Titel mit Pillen: Schmerz (Quelle: rbb)

rbb PRAXIS - Schmerzmittel - Selbsthilfe aus Apotheke und Natur

Kopf- oder Zahnschmerzen, Schmerzen im Rücken oder im Knie - was kann helfen? Der Griff zu einem rezeptfreien Schmerzmittel liegt nah. Aber man sollte beachten, dass jeder Wirkstoff ein spezifisches "Leistungsspektrum" hat und zum Ort des Schmerzes passen muss. Auch mit Mitteln aus der Naturheilkunde kann man sich bei Schmerzen helfen.

2011 wurden rund 150 Millionen Packungen Schmerzmittel verkauft, davon 75 Prozent ohne Rezept. Doch frei verkäufliche Schmerzmittel sind nicht automatisch harmlos, nur weil sie ohne Rezept zu haben sind. Experten raten nur zu Schmerzmitteln in Eigenregie, wenn die Patienten ihre Beschwerden überschauen und als kurz- bis mittelfristig einschätzen können. Frei verkäufliche Schmerzmittel sollten nicht länger als drei Tage in Folge genommen werden, monatlich höchstens an zehn Tagen. Der Apotheker berät den Kunden, welches Medikament gegen Schmerzen am besten hilft. Er ist zudem verpflichtet, beim Verkauf von Schmerzmitteln bestimmte Fragen zu stellen und einzuschätzen, ob der Patient die richtigen Mittel in der richtigen Dosierung kaufen möchte. So fragt er beispielsweise, seit wann der Schmerz besteht, ob die Ursache bekannt ist, welche Arzneien der Patient außerdem nimmt oder ob Unverträglichkeiten bekannt sind.

Wie nimmt man Schmerzmittel am besten ein?

Klassisch werden Schmerzwirkstoffe als Tabletten mit Wasser eingenommen. Kautabletten und Effekt-Tabletten, die kein Wasser brauchen, eignen sich für unterwegs. Paracetamol und Ibuprofen gibt es auch als Saft. Diclofenac ist in verschiedenen Formen zur äußerlichen Anwendung käuflich, also als Pflaster, Gel, Spray. Wer einen empfindlichen Magen hat, nimmt lieber Kapseln, Zäpfchen oder wählt die äußere Anwendung. Je weniger Wirkstoff der Magen verstoffwechselt, desto besser ist das für die Magenschleimhaut.

Acetylsalicylsäure (ASS)
Der Wirkstoff ist rezeptfrei erhältlich, zwischen 500 und 1000 mg schmerzstillend, wirkt antientzündlich, führt hochdosiert zu Schwindel, Ohrensausen und Übelkeit, sollte nicht vor Operationen gegeben werden, außerdem ist ASS für Kinder, Schwangere und Menschen mit Blutungsneigung verboten. Bei gleichzeitiger Einnahme von Kortison-Präparaten oder bei Alkoholgenuss steigt das Risiko von Magen-Darm-Blutungen. Zu-dem verstärkt ASS die blutzuckersenkende Wirkung bestimmter Medikamente gegen Diabetes Typ 2. Für Schwangere ist ASS tabu, weil es zu einer Ablösung der Plazenta führen kann.

Paracetamol
Paracetamol ist rezeptfrei verfügbar, wirkt nicht antientzündlich, muss unbedingt richtig dosiert werden, sonst droht eine Überdosierung mit Leberversagen. Vorsicht ist bei Kindern geboten, außerdem sollten Patienten mit Leberschäden darauf verzichten. Dauerhaft eingenommen entsteht Medikamentenkopfschmerz oder Nierenschaden. Wer einen durch Alkohol bedingten Kater bekämpfen will, sollte Paracetamol lieber nicht einnehmen, der Wirkstoff belastet die Leber zusätzlich. Paracetamol kann die Zeugungsfähigkeit von Jungen beeinträchtigen - Schwangere sollten die Einnahme daher unbedingt mit ihrem Arzt besprechen.

Ibuprofen und Diclofenac
Sie wirken entzündungshemmend, abschwellend und schmerzstillend, verursachen aber häufig Magen-Darmprobleme und bergen ein hohes Risiko für Herzkreislaufprobleme. Die Wirkstoffe sollten nur so kurz und so niedrig dosiert wie möglich genommen werden. Ibuprofen ist bei Patienten mit Asthma ungeeignet, weil das Medikament mit gängigen Asthma-Medikamenten interagiert und einen Asthma-Anfall auslösen kann. Für Kinder liegen so gut wie keine Studiendaten für Medikamente vor, Ärzte setzen daher auf empirische Erfahrung – und empfehlen Ibuprofen statt Paracetamol.

