzstudie zur Telemedizin. Eingeschlossen werden insgesamt 1500 Patienten mit Herzinsuffizienz, die bestimmte Kriterien erfüllen und mindestens einmal in den letzten zwölf Monaten wegen ihrer Herzschwäche im Krankenhaus behandelt werden mussten.
Insgesamt beteiligen sich 400 Hausarztpraxen in Berlin und Brandenburg sowie bei 60 niedergelassenen Kardiologen. Die Patienten werden in zwei Gruppen eingeteilt: Die Teilnehmer der ersten Gruppe werden konventionell behandelt. Die der anderen Gruppe werden durch ein telemedizinisches Service-Zentrum in Berlin, Brandenburg und Cottbus unterstützt. Diese Patienten übertragen an die Servicezentren je nach individueller Situation Blutdruck, Körpergewicht und Daten von kardialen Implantaten, außerdem bei Bedarf EKGs und auch die Sauerstoffsättigung. Die Studie wird erst nach einigen Monaten oder gar Jahren abgeschlossen sein.
Was können Herzschwächepatienten selbst tun?
Patienten mit Herzschwäche sollten sich regelmäßig wiegen – das wirkt der übermäßigen Wasseransammlung im Körper entgegen, weil man sie eher entdeckt. Zudem sollten Patienten nur eine begrenzte Menge Flüssigkeit zu sich nehmen. Sie müssen also aufschreiben, wie viel sie trinken und wie viel Urin sie ausscheiden.
Sport ist kein Mord für Herzpatienten
"Schonen Sie sich und meiden Sie Sport". So lautete früher die Empfehlung für Menschen mit Herzschwäche. Je fortgeschrittener die Herzinsuffizienz war, desto mehr sollten sich die Patienten schonen. Heute weiß man, dass das Gegenteil richtig ist. Eine generelle Schonung bei Herzschwäche ist nicht mehr zu empfehlen. Denn Studien zeigen: Sport beziehungsweise ein bestimmtes Ausdauertraining führt dazu, dass Patienten seltener in die Klinik müssen und ein geringeres Risiko haben, vorzeitig zu sterben. Doch ganz gleich ob in der Herzgruppe oder alleine im Park: Wichtig ist, dass das Programm feste Leistungsgrenzen hat und mit dem Arzt abgesprochen ist. Herzschwache profitieren vor allem von Intervalltraining und gezieltem Muskelaufbau-Training. Denn je mehr ein Muskel selbst leistet, desto weniger Kraft braucht das Herz für die Bewegung.
Film von Cornelia Fischer-Börold
Infotext: Beate Wagner





