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Berliner und Brandenburger müssen aufpassen: In keinem anderen ostdeutschen Bundesland ist die Gefahr, von einer Zecke gestochen zu werden, so groß wie in Brandenburg. Trotz des langen Winters ist das Zecken-Vorkommen in diesem Sommer nicht niedriger als im Vorjahr.

Der Frühling kommt, endlich steigen die Temperaturen. Das erfreut das Gemüt, doch ab acht Grad Celsius erwachen auch Zecken aus ihrer Winter-Kältestarre und werden aktiv. Die Zecke gehört zu den Spinnentieren und ist nur etwa so groß wie ein Stecknadelkopf. Sie ist in Wäldern oder in Gebüschen verbreitet. Besondere Vorsicht ist geboten, wo es feucht ist.
In der Nähe von Bächen, Seen oder Flüssen halten sich Zecken besonders gern auf. Ihr Stich kann unangenehme Folgen haben: Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Borreliose. Das Infektionsrisiko steigt mit der Saugdauer der Zecke. Die Durchseuchung der Zecken ist regional unterschiedlich und hängt zudem vom Entwicklungsstadium der Tiere ab. Nur in einem Bruchteil der Fälle führt ein Stich zu einer Infektion.
Dennoch ist die Borreliose mit geschätzten 60.000 bis 100.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste durch Zecken übertragene Infektionserkrankung in Deutschland. Bayern führte daher in diesem März sogar eine Meldepflicht für behandelnde Ärzte ein, um weitere Erkenntnisse zum Vorkommen und zur regionalen Verteilung dieser Erkrankung zu gewinnen. Borrelien gelangen mit dem Speichel der Zecke in den Blutkreislauf des Menschen und verursachen viele unterschiedliche Symptome. Problematisch ist, dass diese oft auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Die Inkubationszeit ist sehr variabel.

Man teilt die Erkrankung in drei Stadien ein:
Auch die Dauer der Röte schwankt stark: In manchen Fällen zeigen sich die Hautveränderungen noch nach Monaten, oft bleiben sie etwa fünf Wochen bestehen. Allerdings fehlt die Wanderröte in etwa der Hälfte der Fälle, obwohl eine Infektion erfolgte. Außerdem kann es zu Abgeschlagenheit, Fieber- und Kopfschmerzen kommen. Oft heilt dieses erste Stadium folgenlos ab.
2) Es kann aber auch in das zweite Stadium übergehen, welches häufig durch Nervenentzündung mit Lähmungen und brennenden Schmerzen gekennzeichnet ist. Kinder erkranken vorwiegend an einer Hirnhautentzündung, bei Erwachsenen in Europa tritt sie seltener auf. Teilweise kommt es zu Herzentzündungen und rötlich-blauen Knötchen auf der Haut (Borrelien-Lymphozytom).
3) Im dritten Stadium können Monate bis Jahre nach der Infektion schubweise oder chronisch verlaufende Gelenkentzündungen folgen. Auch eine bläuliche Pergamenthaut und seltener fortschreitende Veränderungen des Zentralnervensystems mit Lähmungen können Zeichen dieses Stadiums sein.
Keine Impfung gegen Borreliose
Auch lange Hosen, Socken und geschlossene Schuhe machen es Zecken schwer, bis auf die Haut zu gelangen. Nach dem Aufenthalt im Freien ist zudem Duschen eine gute Vorsichtsmaßnahme: Denn die Zecken krabbeln oft noch stundenlang auf dem Opfer umher, bevor sie wirklich zustechen, deshalb kann man manche Kandidaten noch abspülen. Gegen Tiere, die sich bereits festgebissen haben, nützt Wasser natürlich nichts.
Wer von einer Zecke gestochen wird, sollte den Einstich beobachten. Rötet sich die Haut in den kommenden Wochen oder zeigen sich andere Veränderungen wie beispielsweise grippe- und rheumaähnliche Beschwerden, sollten Betroffene zum Arzt gehen. Wichtig ist, dass dieser sich mit Zecken-Infektionen auskennt. Nur dann kann er eine treffsichere Diagnose stellen oder die Borreliose ausschließen.

Diagnose und Therapie
Doch auch in späteren Stadien ist die Therapie meist noch erfolgreich. So wird die Er-folgsrate beim Gelenkbefall mit etwa 80 Prozent angegeben. Chronische Krankheiten mit bleibenden Schäden sind glücklicherweise selten.
Viele Patienten leiden jedoch jahrelang unter einer unerkannten Borreliose. Und es besteht nach einer Infektion auch kein Schutz vor einer erneuten Erkrankung. Nie sollten Patienten Antibiotika nehmen, wenn nach einem Zeckenstich noch keine Symptome aufgetreten sind.

Zecken übertragen auch Viren
Das Risiko für eine FSME ist je nach Region unterschiedlich hoch. In Deutschland treten die meisten Fälle in Baden-Württemberg, Bayern, Südhessen, und Thüringen auf. Neu hinzugekommen ist ein Risikogebiet im Saarland. In der Region Berlin-Brandenburg übertragen Zecken meist nur Borreliose. Zu den besonders gefährdeten Gebieten gehören auch das östliche Österreich und seine Nachbarn sowie Osteuropa. Wer sich dort häufig in der Natur aufhält, sollte sich gegen das Virus impfen lassen.
Die FSME beginnt mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen und Erbrechen. In sechs bis zehn Prozent der Fälle kann es nach etwa zehn Tagen zu einem zweiten Krankheitsschub mit Übelkeit und Erbrechen, starken Kopfschmerzen und neu-rologischen Symptomen kommen. Weiterhin folgen Entzündungen der Hirnhäute, des Gehirns oder anderer Nervengewebe. Bei ein bis zwei Prozent der so Erkrankten führt die Infektion zum Tod. Eine spezifische Behandlung der FSME gibt es nicht. Geimpft wer-den sollten Risikopersonen (Waldarbeiter, Forstpersonal) und Bewohner oder Reisende in Risikogebieten.

Wie entfernt man die Zecke richtig?
Dabei gilt: Kein Öl oder Klebstoff auf die Zecke träufeln, wie es früher oft empfohlen wurde. Denn so "erschrickt" sich die Zecke und spuckt erst recht ihre möglichen Erreger aus. Die Zecke sollte mit einer Pinzette, Zange oder einer Zeckenkarte möglichst nah an der Haut gefasst und durch geraden Zug (nicht drehen) entfernt werden. Bleiben die Stechwerkzeuge in der Haut, ist das nicht schlimm. Sie fallen nach ein paar Tagen von selbst heraus.
Dass Zecken ziemlich hartnäckig sind und sehr lange überleben können, sogar unter extremen Bedingungen, haben Berliner Forscher nachgewiesen. Sie zeigten, dass den Krabbeltierchen weder die Waschmaschine mit Weichspüler bis 60 Grad Celsius etwas ausmacht noch sterben die blutsaugenden Gliedertierchen nach mehreren Stunden im Gefrierschrank bei minus zwölf Grad Celsius. Und selbst in Essig halten es einige Zecken bis zu einer Stunde aus. Endstation ist erst der Wäsche-Trockner – darin strecken auch die letzten Blutsauger alle Achte von sich.
Filmbeiträge: E. Brettschneider / U. Stamm/ S. Sperfeld
Infotext: Beate Wagner





