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Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit – umgangssprachlich Schaufensterkrankheit genannt, weil die Betroffenen beim Gehen immer wieder Pausen einlegen müssen - sind Arterien in den Beinen verengt. Manchmal hilft dann nur noch ein operativer Eingriff. Infrage kommt eine Aufdehnung des Gefäßes mit einem Ballon oder das Einsetzen einer Gefäßstütze, eines Stents. Es gibt aber eine weitere Therapie-Variante: ein mit einem Medikament beschichteter Ballon-Katheter.
Hinweise auf die Durchblutungsstörung sind neben den Schmerzen ein Taubheitsgefühl oder eine blasse oder bläulich verfärbte Haut an den Beinen und Füßen. Bei etwa zwei Dritteln aller Patienten ist die oberflächliche Oberschenkelarterie betroffen, bei den übrigen die Becken- und Unterschenkelarterien. Therapeutisch zählt bei der "Schaufensterkrankheit" das Gehtraining zu den ersten und wichtigen Maßnahmen. Reicht das nicht aus, versuchen Ärzte, die Durchblutung medikamentös zu verbessern.

Substanzen aus dem Nadelbaum
Ärzte setzen bei der arteriellen Verschlusskrankheit seit kurzem auch Ballons ein, die mit dem Medikament Paclitaxel beschichtet sind. Die Substanz wird über eine Trägersubstanz in die Gefäßwand abgegeben, diese Substanz löst sich nach Einsatz restlos auf. So wird die Heilung des Gefäßes langfristig nicht behindert. Paclitaxel ist ein Wirkstoff aus der Rinde der pazifischen Eibe, er hemmt das Wachstum von glatten Muskelzellen. Die Rinde des Eibenbaumes nutzten schon indianische Völker als Heilpflanze. Seit einigen Jahren wird Paclitaxel auch aus einer Substanz gewonnen, die in den Nadeln der Europäischen Eibe vorkommt. Eine weitere Methode zur industriellen Herstellung ist die biotechnologische Gewinnung von Paclitaxel aus Eibenzellkulturen. Der Wirkstoff ist lange aus der Krebstherapie bekannt. In der Herzchirurgie sind mit Paclitaxel beschichtete Ballons bereits länger im Einsatz.

Auch bei Gefäßverengungen in den Beinen anwendbar
Dass der medikamentenbeschichtete Ballon auch bei Patienten mit Gefäßverengungen in den Beinen gute Ergebnisse zeigt, belegt nun auch eine gemeinsame Studie des Martin-Luther-Krankenhauses, des Gefäßzentrums Berlin-Brandenburg am Evangelischen Krankenhaus Hubertus und des Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau. Drei Jahre nach dem Eingriff hat nur einer der 91 Patienten behandelten Patienten eine Restenose. Ein besonderer Vorteil dieser Methode bei der "Schaufenster-Krankheit": Sie ist auch bei Arterien wie beispielsweise den Unterschenkelarterien anwendbar, bei denen kein Stent in Frage kommt. Seit Beginn des Jahres 2013 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen auch für Patienten mit paVK die Behandlungskosten. In Berlin bieten mehrere Kliniken das Verfahren an: Dazu gehören neben dem Martin-Luther-Krankenhaus und Evangelischen Krankenhaus Hubertus die Vivantes-Häuser Humboldt-Krankenhaus, Spandau sowie Neukölln.
Filmbeitrag: Angelika Wörthmüller
Infotext: Beate Wagner




