Nachtblindheit (Quelle: rbb)

- Nachtblindheit

Wenn man nachts beim Auto fahren schlecht sieht, sich von den Scheinwerfern des Gegenverkehrs geblendet fühlt, ist schnell von der Nachtblindheit die Rede. Aber ist jeder, der nachts schlecht sieht, gleich nachtblind? Die rbb Praxis klärt auf über echte und vermeintliche Nachtblindheit.

Nachtblinde Menschen haben in der Dämmerung oder Dunkelheit Probleme, zu sehen, Formen zu unterscheiden, scharfe Umrisse zu erkennen. Typischerweise sehen sie bei Helligkeit hingegen ganz normal – viele wissen also selbst nichts von ihrer Beeinträchtigung.
Grafik: Aufbau des Auges (Quelle: rbb)
Als Ursache der sogenannten Hemeralopie kommen mehrere Probleme in Betracht – immer führen sie zu einer Störung der Netzhaut. So ist die Nachtblindheit entweder angeboren oder erworben zum Beispiel durch einen Vitamin-A-Mangel oder Erkrankungen am Augenhintergrund oder der Netzhaut.

Bei Patienten mit der Erbkrankheit Retinitis pigmentosa ist die Nachtblindheit oft der erste Hinweis auf die Erkrankung. Die Augen dieser Betroffenen können sich nicht mehr an schwache Lichtverhältnisse anpassen, weil bei ihnen genau die Zellen zerstört werden, mit denen das Auge Licht wahrnimmt, die sogenannten Photorezeptoren.
Grafik Auge Farbsehen (Quelle: rbb)
Die Netzhaut ist die lichtempfindliche Schicht des Auges. Sie beherbergt besondere Sinneszellen, die mithilfe lichtempfindlicher Moleküle Lichtreize in elektrische Signale umwandeln und weiterleiten. Entsprechend ihrer Form unterscheiden Experten zwischen Stäbchen und Zapfen. Die Stäbchen sind mit etwa 120 Millionen die häufigsten Sinneszellen in der Retina.

Sie sitzen in der Peripherie der Netzhaut im Augenhintergrund und sind für das Nacht- und Dämmerungssehen verantwortlich. Sie reagieren schon auf sehr schwache Lichtreize – Umrisse und Schatten in der Dämmerung werden so erkennbar, allerdings nur in Graustufen. Zapfen sitzen hauptsächlich im Zentrum der Netzhaut und arbeiten vor allem bei Tageslicht: Es gibt etwa sechs Millionen dieser zapfenförmigen Sinneszellen. Sie sind für das Farbsehen verantwortlich und ermöglichen das Scharfsehen im Gesichtsfeldzentrum.
Untersuchung beim Augenarzt (Quelle: rbb)
Nicht selten wird echte Nachtblindheit mit einer Blendempfindlichkeit verwechselt. Die Blendempfindlichkeit ist so etwas wie eine Nachtsehschwäche, sie tritt bei verschiedenen anderen Augenkrankheiten wie zum Beispiel bei einer Trübung der Linse oder einer Schädigung des Sehnervs auf. Am häufigsten ist die Blendempfindlichkeit Folge des zunehmenden Alters.

Mithilfe des Nyktometers finden Augenärzte heraus, ob ein Betroffener wirklich nachtblind oder "nur" blendempfindlich ist. Bei der Untersuchung messen die Ärzte das Kontrastsehen in der Dunkelheit mit und ohne Blendung. Sie ermitteln also das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Anpassung der Netzhaut an die Dunkelheit.

Filmbeitrag: Thomas Förster
Infotext: Beate Wagner

Im Beitrag:

Prof. Dr. med. Klaus Rüther

Sankt Gertrauden-Krankenhaus GmbH
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