CT Analyse für Migräne und Aneurysma (Quelle: rbb)

- Hirnblutung – sind Kopfschmerzen ein Warnsignal?

Fast jeder kennt einen tragischen Fall: Menschen, die plötzlich und unerwartet aus scheinbarer Gesundheit versterben. Häufig ist ein Aneurysma im Gehirn die Ursache, eine krankhafte Ausbuchtung der Hirnarterie. Eine neue Studie vermutet einen Zusammenhang mit Migräne.

Seite 1 von 2

Doch kann man in häufigen Kopfschmerzen wirklich ein Warnsignal erkennen? Ein dröhnendes Pochen, Sehprobleme, Konzentrationsbeschwerden – wer ständig Kopfschmerzen hat, sucht nach Gründen und Mitteln dagegen. Die Sammlung freiverkäuflicher Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen wird immer größer.

Die Ängste, es könnte eine lebensbedrohliche Ursache dahinter stecken, oft ebenso. Wer öfter als an sechs bis zehn Tagen monatlich Kopfschmerzen hat, sollte in jedem Fall zum Arzt gehen. Am besten in ein spezialisiertes Kopfschmerzzentrum, wo Experten mithilfe einer fundierten Befragung und klinischen Untersuchung eine Migräne oder gar ernste Ursachen wie beispielsweise ein Aneurysma ausschließen.
Kontrastmittelbild mit Grafik "Coiling"(Quelle: rbb)

Ärzte verstehen unter dem Begriff Aneurysma eine spindel- oder sackförmige Ausweitung einer Arterie. Sie entsteht, wenn die Wand eines Gefäßes an einer Stelle dünner ist als an anderen und sich ausstülpt. Das Risiko, dass ein Aneurysma reißt, wächst mit steigendem Durchmesser der Gefäßausstülpung. Auch in den Hirnarterien selbst ist ein Aneurysma nicht selten.

Denn hier ist die Muskelschicht der Gefäße dünner als an den anderen Arterien im Körper. Hirnarterien sind also quasi prädisponiert für ungewollte Ausbuchtungen, nicht selten finden sich bei einem Patienten gleich mehrere Schwachstellen der Gefäße. Schätzungen zufolge leben acht Prozent aller Erwachsenen mit einem Hirnaneurysma. Frauen sind etwas öfter betroffen als Männer.

Bei etwa 10 000 Menschen jährlich in Deutschland platzt irgendwann das Aneurysma, es kommt zu einer lebensbedrohlichen Hirnblutung. Folge der Blutung im Raum zwischen Gehirn und der darüber liegenden Spinnenhaut: Durch diese Einblutungen in die mit Flüssigkeit gefüllten Räume, in denen das Gehirn schwimmt (Subarachnoidalräume), erhöht sich auch der Druck auf die Hirnstrukturen selbst. Betroffene spüren plötzlich einsetzende, unerträgliche Kopfschmerzen, Sehstörungen und eine besondere Nackensteifigkeit. Etwa die Hälfte stirbt an der Hirnblutung, jährlich also etwa 5 000 Menschen. Die übrigen Betroffenen haben meist bleibende neurologische Schäden.

MRT - Untersuchung (Quelle: rbb)
Experten raten bei ungeklärter Ursache schwerer Kopfschmerzen oder plötzlichem Symptomwechsel immer häufiger auch zu einer Magnetresonanztomographie (MRT), mit der sich ein Aneurysma diagnostizieren lässt. Entdecken die Ärzte gleich mehrere Aneurysmen, könnte eine genetische Neigung vorliegen. In diesen Fällen raten sie auch nahen Verwandte zur Absicherung mittels einer MRT-Diagnostik – selbst wenn diese keine Beschwerden wie Kopfschmerzen haben. Die Kasse übernimmt die Kosten.

Wer bereits weiß, dass er ein Aneurysma im Kopf trägt, sollte sich schon früh mit dem Gedanken an eine Operation oder eine Katheter-Behandlung befassen. Prinzipiell gibt es zwei Behandlungsmöglichkeiten: Zum einen eine Operation mit Verschluss des Aneurysma durch einen Clip, durchgeführt von Neurochirurgen.

Zum anderen können Aneurysmen heute endovaskulär mit Verschluss durch Platinspiralen versorgt. Die Spiralen heißen Coils, das Verfahren Coiling. Fachleute raten zu dem Verfahren, größere Aneurysmen ab einem Durchmesser von etwa fünf Millimeter zu behandeln, kleinere Aneurysmen sollen eher beobachtet werden.
Kontrastmittelbild (Quelle: rbb)

Patienten mit chronischen Kopfschmerzen haben auffällig oft Aneurysmen auch in den Hirnarterien. Eine aktuelle russische Studie hat untersucht, ob es eventuell einen ur-sächlichen Zusammenhang gibt. Neurologen der russischen Universitätsklinik Jekaterinburg haben herausgefunden, dass Patienten mit nicht rupturierten sackförmigen intrakraniellen Aneurysmen (SIA) vermehrt an Migräne ohne Aura leiden.

In einer prospektiven Fall-Kontroll-Studie hatte einer der Ärzte 199 Personen, die wegen eines - in den meisten Fällen schon geplatzten - SIA stationär aufgenommen worden waren, mit einem standardisierten Interview nach Kopfschmerzen im vorausgegangenen Jahr befragt. Dieselben Fragen waren 194 weitgehend vergleichbaren Blutspendern vorgelegt worden, die als Kontrollgruppe dienten.

Ergebnis: Von den SIA-Patienten hatten 62,3 Prozent im Jahr vor der Ruptur an Kopfschmerzen gelitten. Die Prävalenz war damit fast doppelt so hoch wie in der Kontrollgruppe (32,5 Prozent). Differenziert nach der Art der Kopfschmerzen trat aber nur Migräne ohne Aura mit 39,2 Prozent bei den SIA-Patienten signifikant häufiger auf als in der Kontrollgruppe mit 8,8 Prozent. Letztendlich kann also nicht eindeutig gesagt werden, dass migräneartige Kopfschmerzen mit Aneurysmen zusammenhängen. Es gab aber andere signifikante Ergebnisse, deren Zusammenhang bereits lange bekannt ist: Die Untersuchung zeigte, dass Rauchen und Bluthochdruck die Bildung solcher Aneurysmen im Gehirn begünstigen.

Live im Studio

Expertengespräch zum Thema Aneurysma

Dr. Jan-Peter Jansen vom Schmerzzentrum Berlin ist live im Studio.

Dr. med. Jan-Peter Jansen

(zu Kopfschmerz u. Migräne)
Ärztlicher Leiter
Facharzt für Anästhesie
Schmerzzentrum Berlin
Schönhauser Allee 172 a
10435 Berlin
Tel.: 030 - 44 34 19 01
Email: info@schmerzzentrum-berlin.de

WEITERE bEITRÄGE

Schüler liegt mit Kopf auf Sportbank; darüber Schriftzug: Migräne (Bildmontage/ Quelle: dpa)

Das Gewitter im Kopf

Kinder leiden häufig unter Kopfschmerzen und Migräne. Doch oft werden sie unzureichend behandelt. Kein Wunder, denn viele Ärzte sind bei der Gabe von Schmerzmedikamenten bei Kindern verunsichert. Eine aktuelle Untersuchung der Universität Wien zeigt, dass es bislang noch zu wenige wissenschaftlich saubere Studien zur medikamentösen Therapie bei Kindern gibt.