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Das Stroke-Einsatz-Mobil STEMO ist ein Rettungsfahrzeug für die schnelle Erstversorgung von Schlaganfallpatienten. An Bord befinden sich ein Computertomograph (CT), ein Minilabor und ein Neurologe mit Notarztqualifikation. Zudem ist das STEMO mit Schlaganfall-Experten telemedizinisch vernetzt. Patienten mit Verdacht auf einen Schlaganfall können bereits im STEMO im CT untersucht werden. Zeigen die Bilder ein verschlossenes Gefäß als Ursache des Schlaganfalls, kann der Arzt sofort mit der Lyse-Therapie beginnen. Die rasche Therapie verbessert die Prognose der Patienten erheblich. Die rbb Praxis war beim STEMO-Einsatz auf Berlins Straßen dabei.
In Deutschland erleiden jährlich etwa 200 000 Menschen erstmals einen Schlaganfall. Hinzu kommen pro Jahr über 60 000 Personen, die erneut der Schlag trifft. In etwa 80 Prozent der Fälle ist die Ursache ein Blutgerinnsel, das ein Hirngefäß verstopft. Üblicherweise lösen Ärzte den Blutpfropf oder Thrombus mit Blutverdünnern medikamentös auf. Das Verfahren nennt man Lyse-Therapie.
Das Problem dieser Therapie: Sie sollte innerhalb der ersten drei Stunden nach einem Schlaganfall stattfinden. Denn durch das verstopfte Gefäß wird das hinter dem Gerinnsel liegende Hirngewebe nicht ausreichend durchblutet. Nach den drei Stunden gehen die unterversorgten Nervenzellen unwiederbringlich zu Grunde – und der Patient leidet dauerhaft an den bekannten Folgen eines Hirninfarktes: Halbseitenlähmung, Bewegungs- und Sprachstörungen bis hin zu Koma und Tod. Je früher die Patienten behandelt werden, desto mehr Gehirnzellen lassen sich vor dem Untergang retten.
In Berlin ist seit Februar 2011 das STEMO in Betrieb. Es erreicht von seinem Standort in Berlin-Wilmersdorf etwa ein Drittel der Berliner Bevölkerung. Besteht der Verdacht, dass der Patient einen Schlaganfall hatte, wird das STEMO rausgeschickt – alarmiert von der Leitzentrale der Feuerwehr. Das Besondere: Sobald der Patient im Spezialwagen ist, laufen sofort erste Untersuchungen. Der Arzt prüft Sprache, Motorik und Sehvermögen des Patienten. Gleichzeitig wird Blut abgenommen und untersucht.

Das Herzstück im STEMO: der Computertomograph (CT). Der kann die alles entscheidende Frage klären: Hat der Patient den Schlaganfall durch eine Blutung im Gehirn, oder ist ein Blutgefäß im Gehirn verstopft? Zeigt das CT, dass ein Blutgerinnsel ein Hirngefäß verstopft, leitet das Team noch im Krankenwagen die Lyse ein. Erst danach fährt das STEMO ab und steuert ein Krankenhaus an, in dem die Behandlung fortgesetzt wird.
Das STEMO-Team steht in ständigem Kontakt mit Experten der Charité Berlin – die die CT-Bilder auswerten. Bei unklaren oder schwierigen Fällen kann auch der Schlaganfall-spezialist Prof. Audebert vom Klinikum Benjamin Franklin per Telemedizin zu Rate gezogen werden.
Und was kann das STEMO tatsächlich bewirken? In einer Vergleichsstudie waren insgesamt 7 000 Patienten eingeschlossen; das STEMO wurde über 21 Monate im Wochenwechsel mit einem üblichen Rettungswagen eingesetzt. Die Ergebnisse fielen eindeutig aus: Mit dem STEMO erhielten mehr Schlaganfall-Patienten eine Lysetherapie, die Behandlungsrate stieg um mehr als die Hälfte von 21 Prozent auf 33 Prozent. Die Zeit vom Notruf bis zur Behandlung reduzierte sich um 25 auf 52 Minuten. Aufgrund des engen Zusammenhangs zwischen früher Therapie und Behandlungseffektivität ist davon auszugehen, dass bei vielen Patienten die Schlaganfallfolgen reduziert werden konnten.
Zwar hat die Studie von Charité und Berliner Feuerwehr gezeigt, dass deutlich mehr Schlaganfall-Betroffene wirksamer und schneller therapiert werden konnten. Doch ob das STEMO tatsächlich in den Regelbetrieb der Notfallrettung übernommen wird, müssen Politik und Krankenkassen noch entscheiden. Derzeit wird über die Weiterfinanzierung verhandelt.
Filmbeitrag: Johannes Mayer
Infotext: Constanze Löffler







