Grafik zu einer Gebärmuttersenkung (Quelle: rbb)

- Gebärmuttersenkung

Zwischen 30 und 50 Prozent aller älteren Frauen kämpfen mit den Folgen einer mehr oder weniger ausgeprägten Gebärmuttersenkung: starkes Druckgefühl und Harninkontinenz. Allzu häufig wurde in der Vergangenheit dann ein haltendes Kunststoffnetz implantiert.

Doch das soll nun nur noch in Ausnahmefällen zum Einsatz kommen, denn circa fünf Prozent der so operierten Frauen müssen mit unangenehmen Spätfolgen rechnen.
Es trifft etwa jede dritte Frau und immer in individueller Ausprägung: Der Halteapparat der Gebärmutter verliert an Elastizität, das Organ senkt sich ab. Normalerweise sitzt die Gebärmutter im kleinen Becken und wird durch eine Konstruktion aus Bindegewebe und Beckenbodenmuskulatur in ihrer Lage gehalten.
Grafik Gebärmuttersenkung (Quelle: rbb)

Mit zunehmendem Alter wird der Halteapparat schwach, die Gebärmutter sinkt nach unten, in schweren Fällen kann sie sogar teilweise oder ganz aus der Scheide herausrutschen. Man spricht dann von einem Gebärmuttervorfall (Uterusprolaps). Durch die anatomische Nähe wird sie dabei nicht selten von der Harnblase begleitet, Inkontinenz ist die Folge.

Weitere Beschwerden sind Blasenentzündungen, wenn die Blase durch die Absenkung der Gebärmutter nicht mehr vollständig entleert wird. Auch im Darm kann ein Druck- und Fremdkörpergefühl entstehen. Typisch ist außerdem der ständige Reiz, zur Toilette zu müssen.

Manchmal kommt es auch zur Verstopfung und Hämorrhoiden. Betroffen sind vor allem ältere Frauen, die meist mehrere Schwangerschaften und Geburten hinter sich haben. Vor allem sehr große Kinder, Mehrlinge oder viele Geburten in kurzen Abständen bergen die Gefahr, dass der Beckenboden nachhaltig geschädigt wird.

Klar ist aber auch: Meist müssen mehrere Dinge zusammenkommen, die eine Gebärmuttersenkung hervorrufen. Begünstigt wird sie durch eine angeborene Bindegewebsschwäche, gesunde und sportlich trainierte Frauen erkranken seltener. Ein weiterer Auslöser ist Übergewicht. Die angeborene Bindegewebsschwäche allein ist erst nach den Wechseljahren als Risikofaktor für eine Senkung anzusehen.

In den Wechseljahren produzieren die Eierstöcke immer weniger Östrogene, durch die Abnahme der weiblichen Geschlechtsorgane regenerieren das Bindegewebe und die Muskulatur schlechter. Grundsätzlich ist die Behandlung nur notwendig, wenn Beschwerden auftreten.

Die Art der Therapie hängt vom Grad der Senkung, dem Alter der Patientin und davon ab, ob sie sich noch Kinder wünscht. Leichte Formen der Scheiden- oder Gebärmuttersenkung können die betroffenen Frauen mit regelmäßigem Beckenbodentraining entgegenwirken.

Grafik zu einer Gebärmuttersenkung (Quelle: rbb)
Bei schweren Fällen versprechen die konventionellen Methoden oft wenig Erfolg, dann lässt sich nicht verhindern, dass die abgesenkte Gebärmutter operativ entfernt werden muss. Bei einer operativen Blasen- und Scheidensenkung rafft der Frauenarzt den Blasenboden und hebt den Blasenhals an (vordere Scheidenplastik). Zur Raffung der Beckenbodenmuskulatur und zur Verstärkung des Damms eignet sich die hintere Scheidenplastik.

Mit dem sogenannten TVM (Transvaginal-Mesh)-Verfahren steht Ärzten seit einiger Zeit eine moderne Behandlungsmethode zur Verfügung. Dabei setzt der Arzt in einer Operation über die Scheide ein Netz zwischen Blase und Beckenboden ein, das Kunststoffnetz hebt die schwer gesenkten Organe sozusagen an. Die Implantate kommen jedoch nur zum Einsatz, wenn keine andere Methode Erfolg verspricht.

Der Eingriff sollte zudem gut überlegt sein, denn auch er kann selbst schwere Folgen haben, warnt jetzt die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Zum einen können das Schmerzen im Operationsbereich sein, zum anderen kann es aber auch zu blutigem Ausfluss kommen, wenn das Netz durch die Scheidenwand scheuert.

Letztendlich lässt sich auch nicht ausschließen, dass sich eine erneute Inkontinenz entwickelt. Die Ärzte müssen die Frauen daher sehr gut aufklären, bevor diese dem neuen Verfahren der TVM zustimmen können.

Filmbeitrag: Erika Brettschneider
Infotext: Beate Wagner

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