Bein wird für Operation an Krampfadern vorbereitet (Quelle: imago/Sabine Gudath)

- Live-Diagnose: Krampfadern - Wann muss gehandelt werden?

Für viele Menschen sind die blau geschlängelten Linien an den Beinen eher ein kosmetisches Problem. Doch Krampfadern können zu ernsthaften Komplikationen wie Venenentzündungen und sogar lebensbedrohlichen Thrombose führen. Ab wann sollte man wegen Krampfadern zum Arzt? Ist die Untersuchung schmerzhaft? Wie wird behandelt? Die rbb Praxis klärt auf - live im Studio. 

Aufgabe der Bein-Venen ist, sauerstoffarmes Blut aus von den Füßen entgegen der Schwerkraft zum Herzen zu befördern. Wichtig dabei: Die Venenklappen. Sie verhindern zusammen mit der Beinmuskulatur, dass bereits hoch transportiertes Blut wieder zurück nach unten läuft.
Bei rund 20 Millionen Deutschen funktioniert dieses System nur noch bedingt. Die Gefäßwände geben leichter nach, die Venenklappen schließen nicht mehr, Blut versackt in den unteren Körperpartien und staut sich dort. Es verstärkt den Druck auf die Venenwände. Krampfadern entstehen. Frauen sind davon drei- bis viermal häufiger betroffen, denn ihr Bindegewebe macht schneller schlapp. 

Das Risiko für - und durch Krampfadern

Das Risiko für Krampfadern steigt mit der familiären Disposition, Übergewicht, der Einnahme der Pille, einer Schwangerschaft sowie durch Berufe, die stundenlanges Stehen und Sitzen erfordern. Die Diagnostik von Krampfadern erfolgt mithilfe von Ultraschall (Doppler- und Duplexsonografie). Dabei prüft der Arzt den Blutfluss in den Venen, die Dichtigkeit der Venenklappen und die Durchgängigkeit des tiefen Venensystems. Zudem sucht er nach Zeichen der fortgeschrittenen chronisch venösen Insuffizienz wie Ödeme und Hautveränderungen.

Der Begriff Krampfader stammt vom mitteldeutschen „Krummader“, weil sich die vergrößerten Gefäße unter der Haut entlangschlängeln. Der damit einhergehende Blutrückstau kann gesundheitliche Komplikationen mit sich bringen: Die größte Gefahr sind Blutgerinnsel, sogenannte Thromben, die sich lösen und eine Lungenembolie auslösen. Rund 30 000 Deutsche sterben jährlich daran.

Verschiedene Methoden im Angebot

Gefäßexperten bieten verschiedene Verfahren an, um Krampfadern zu entfernen: per Skalpell, Laser oder durch Verödung. Als Goldstandard gilt das seit hundert Jahren bekannte Venenstripping. Dafür bindet der Arzt die Zuflüsse zur erschlafften Vene ab und entfernt sie über mehrere Minischnitte. Bei der Laserbehandlung legt der Arzt unter Ultraschallkontrolle eine Glasfaser in die kranke Vene ein, die durch Laserlicht erwärmt wird. Folge: Die Venenwände verkleben. Für die Sklerosierung oder Verödung spritzt der Venenspezialist etwa die Alkohollösung Aethoxysklerol als Flüssigkeit oder Schaum in das erweiterte Gefäß. Das Mittel schädigt die Gefäßwand, der Körper verschließt das Gefäß und baut es nach einer Weile einfach ab.  

Verödung schneidet am schlechtesten ab

Eine Studie aus dem Jahr 2014, die im angesehenen amerikanischen Ärzteblatt veröffentlicht wurde, hat die drei Methoden verglichen - und fand gewaltige Unterschiede. Die Verödung verschloss Gefäße mit 43 Prozent nur halb so oft wie die anderen beiden Verfahren und zog öfter Nachbehandlungen nach sich. Bei sieben Prozent der Patienten traten Komplikationen auf wie Gefäßentzündungen, eine verstärkte Pigmentierung oder allergische Reaktionen. Beim Stripping war die Komplikationsrate mit sechs Prozent im Vergleich zur Lasertherapie erhöht. Die Studie habe gezeigt, so das Fazit von Julie Brittenden, Gefäßchirurgin an der schottischen Universität Aberdeen und Erstautorin der Studie, dass die Laserbehandlung die zu bevorzugende Methode ist.  

Endoluminale Verfahren in Deutschland verbreitet

Auch hierzulande geben die Venenspezialisten den sogenannten endoluminalen Verfahren den Vorzug. Dazu gehört neben der Laser- auch die Radiowellentherapie, die ebenfalls mit Wärme die Venen von innen verklebt. Der Eingriff erfolgt ambulant und in örtlicher Betäubung und die Patienten sind schneller wieder fit, da die Vene nicht wie beim Stripping durch das ganze Bein gezogen werden muss. Nach dem operativen Venenstripping müssen die Patienten etwa eine Woche lang Kompressionsstrümpfe tragen und sind auch so lange krankgeschrieben. Endoluminal behandelte Patienten hingegen können häufig schon nach zwei bis drei Tagen wieder zur Arbeit. Mittlerweile übernimmt auch eine ansteigende Zahl gesetzlicher Krankenkassen auf Antrag die neuen Verfahren.  

Beitrag: Carola Welt
Infotext: Constanze Löffler

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