Ein roter Apfel (Foto: dpa)

rbb PRAXIS Feature - Weniger essen - länger leben

Niemals zuvor gab es so viele Menschen mit Übergewicht und seinen Folgen wie in unserer Zeit: Diabetes, Bluthochdruck, Herzkreislaufleiden liegen in den Krankheitsstatistiken auf den vordersten Plätzen und künden davon, dass noch immer zu viele Menschen lieber zu viel als ausreichend oder gar zu wenig essen.

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Buch: Wir fressen uns zu Tode (Quelle: rbb)
Kalorienbeschränkung ohne Mangelernährung – auf diesen Grundsatz schwören auch viele Großstädter. Sie folgen den Thesen des Buches "Wir fressen uns zu Tode". Autorin ist die russische Ärztin Galina Schatalova, die sich in den 60er Jahren als Betreuerin der russischen Kosmonauten einen Namen gemacht hat. Sie wurde 95 Jahre alt. Ihre Idee: Der Körper braucht keine Medikamente, wenn man ihn nur reinigt und ihm hilft, Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Galina Schatalova selbst soll im Alter von 75 Jahren eine Wanderung über 500 Kilometer durch die mittelasiatische Wüste zurückgelegt und dabei täglich nur 600 Kilokalorien am Tag zu sich genommen haben.

Sie ist davon überzeugt, dass der Körper schnell überfordert wird mit dem Verdauen, Entgiften und Ausleiten, wenn er zuviel Nahrung bekommt. Die Ernährung nach Schatalova ist rein vegetarisch: frisches Gemüse, Obst, Getreide, Hülsenfrüchte und Nüsse. Milchprodukte gibt es nur selten. Ähnlich wie beim amerikanischen "Calorie-Restriction"-Konzept bleibt die Kalorienzufuhr unter dem eigentlichen Bedarf. Was zudem wichtig ist, um fit und gesund zu bleiben: Bewegung, Atmung und Entspannung im Freien - das ergänzt das Ernährungsprogramm und gibt Energie und Kraft. Durch Leistungssteigerung baut sich Muskelmasse auf, das erhöht auch den Kalorienbedarf.

Frau aus dem Tal der Hundertjährigen (Quelle: rbb)
Verfechter der kalorienreduzierten Ernährung wissen zudem: Wer weniger isst und sich stattdessen abhärtet, kann sehr alt werden. So gibt es zum Beispiel im Tal der Hundertjährigen in den Anden Ecuadors Greise, die noch auf dem Feld arbeiten. Bisher rätselt die Wissenschaft, warum gerade hier so viele Menschen so alt werden. Auffällig ist: Sie alle leben unter kargen Bedingungen, niemand ist übergewichtig. Auch auf der japanischen Insel Okinawa leben viele 100-Jährige. In der Regel sind sie bis ins hohe Alter fit. Auch hier arbeiten die Menschen, solange sie können. Zu essen gibt es Tofu, Soja, Fisch und Gemüse. Eine eiserne Tischregel: Man hört mit dem Essen auf, bevor man satt ist.

Wer hierzulande hundert Jahre alt werden will, sollte vor allem regelmäßig essen: morgens richtig frühstücken, das bringt die Kalorienverbrennung in Gang. Bei Menschen, die hingegen zu selten essen, reguliert sich der Stoffwechsel nach unten und arbeitet gedämpfter. Folge: Die Nahrungsmittel werden nicht gut verwertet, das führt zu Übergewicht. Verzicht lohnt hingegen erst am Abend.
Leere Teller (Quelle: rbb)
Immer gesellschaftsfähiger wird zudem der Trend des "dinner cancelling". Dabei verzichtet man auf das Abendessen, nach 16 Uhr ist jede Kalorienzufuhr verboten. In Österreich hat das schon prominente Vorbilder wie Kardinal König. Er wurde 99 Jahre alt und aß nach fünf Uhr abends nur noch etwas Apfel mit Honig. Heute erforscht man an der Universitätsklinik Wien die medizinischen Effekte. In einer Untersuchung nahmen Ärzte Patienten, die freiwillig aufs Abendessen verzichteten, nachts alle zwei Stunden Blut ab.

Man verglich die Werte mit Daten von Patienten, die zu Abend gegessen hatten. Das Ergebnis: Diejenigen, die sich "normal" ernährten, schnitten schlechter ab. Denn das Hormonsystem und der Magen-Darm-Trakt brauchen ein paar Stunden ohne Nahrung, sonst können sie nicht arbeiten bzw. regenerieren. Klar ist: Wer überflüssige Pfunde verliert, kann sein Krankheitsrisiko erheblich senken. Und wer als Gesunder auf intelligente Weise Kalorien spart, verbessert die Aussicht auf ein längeres Leben.

Filmbeitrag: Angelika Wörthmüller
Infotext: Beate Wagner