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Kohlenmonoxid-Vergiftung, Tauchunfall oder schwere Infektion – schnelle und effiziente Hilfe bietet in solchen Fällen die Sauerstoffgabe in der Druckkammer des Berliner Vivantes Klinikums Friedrichshain. In dem U-Boot-ähnlichen Raum atmen Betroffene reinen Sauerstoff unter erhöhtem Raumdruck ein. Die Druckkammer ist rund um die Uhr einsatzbereit. Wir schalten live in die Druckkammer beim Vivantes Klinikum im Friedrichshain und zeigen wie dort "unter Druck" therapiert wird.
Druckkammer bei Kohlenmonoxid-Vergiftung
Vor knapp zwei Wochen kam in einem Mehrfamilienhaus im westfälischen Ahlen eine vierköpfige Familie durch eine Kohlenmonoxid-Vergiftung ums Leben. Offenbar verursachten Dohlen den Erstickungstod der Familie. Die Vögel hatten ihr Nest im Kamin eines Hauses gebaut, so dass die Abgase der Gasheizung in die Wohnung strömten. Ebenfalls eine ganze Familie erstickte im Juli 2011 in Berlin-Köpenick. Hier hatten die Vormieter die Gastherme manipuliert.
Tatsächlich ist Kohlenmonoxid oder "CO" (chemische Bezeichnung) ein tückisches Gas. Man hört es nicht, man sieht es nicht, man riecht es nicht. Es entsteht bei Verbrennungsprozessen ohne ausreichende Sauerstoffzufuhr. Die Ursachen sind vor allem defekte und falsch gewartete Gasthermen oder Gasherde sowie Öfen, Heizungs- und Schornsteinanlagen. Luftdicht schließende Fenster oder eine Abzugshaube verstärken die Gefahr: Die Konzentration an gefährlichem Kohlenmonoxid steigt, der Gehalt an lebenswichtigem Sauerstoff sinkt.
Über die Lunge erreicht das Kohlenmonoxid schnell den Blutkreislauf. Dort blockiert es an den roten Blutkörperchen die Bindungsstellen für Sauerstoff. Die Folge: Statt Sauerstoff transportiert das Blut vermehrt Kohlenmonoxid zu den Organen und ins Gehirn. Die Symptome bei einer Vergiftung reichen von grippeähnlichen Beschwerden über leichten Schwindel bis hin zur Bewusstlosigkeit.

Menschen mit Vergiftungserscheinungen brauchen sofort reinen Sauerstoff, um das Kohlenmonoxid aus dem Blut zu verdrängen. Bei schweren Vergiftungen ist eine so genannte hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) notwendig: In einer Druckkammer atmen die Betroffenen reinen Sauerstoff unter einem erhöhten Raumdruck ein. Unter diesem hohen Druck kann das Kohlenmonoxid besonders effektiv aus dem Blut verdrängt werden. Ohne die Behandlung haben 15 bis 40 Prozent der Patienten neurologische Spätkomplikationen sowie Spätschäden des Herzkreislaufsystems. Mit der hyperbaren Sauerstoff-Therapie kann diese Rate auf wenige Prozent reduziert werden. In der Druckkammer am Vivantes Klinikum können 14 Personen gleichzeitig behandelt werden.
Druckkammer bei Tauchunfällen
Tauchen gilt als sichere Sportart, allerdings können die seltenen Tauchunfälle schwerwiegende Folgen haben. Der Tauchunfall wird auch als "Dekompressions-Unfall", "Decompression Illness" oder "DCI" bezeichnet. Er wird hervorgerufen durch raschen Abfall des Umgebungsdruckes. Typischerweise bilden sich in Blut und Gewebe freie Gasblasen. Der Grund: Unter Wasser ist der menschliche Körper einem viel größeren Druck ausgesetzt als an Land. Dadurch wird Stickstoff im Gewebe gespeichert. Damit der Körper den angesammelten Stickstoff wieder an das Blut abgeben und über die Lunge abatmen kann, müssen Taucher beim Auftauchen regelmäßig längere Pausen einlegen.
Wer zu schnell auftaucht, bei dem sprudelt der überschüssige Stickstoff in den Blutgefäßen und verstopft diese – ähnlich wie ein Blutgerinnsel bei einem Schlaganfall. Bei einem Tauchunfall kann oft nur noch eine sofortige Therapie in einer Druckkammer helfen. In einem simulierten Tauchgang wird der Druck in der Kammer langsam erhöht. Gleichzeitig bekommen die Patienten reinen Sauerstoff, um den Stickstoff aus dem Gewebe zu verdrängen und über das Blut und die Lunge abzuatmen. In der Druckkammer des Vivantes-Klinikums werden regelmäßig mehr als 3.000 Taucher aus Berlin und Brandenburg, aber auch Leipzig, Hamburg und Köln betreut.
Die hyperbare Sauerstofftherapie bei anderen Indikationen
Die hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) in der Druckkammer kommt auch bei schlecht heilenden Wunden sowie Infektionen zum Einsatz. Rund zwei bis vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an Wundheilungsstörungen; nicht selten machen offene Wunden sie zu Pflegefällen. Auslöser sind Problemkeime wie beispielsweise Pseudomonas aeruginosa. Antibiotika verlieren ihre Wirksamkeit; die chirurgische Entfernung toten Gewebes mündet beizeiten in die Amputation.
Eine Alternative dazu ist die hyperbare Sauerstofftherapie. Menschen mit Problemwunden atmen in einer Druckkammer konzentrierten Sauerstoff ein. Die Sauerstoffkonzentration im Blut steigt um das Zwanzigfache an. Der Sauerstoff kurbelt die Wundheilung an und erreicht sogar Gewebe, das nicht mehr ausreichend versorgt ist und sich deshalb auch nicht erholen kann. Oft tritt schon nach wenigen Sitzungen der Erfolg ein: Die Wunde schließt sich. Zugleich reduzieren sich die Entzündungswerte im Körper.
Auch bei Spätschäden nach Bestrahlungen hat sich die hyperbare Sauerstofftherapie als erfolgreich erwiesen. Zahlreiche Studien belegen die Wirksamkeit. In Privatkassen, über Beihilfe und in Berufsgenossenschaften versicherte Patienten erhalten je nach Art und Dauer der Erkrankung die Therapiekosten in der Regel ersetzt. Die Kostenübernahme der HBO durch gesetzliche Krankenkassen ist in Einzelfällen möglich.
Filmbeitrag: Erika Brettschneider
Infotext: Constanze Löffler









