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Mit Drogen zu experimentieren ist menschlich – und typisch für viele Pubertierende. Dass daraus eine Sucht wird, können Eltern verhindern: mit Vertrauen und Nähe.
Die Jugendlichen trinken, rauchen, oder werfen Pillen, um Spaß zu haben, Hemmungen zu überwinden und weniger schüchtern zu sein. "Wer Alkohol und andere Drogen aus dem eigenen Elternhaus kennt, wird dazu leichter greifen“, sagt Brockstedt und appelliert an die Vorbildfunktion der Eltern. Auch die Freunde und Kameraden haben direkten Einfluss: Je mehr und je häufiger Drogen im Freundeskreis genommen werden, desto häufiger ist der eigene Drogenkonsum.

Internetsucht: Eltern müssen Schutzfunktion ausüben
Was zunächst neugieriges Ausprobieren ist, kann im Desaster enden. Spice beispielsweise enthält synthetische Cannaboide, ist also mit Cannabis ähnlichen Substanzen versetzt. Das Problem: die Mischungen unterscheiden sich in ihrer Wirkung, da jeder Hersteller sein eigenes Ding macht. Als Joint geraucht, können die Mixturen Herzrasen, Angstzustände bis hin zu paranoiden Wahnvorstellungen verursachen.
Brockstedt vergleicht den Genuss mit Russischem Roulette, da niemand genau wisse, was und wie viel in den Tütchen steckt. Heftige Angstzustände und bedrohliches Herzrasen mit Brustschmerz bis zum Herzinfarkt kann auch die relativ neue Modedroge Mephedron auslösen. Mephedron ist mit Amphetaminen vergleichbar. Es wird synthetisch hergestellt und als weißes Pulver oder Tabletten übers Internet vertrieben. "Mephedron hat Ecstasy in kürzester Zeit abgelöst“, so Brockstedt.
Ein neues Problem, das sich in den vergangenen Jahren aufgetan hat: die "nichtstofflichen" Süchte, wie Experten die Fernseh-, Computer und Internetsucht nennen. Der Hang zur Technik verursacht zwar keine körperliche Abhängigkeit wie Heroin oder Alkohol, dafür macht er psychisch hörig: Man kann nicht mehr damit aufhören. Doch gerade Kinder sind auf Grund ihres laufenden Entwicklungsprozesses noch gar nicht fähig, sich selber Grenzen bei diesen faszinierenden Dingen zu setzen. "Hier müssen Eltern die Schutzfunktion übernehmen", sagt Brockstedt. Eltern können noch mehr tun als Grenzen zu setzen: Die frühzeitige Aufklärung über Suchtgefahren ist sinnvoll. Ein Kind soll wissen, dass Alkohol & Co. nicht für Kinder und Jugendliche geeignet ist.

Drogenkonsum: offen ansprechen
Haben Eltern den Verdacht, dass ihre Kinder Drogen konsumieren, sprechen sie ihre Ängste, Vermutungen und Beobachtungen am besten offen an. Vor allem der Rückzug des Kindes, sinkende schulische Leistungen, Probleme mit Freunden und den Lehrern sind Alarmzeichen. Brockstedt warnt dabei eindringlich vor eigenmächtigen Drogentests: "Den Kindern hinterher zu spionieren, bewirkt das genaue Gegenteil.“ Die Konfrontation der Jugendlichen mit einem positiven toxikologischen Ergebnis bedeute das Ende jeglicher Kommunikation zwischen Kindern und Eltern.
Stattdessen sollte zu Hause eine offene Atmosphäre herrschen. Selbst wenn ein Kontaktangebot zunächst ausgeschlagen wird, müssten Eltern immer wieder versuchen, mit ihren Sprösslingen ins Gespräch zu kommen. Selbsthilfegruppen bieten Unterstützung: Hier treffen Eltern auf andere Familien mit ähnlichen Problemen. Das entlastet und spornt an.
"Es gibt nicht den Königsweg oder die eine Lösung, die für alle passt“, sagt Brockstedt. Mal ist professionelle Unterstützung bei der Drogenberatung hilfreich, bei andern Jugendlichen helfen ein paar Gespräche mit dem Psychologen oder einer anderen dritten Person. Vor allem gelte es, im Kontakt zu bleiben und Angebote zu machen. Sinnlos sei es dagegen, den Nachwuchs zur Drogenberatung zu zwingen. Wie bei allen Suchtkrankheiten ist in erster Linie der Wille der Betroffenen aufhören zu wollen notwendig, um die Krankheit in den Griff zu bekommen.
Flucht aus der Einsamkeit
Nicht selten steht die Flucht in die Drogen für etwas ganz Anderes, nämlich dem Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit, Nähe und Zuwendung. Denn vor allem zwei Phänomene können bei Kindern und Jugendlichen zur Sucht führen. Emotionale Kälte, mangelnde Zuwendung und Interessenlosigkeit in Form fehlender Grenzsetzung dem Kind gegenüber, das in der Droge eine Art Ersatzmutter sucht.
Und genauso kann eine übermäßige Bindung an das Elternhaus der Auslöser für eine Vielzahl von seelischen und körperlichen Symptomen wie Depressionen, Ängste oder Sucht sein. "Ein Kind muss lernen, selbständig zu werden", sagt Brockstedt. "Es muss in der Lage sein, Angebote für Haschisch und harte Drogen in der Schule auszuschlagen." Dafür braucht es die Gewissheit, dass es bei seinen Eltern gut aufgehoben ist und sie sich seiner Sorgen annehmen, ohne es dabei auszuhorchen oder besonders zu klammern.
Text: Constanze Löffler


