Grafik: Stimmbänder beim Sprechen (Quelle: rbb)

- Stimme weg - was nun?

Die Stimme ist ihr Kapital. Als Hörfunkautorin ist Sylvia Conradt auf sie angewiesen. Ein Schock - als ihre Stimme plötzlich weg ist und sie nur noch flüstern und krächzen kann. Die Ursache: eine Lähmung der linken Stimmlippe. Monatelange Logopädiesitzungen helfen nicht. Der Ausweg: eine Operation, eine Unterfütterung ihrer Stimmlippe mit Silikon. Unmittelbar nach dem kleinen Eingriff, könne sie wieder ganz normal reden, versprechen ihr die Ärzte. 

Hörfunksprecher, Schauspieler, Lehrer oder Moderator: In allen sprechenden Berufen ist die Stimme das Hauptarbeitswerkzeug. Fällt sie aus, gibt es ein Problem. Experten sprechen von Dysphonie. Dieser Begriff umschreibt Einschränkungen der Stimmbildung im Kehlkopf, die dazu führen, dass der Stimmklang sich verändert und/oder die Belastbarkeit der Stimme abnimmt.

Unser Stimmapparat erzeugt Töne, indem er die Stimmlippen in Schwingungen versetzt. Diese beiden mit Schleimhaut überzogenen Bänder liegen waagerecht im Kehlkopf. Sollen sie einen Ton erzeugen, spannen sie sich an und stellen sich eng. Drückt dann ein aufsteigender Luftstrom dagegen, geraten die Stimmbänder in Schwingung, die Luft vibriert zwischen Kehlkopf und Mundhöhle. Ein Ton entsteht. Die Tonhöhe verändert sich je nach Länge und Stärke der Anspannung.

Eine Nervenlähmung führt zur Stimmstörung

Eine Stimmstörung entsteht, wenn sich die Schwingungen der Stimmlippen verändern. Das fein abgestimmte Zusammenspiel zwischen Atmung, Stimmlippen, Nerven und Muskeln im Kehlkopf ist dann gestört. Gründe gibt es mehrere: Eine Erkältung mit folgender Heiserkeit ist der häufigste Grund für Stimmstörungen oder Heiserkeit. Weiter kann eine Überlastung zu einer Stimmstörung führen. Wenn jemand in sprechenden Berufen beispielsweise über lange Zeit zu viel oder zu laut spricht, verbraucht das Kraft. Die Stimmlippen werden so gereizt. Sie sind gerötet und schwellen an. Hält dieser Zustand an, können sie nicht mehr so gut schwingen. Wer dazu noch falsch atmet und im Schulter- und Halsbereich verkrampft ist, belastet den Stimmapparat zusätzlich.

Nicht selten steckt aber auch eine Nervenlähmung des Nervus recurrens dahinter. Der Kehlkopfnerv (auch Stimmbandnerv genannt) tritt an beiden Seiten des Kehlkopfes auf und versorgt dessen innere Muskeln und auch die beiden Stimmbänder. Wird er geschädigt, kommt es zu einer Kehlkopf-Lähmung mit einer Schwächung und Bewegungsstörung der inneren Kehlkopfmuskeln. Gleichzeitig schließen dann auch die Stimmlippen nicht mehr fest, der Stimmklang verhaucht, wird leise und heiser.

Experten unterscheiden eine einseitige Lähmung (sogenannte Rekurrensparese), dabei kommt es durch einen unvollständigen Schluss der Stimmlippen zu Heiserkeit und einer leisen, verhauchten, nicht steigerungsfähigen Stimme. Bei beidseitiger Rekurrensparese ist die verbleibende Stimmritze beim Ein- und Ausatmen äußerst schmal. Häufige Folge sind Atemnot und Atemgeräusche bei der Ein- und Ausatmung. Die Patienten schnarchen nachts oft sehr laut, teilweise haben sie gefährliche Atemaussetzer. 

Viele Ursachen führen zur Stimmstörung

Die Nervenschädigung kann Folge eines operativen Eingriffs zum Beispiel an der Schilddrüse sein. Aber auch Tumorerkrankungen des Kehlkopfes, der Speiseröhre, Schilddrüse und Lunge oder Verletzungen im Halsbereich und Entzündungen können eine Stimmlippenlähmung auslösen. Wie bei der Patientin im Beitrag kann auch eine vergrößerte benachbarte Struktur auf den Nerv drücken und ihn in seiner Funktion beeinträchtigen.

