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Es war die Zeit der Eisenbahnunglücke, der explodierenden Dampfmaschinen und des Ersten Weltkrieges: Im April 1914 nahm der Unfallmediziner Carl Thiem in Cottbus ein Krankenhaus in Betrieb, durch das die Unfallheilkunde zu einer bis dahin ungeahnten Blüte kam. Trotz seiner wechselvollen Geschichte blieb Südbrandenburgs größtes Krankenhaus bis heute diesem Erbe treu. In der Notaufnahme und im Operationssaal kämpfen auf der Höhe ihrer Zeit Mediziner um das Leben Verunglückter in Brandenburg.
Carl Thiem gilt als "Vater der Unfallheilkunde" in Deutschland und als Verfasser des ersten wissenschaftlichen Standardwerks über die Behandlung von Unfallopfern. In Cottbus war er zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Vor der Gründung des städtischen Krankenhauses war die medizinische Versorgung vor Ort katastrophal. Die Industrialisierung der Lausitz mit ihren Tuchfabriken und Bergwerken führte immer häufiger zu schweren Arbeitsunfällen, die Ärzte vor nie dagewesene Herausforderungen stellten. Carl Thiem erforschte nicht nur die Verletzungen der Arbeiter, sondern gab auch wichtige Impulse, um seine Patienten durch Reha-Maßnahmen wieder ins Arbeitsleben einzugliedern.
Heute ist das Cottbuser Krankenhaus die wichtigste Anlaufstelle für Rettungshub-schrauber und Krankenwagen in Südbrandenburg. Als seit Sommer 2013 zertifiziertes !überregionales Polytraumazentrum" ist die Klinik auf die Versorgung von Schwerstverletzten spezialisiert. Das Carl-Thiem-Klinikum beteiligt sich bereits seit 2007 am Deutschen Traumaregister und registriert dort alle Fälle. Seit 2010 ist die Carl-Thiem-Klinik als Regionales Traumazentrum zertifiziert. Von einem Polytrauma sprechen Ärzte, wenn ein Patient mehrere Verletzungen gleichzeitig in mehreren Körperregionen erlitten hat und die Situation lebensbedrohend ist.
Heute wie vor 100 Jahren kämpfen im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum Ärzte um das Leben ihrer Patienten. Schädelfrakturen und Verletzungen am Brustkorb sind mittlerweile die häufigsten Folgen bei Unfällen. Für die Ärzte ist es häufig ein Wettlauf gegen den Tod, vor allem, wenn Patienten mit einem Polytrauma angekündigt werden. In aller Regel entscheidet sich in der ersten Stunde nach einem Unfall, ob ein Patient gerettet werden kann. Die erste Anlaufstation im Krankenhaus ist der Schockraum, wo Ärzte verschiedener Fachrichtungen gemeinsam einen Patienten behandeln. Anders als zu Zeit Carl Thiems ist moderne Unfallmedizin eine arbeitsteilige Teamarbeit.
Filmbeitrag: Wolfgang Albus
Infotext: Constanze Löffler







