Bei der Auswertung von telemedizinischen Daten, Quelle: dpa

rbb PRAXIS - Der Wohnzimmer-Arzt

Telemedizinische Betreuungsangebote für chronisch Kranke können vor allem in Gebieten mit geringer Arztdichte die Betreuung erleichtern. Per Funk und Internet weiß der Arzt über den Zustand seiner Sorgenkinder rund um die Uhr Bescheid, sogar am Wochenende.

Herzpatienten zählen zu den dankbarsten Kunden der Telemedizin. Von ihr ist immer dann die Rede, wenn medizinische Informationen über größere Entfernungen mithilfe von Datenübertragung wie GSM-Netz oder Festnetz ausgetauscht werden. Mit Hilfe der modernen Technologie sind Arzt und Patient ständig im Kontakt – und das einfach und zeitsparend.

Eine Umfrage der Techniker Krankenkasse ergab, dass der Großteil der Herzpatienten in telemedizinischer Betreuung sehr zufrieden ist. Sie fühlen sich sicherer – und das mit Recht. Denn ihre Werte gelangen per Telefon, Handy oder Wireless-LAN zu einem Server Service Center. Von dort erreichen die Daten über einen geschützten Internetzugang den Bildschirm des Arztes. Wenn das Herz stockt oder der Herzschrittmacher nicht funktioniert, können die Ärzte sofort aktiv werden, im Notfall auch den Rettungswagen vorbeischicken. Der Arzt weiß, wie es seinem Patienten geht – auch wenn der längere Zeit nicht in der Praxis war. Das verbessert die Therapie, spart Zeit und Kosten.

Telemedizin wird stetig ausgeweitet
Immer wichtiger wird die Telemedizin auch bei Risikopatienten für Schlaganfall, bei Diabetes oder bei telemedizinisch betreuten Abnehm-Programmen. Zukünftig soll die „Sprechstunde auf Distanz“ ebenso bei Lungenerkrankungen, Herzinfarkt, Asthma, Gerinnungsstörungen oder Depressionen Einzug halten.

40 Millionen Euro stellte das Bundesforschungsministerium 2009 zur Verfügung, um ländliche Regionen mit Telemedizin zu versorgen. Zum Beispiel in Nordbrandenburg mit dem Projekt „Fontane“: In der Region gibt es viel zu wenige Haus- und Fachärzte. Und die Sterblichkeitsrate für Herz-Kreislauferkrankungen liegt hier bis zu 40 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Das soll sich schleunigst ändern: Damit die Patienten gut versorgt werden ohne in die entfernte Stadt fahren zu müssen, wird verstärkt Telemedizin eingesetzt. Im Frühjahr 2012 starten zwei neue klinische Studien, in denen Schwangere mit Bluthochdruck und Menschen mit einer chronischen Herzschwäche in der Region telemedizinisch betreut werden.

Text: Constanze Löffler