Um festzustellen, warum die Stimme versagt, sollten Betroffene sich beim Hals-Nasen-Ohrenarzt vorstellen. Neben der Krankengeschichte, die dem Arzt oft schon wegweisende Hinweise liefert, bringt die HNO-ärztliche Spiegeluntersuchung mit einer Endoskopie des Kehlkopfs weitere Indizien. In bestimmten Fällen bringen auch apparative Untersuchungen wie Computertomographie, Magnetresonanztomographie oder Nervenfunktionstests wie beispielsweise die Elektromyographie zusätzliche Informationen, etwa über die Art der Nervenschädigung.

Die Stimmlippen können unterspritzt werden

Vielen Patienten mit einer einseitigen Stimmlippenlähmung und daraus folgenden Stimmbildungs- und Sprechschwierigkeiten profitieren von der Logopädie. Bleibt der Erfolg aus, kann ein kleiner operativer Eingriff helfen. Bei der sogenannten Stimmlippenaugmentation wird die Stimmlippe mit Substanzen wie körpereigenem Fettgewebe, einem Titanplättchen oder einer Silikonpaste unterfüttert. Der Eingriff ist in örtlicher Betäubung möglich als auch in einer kurzen Vollnarkose. Korrespondiert das Implantat danach gut mit der anderen Stimmlippe, lassen sich wieder Töne erzeugen. Nach der Operation kann der Patient gleich wieder sprechen, er sollte aber seine Stimme noch schonen. Bisher übernimmt die Kasse die Kosten für die Stimmlippenaugmentation von rund 2.000 Euro nur in Ausnahmefällen. Der Kostenübernahme geht eine intensive Prüfung voraus.

Filmbeitrag: Johannes Mayer
Infotext: Beate Wagner

weitere Themen der Sendung

Frau hält ihre Hand (Quelle: rbb)

Arthrose in den Fingern

Millionen von Menschen in Deutschland leiden an Arthrose, einem bisher unheilbaren Knorpelverschleiß in den Gelenken. Während Arthrosen in den großen Gelenken wie Hüftgelenk und Knie im Fokus der Aufmerksamkeit stehen, wurden Arthrosen in den Fingergelenken lange - auch von Orthopäden - für nicht so wichtig befunden und den Betroffenen blieb nichts anderes, als mit ihren Schmerzen zu leben. Inzwischen gibt es Behandlungskonzepte für Fingerarthrosen und auch die prothetische Versorgung geschädigter Fingergelenke hat Fortschritte gemacht.

Antidepressiva und Stetoskop (Quelle: rbb)

Depressionen - nicht nur die Seele leidet

Eine Depression zieht auch den Körper der Erkrankten in Mitleidenschaft. So sehen sich Betroffene oft nicht in der Lage, sich ausreichend um eine gesunde Ernährung und sportliche Bewegung zu kümmern. Übergewicht und Diabetes können die Folgen sein. Und auch das Herz leidet, wenn die Seele krank ist.

Drachensteigen gegen Rückenprobleme (Quelle: rbb)

Lenkdrachen

Herbstzeit ist Drachenzeit. Es gibt viele Möglichkeiten, einen Drachen steigen zu lassen. Das Prinzip ist immer das gleiche und ganz einfach: Der Drachen wird so in den Wind gestellt, dass durch die anströmende Luft ein aerodynamischer Auftrieb entsteht und das Drachensegel nach oben steigt. Für die meisten zählt jedoch nicht die Physik sondern das Erlebnis!  

Rentergruppe sitzt im Hintergrund, davor eine kleine Kegelaufstellung (Quelle: rbb)

Der Pflegefall - Pflegeheime

Wenn Pflege zuhause nicht oder nicht mehr möglich ist, heißt es umzuziehen. Viele Menschen entscheiden sich in dieser Situation für ein Pflegeheim. Für die Aufnahme in ein Pflegeheim kann die Einstufung in eine Pflegestufe eine Voraussetzung sein. Worauf bei der Wahl eines Pflegeheims zu achten ist, beginnt bereits mit dem Heimmietvertrag.