Heilkräuter in einem Klostergarten, Quelle: dpa

Interview - Kräutermittel – wie wirksam sind sie?

Erkältungen, Verdauungsstörungen, Nervosität oder andere leichte Beschwerden – immer mehr Menschen setzen in solchen Fällen auf pflanzliche Hilfe. rbb PRAXIS hat mit der naturheilkundlich orientierten Ärztin Kristina Schoof aus Berlin/Prenzlauer Berg über den sinnvollen Einsatz von Pflanzen in der Medizin gesprochen.

rbb Praxis: Frau Schoof, wer kommt zu Ihnen in die Praxis und möchte pflanzliche Therapien verschrieben bekommen?

Schoof: Das sind einerseits Menschen, die sich ganz bewusst für alternative Behandlungsmöglichkeiten entscheiden. Oder besorgte Eltern, die bei ihren Kindern Nebenwirkungen durch die klassischen Arzneimittel befürchten. Oder Leute, die auf Medikamente wie Antibiotika allergisch reagieren. Und ein kleiner Teil meiner Patienten ist nach den Methoden der Schulmedizin austherapiert. Die Nachfrage steigt jedenfalls, weil immer mehrt Menschen nach Alternativen zur Schulmedizin suchen.

rbb Praxis: Gibt es Beschwerden, bei denen die Leute noch zu wenig auf Pflanzliches setzen?

Schoof: Ja, denn gegen fast jede Erkrankung ist ein Kraut gewachsen! So kann es auch ein Erfolg sein, wenn ich durch eine pflanzliche Behandlung die Dosis von Medikamenten, beispielsweise Schmerzmitteln, reduziere.

rbb Praxis: Wie kommt es dann, dass Mediziner und Heilpraktiker jahrelang auf bestimmte Mittel schwören, die dann in Verruf geraten?

Schoof: Wir wissen noch immer viel zu wenig über die meisten Pflanzen. Nach und nach erfahren wir durch Studien mehr über deren Wirksamkeit, aber auch über begleitende Effekte und Wechselwirkungen. Einige durchaus heilsame Mittel müssen beispielweise aus dem Handel genommen werden, weil sie wie der Reinfarn (Tanacetum vulgare) zu viele Schadstoffe speichern.

rbb Praxis: Wann sind pflanzliche Mittel denn schädlich?

Schoof: Das ist eigentlich immer dosisabhängig. Deshalb gehört die Behandlung mit pflanzlichen Arzneimitteln unbedingt in die Hände von medizinisch ausgebildeten Therapeuten.

rbb Praxis: In Kombination mit welchen Medikamenten, bei welchen Krankheiten ist bei der Pflanzentherapie Vorsicht geboten?

Schoof: Von verschiedenen Pflanzen kennen wir die Wechselwirkungen mit synthetischen Arzneimitteln. Johanniskraut beispielsweise verstärkt im Körper die Bildung bestimmter Enzyme. Sie sind am Abbau von nahezu jedem zweiten Medikament beteiligt. Werden diese Enzyme vermehrt gebildet, so bauen sie die Medikamente mitunter so schnell ab, dass sie nicht wirken. Dazu gehören Immunsuppressiva, Gerinnungshemmer, bestimmte Mittel gegen HIV und wahrscheinlich auch die Anti-Baby-Pille. Kontraindiziert sind pflanzliche Mittel bei einer allergischen Reaktion auf die Inhaltsstoffe.
Chinesisches Helmkraut Quelle: dpa

rbb Praxis: Was macht die chinesischen Tees so wirksam?

Schoof: Die Herstellung der Tees in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) ist eine eigene Kunst, die auf Jahrtausende alten Erfahrungen beruht. Hierfür werden verschiedene Pflanzenteile von Heilkräutern, Mineralien und tierische Substanzen auf die Symptome des einzelnen Patienten abgestimmt. Ein Grundsatz der TCM ist die Erkenntnis, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. Deshalb kombiniert man in der TCM verschiedene Kräuter und Substanzen miteinander.

rbb Praxis: Wie bewerten Sie die Behandlung schwerer Erkrankungen mit pflanzlichen Arzneimitteln?

Schoof: Bei lebensbedrohlichen Erkrankungen sollten Pflanzen eher eine begleitende Rolle spielen. Beispiel Krebs: Gegen die Übelkeit bei einer Chemotherapie hilft die Brechnuss (Nux vomica), gegen Schmerzen setze ich Pestwurz (Petadolox) und gegen Fieber beispielsweise Blauer Eisenhut (Aconit) ein.

rbb Praxis: Welche Krankheiten sind der naturheilkundlichen Medizin besonders zugänglich?

Schoof: Das sind vor allem funktionelle Beschwerden, also bei denen trotz Krankheitszeichen kein körperlicher Befund zu erheben ist. Dazu gehören Magen-Darm- und Blasenstörungen oder chronische Schmerzzustände. Auch Schlafstörungen und psychische Erkrankungen sind ein häufiger und erfolgs-versprechender Behandlungsgrund.

Das Gespräch führte Constanze Löffler

naturheilverfahren

Ein Nachschlagewerk zur Homöopathie, Quelle: dpa

Alternative Heilmethoden

Warum sie wirkt, ist nach wie vor nicht zu belegen. Aber, dass sie wirkt - dafür gibt es in der Praxis immer wieder Bestätigungen: die Naturheilkunde. rbb PRAXIS stellt Ihnen einige Verfahren aus der alternativen Medizin vor und geht ihnen auf den Grund.