Hanteltraining im Fitnessstudio (Quelle: rbb)

- Fit ins neue Jahr – ohne Hinkebein & Co

Viele Menschen starten mit guten Vorsätzen ins neue Jahr. Auch die Anmeldungen bei den Fitness-Studios schnellen in die Höhe. Doch Sportärzte und Orthopäden warnen: Oft zeigen Sportwillige übertriebenen Ehrgeiz.

Zerrungen, Überdehnungen oder Muskelrisse sind die Folge. Selbst beim Yoga, der sanften Bewegungslehre, häufen sich die Verletzungen. Die rbb Praxis hat sich erkundigt, welche Sportarten besonders gefährlich sind, und zeigt, wie jeder für sich das richtige Maß an Bewegung findet.
Kinesio Tape auf einem Arm (Quelle: rbb)
Sport ist gesund, für jung und alt, selbst für Patienten mit Herzerkrankung, Arthrose oder Diabetes. Denn Sport stärkt die Leistungsfähigkeit, baut Stress ab, trainiert das Herz-Kreislaufsystem, wirkt Fettleibigkeit und den damit verbundenen Erkrankungen entgegen. Wer allerdings über seine persönliche Belastungsgrenze hinaus trainiert, bei dem kann Sport auch Schaden anrichten. Immer schneller, immer weiter – vielen geht es heutzutage nicht mehr um Fitness, sondern um die Herausforderung.

Doch ständig an der Leistungsgrenze zu trainieren, das führt zu Überbelastungen im Bereich des Sehnen-Bänder-Apparates oder der Muskulatur. Häufige Folge von zu viel Sport: so genannte Insertionstendopathien. Der Ansatz der Sehne am Knochen entzündet sich – meist dann, wenn zu viel trainiert wurde oder ungenügend Aktivpausen zwischen den Trainingseinheiten lagen. Beispiel Joggen: ein beliebter Sport, denn das Laufen ist jederzeit an jedem Ort machbar. Untersuchungen zeigen allerdings, dass vier von fünf Läufern zu schnell unterwegs sind. Sie glauben, dass das Training nur Sinn macht, wenn sie danach erschöpft sind. Sie muten sich also zu viel zu. Häufige Folge: Knieprobleme durch überlastete Sehnenansätze und Schleimbeutelentzündungen.
Joggende Sportgruppe (Quelle: rbb)
Noch verletzungsträchtiger: Ballsportarten. Beim Fuß-, Hand- und Basketball sind schnelle körperliche Reaktionen gefordert wie etwa plötzliche Stopps oder Drehungen. Unfälle ereignen sich dabei nicht nur durch Zusammenstöße und Zweikämpfe, sondern auch durch den persönlichen Ehrgeiz. Im Kampf um den Ball erfolgen unrhythmische und unkontrollierte Bewegungen. Besonders fatal: Squash. Der Sport fasziniert durch seine rasanten Ballwechsel. 

Die sind besonders risikoreich: Es kommt zu Umknick-Verletzungen am Sprunggelenk, zu Muskelzerrungen – bis hin zum Muskelriss. Etwas schonender ist Tennis, denn hier sind die Wege bei der Jagd nach dem Ball länger. Wer allerdings ständig mit der falschen Schlagtechnik oder schlechter Bespannung spielt, riskiert auch hier Probleme wie einen Tennisellenbogen oder Schmerzen im Schulterbereich.

Selbst im Fitness-Studio kann man einiges falsch machen, beispielsweise, indem man auf eigene Faust die Anzahl der Gewichte erhöht. Vor allem Männer gehen oft an ihre Maximalkraft, um Muskelmasse aufzubauen – manchmal, bis die Sehnen reißen oder sie gezerrt sind. Wer seine Fitness dagegen möglichst gefahrlos steigern will, der sollte die Anstrengungen in den Alltag einbauen: statt des Fahrstuhls die Treppe nutzen, das Auto stehen lassen und das Fahrrad nehmen, eine Station früher aus der U-Bahn aussteigen.