Was hilft gegen Kopfschmerzen?
Mindestens 15 Prozent aller Deutschen leiden darunter. Neben Spannungskopfschmerz und Migräne haben sie oft schmerzmittelbedingte Kopfschmerzen, genannt Medikamenten-Kopfschmerz. Sie entstehen, wenn Tabletten länger als zehn Tage eingenommen werden. Wichtig sind innere Ruhe, Bewegung und frische Luft. Bei Migräne lindern die Beschwerden neben Triptanen auch ASS, Paracetamol, Ibuprofen oder Diclofenac. Triptane sind spezielle Migränetabletten, die an den entzündeten Blutgefäßen direkt im Gehirn wirken. Die Wirkstoffe sorgen dafür, dass weniger entzündungsfördernde Substanzen freigesetzt und die Weiterleitung an das Gehirn unterbrochen wird. Der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft zufolge können auch Präparate genommen werden, die ASS, Paracetamol und Coffein miteinander kombinieren. Andere Experten sehen diese Kombinationsmedikamente eher kritisch, sie raten erst dazu, wenn einzelnen Präparate nicht wirken. Denn Kombipräparate enthalten oft Koffein, Patienten nehmen sie daher auch, um fit zu werden und nicht nur um Schmerzen zu bekämpfen. Koffein in Kombination kann – besonders bei älteren Menschen – zudem zentralnervöse Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schwindel oder sogar Verwirrtheit verursachen. Bei Medikamenten-Kopfschmerz müssen alle Schmerzmittel für mehrere Wochen abgesetzt werden. Pflanzliche Alternativen sind Minzöl und Pestwurz. Außerdem lindert Akupressur an der Schläfe Kopfschmerzen.

Was hilft gegen Rücken- und Gelenkschmerzen?
Hier empfehlen Experten vor allem die entzündungshemmenden nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) Ibuprofen und Diclofenac. Der akute Rückenschmerz sollte frühzeitig eingedämmt werden, weil Schmerzen zu Schonhaltungen führen und diese wiederum zu Muskelverspannungen, die weitere Schmerzen verursachen. Hilfreich sind außerdem Krankengymnastik, Massagen, Akupunktur, Entspannung, Rückenschule, Psychotherapie. Zudem kann eine sogenannte Nadelmatte Linderung bringen. Denn die dadurch ausgelösten Gegenreize überdecken nachweislich andere Schmerzen. Nicht empfohlen wird das Wärmepflaster mit dem Wirkstoff Capsicum, beispielsweise bei Nervenreizung nach Bandscheibenvorfall. Aus der Naturheilkunde eignen sich Teufelskrallenwurzel und Wickel mit gemahlenen Bockshornkleesamen gegen Arthrose, Lumbalgie und Rückenschmerzen, Weidenrinde hilft bei chronischen Rückenschmerzen, Brennesselblätter bei rheumatischen Beschwerden.

Was hilft gegen Zahnschmerzen?
Sie entstehen meist durch Karies, aber auch Paradontitis, Zahnschmelzschäden oder entzündete Nasennebenhöhlen. Der Gang zum Zahnarzt ist wichtig, damit er die Ursache feststellt und beheben kann. Das Mittel der Wahl ist Ibuprofen. ASS ist bei Zahnschmerzen eher kontraindiziert, weil es die Blutungsneigung erhöht; das kann bei einer anstehenden Zahnbehandlung problematisch sein. Paracetamol ist zweite Wahl, es wirkt weniger entzündungshemmend als Ibuprofen. Mit Nelkenöl kann die Wartezeit bis zum Zahnarzt überbrückt werden.

Was hilft gegen Regelschmerzen?
Auslöser des Regelschmerzes ist das Hormon Prostaglandin, das bewirkt, dass sich die Muskulatur der Gebärmutter zusammenzieht. Hier haben sich Ibuprofen, Naproxen oder Butylscopolamin bewährt, sie wirken den Krämpfen entgegen. Außerdem lindern Wärme und pflanzliche Extrakte aus Frauenmantel, Kamille, Gänsefingerkraut oder Scharfgarbe die Schmerzen. ASS sollte frau wegen der blutverdünnenden Wirkung schon eine Woche vor der Regel nicht mehr einnehmen.

Was hilft gegen Nervenschmerzen?
Sie entstehen im Nerv selbst, sind meist messerscharf, einschießend, Betroffene reagieren empfindlich auf Berührungen. Bei der Trigeminusneuralgie ist ein Hirnnerv gereizt, der durch das Gesicht verläuft. Die Schmerzen sind mit einfachen Schmerzmitteln meist nicht beherrschbar. Behandelt wird daher mit Epilepsiemedikamenten wie Carbamazepin, mit Antidepressiva oder mit Akupunktur. Eine durch eine Gürtelrose oder einen Herpes Zoster ausgelöste Neuralgie lässt sich mit Puder, Zinkpaste oder Virustatika wie Aciclovir eindämmen.

Filmbeitrag: Ursula Stamm
Infotext: Beate Wagner

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