Frau bei Yoga-Übung (Quelle: rbb)

Yoga – ein risikoloses Training?

Yoga – viele Menschen fangen damit an, weil es dem Körper gut tun soll oder weil es im persönlichen Fitness-Studio gerade einen Schnupper-Kurs gibt. Tatsächlich kann man mit Yoga den Körper trainieren, ihn beweglich zu halten und sich dabei auch noch entspannen. Beschwerden in Rücken und Gelenken bessern sich, und Yoga kann dazu beitragen den Blutdruck zu senken. Über die positiven Aspekte vergessen jedoch viele, dass man sich mit Yoga auch schaden kann – wenn man es übertreibt oder die falschen Übungen trainiert.
Frauen bei Yoga-Übung (Quelle: rbb)
Yoga, das sind ruhige Bewegungen, im Einklang mit der Atmung. Yoga war ursprünglich ein spiritueller Weg zur inneren Freiheit. Heute bedeutet Yoga vielerorts vor allem Schwitzen, etwa beim Power-Yoga oder beim Bikram-Yoga. Und: den Körper in anstrengende Posen zu bringen. So werden Yoga-Übungen häufig immer noch verwechselt mit dem Erlangen besonders großer Geschmeidigkeit oder Gelenkigkeit. Statt auf die Haltung zu achten, versucht man, in komplexe Haltungen zu kommen. Knie, Rücken und Hüfte werden besonders häufig belastet, deshalb können sich weniger Geübte dabei verletzen.
Power-Yoga (Quelle: rbb)
Nicht alle Yogahaltungen sind für jeden günstig. Einige können für Ungeübte sogar zum Risiko werden, etwa das so genannte "Rad": Es soll die Brustmuskulatur dehnen. Durch die extrem starke Rückbeugehaltung kann es aber auch Rücken- und Nackenschmerzen verursachen. Eine Alternative: die "Schulterbrücke". Auch damit dehnt man den Brustbereich, allerdings ohne den unteren Rücken so stark zu stauchen. Riskant ist auch der so genannte "Pflug“. Er soll die Nacken- und Rückenmuskulatur dehnen. Schnell wird jedoch der Nacken überdehnt, es kommt zu Nackenschmerzen. Weniger verletzungsträchtig ist hier der halbe Schulterstand. Auch dabei wird der Nacken gedehnt, allerdings ohne ihn zu überlasten.
Frauen bei Yoga-Übung (Quelle: rbb)
Als Inbegriff des Yoga gilt vielen der Lotussitz. Doch nur Menschen mit sehr beweglichen Hüften sollten sich so niederlassen. Ansonsten schädigt man sich den Innenmeniskus am Knie. Für die meisten ist ein lockerer Schneidersitz günstiger. Ohnehin bietet ein guter Yogalehrer Alternativen zu den Übungen an, geht auf den Einzelnen ein und bremst vielleicht sogar den persönlichen Ehrgeiz. Doch jeder muss sich auch selbst einbringen. Denn das Allerwichtigste beim Yoga ist: zu lernen, auf den eigenen Körper zu hören. Dafür müssen viele erst mal einen Gang herunter schalten. So lange man jedoch die Ideen der Leistungsgesellschaft 1:1 mit auf die Yogamatte nimmt, lernt man das nicht. Yoga braucht Zeit, und Yoga will entschleunigen – auch beim Üben.

Filmbeitrag: Carola Welt
Infotext: Constanze Löffler

Buchtipps

Yoga für den Rücken (mit DVD)

(GU Multimedia)
Von Anna Trökes
Verlag Gräfe und Unzer, 2012
ISBN-13: 978-3833827334
Preis: 19,99 Euro

Yoga für Fortgeschrittene

(Einzeltitel Gesundheit/Fitness/
Alternativheilkunde)
Von Anna Trökes, Ronald Steiner
Verlag Gräfe und Unzer, 2012
ISBN-13: 978-3833823558
Preis: 24,99 Euro