Berlinale 2012 - Angelina Jolie ( Foto Dpa)

- Präventive Operation bei familiärem Brustkrebsrisiko

Die US-Schauspielerin Angelina Jolie gehört zu den Frauen, in deren Familien Brust- und Eierstockkrebs vererbt wird. Sie hat sich deshalb vorsorglich die Brüste amputieren lassen. Für welche Frauen ein Gentest und die vorsorgliche Amputation tatsächlich sinnvoll sind – darüber berichtet die rbb PRAXIS.
 
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Frau barbusig im OP, Quelle: dpa
Die Schauspielerin Angelina Jolie hat eine radikale Entscheidung getroffen: Sie hat sich beide Brüste amputieren lassen – aus Angst vor Brustkrebs. Nachdem ihre Mutter im Jahr 2007 mit 56 Jahren an Eierstockkrebs verstarb, ließ sich die US-Amerikanerin genetisch untersuchen.

Tatsächlich trägt sie verändertes Genmaterial in sich, das ihre Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs zu erkranken im Vergleich zu sonst gesunden Frauen um 87 Prozent erhöht. Ihr Risiko für Eierstockkrebs läge immerhin bei 50 Prozent, gab Schauspielerin Jolie gegenüber der New York Times bekannt.

Frauen, in deren Familien Brust- oder Eierstockkrebs auftritt, haben ein höheres Risiko, selbst zu erkranken. Und nicht nur das: Frauen mit erblicher Veranlagung erkranken deutlich früher, durchschnittlich vor dem 50. Lebensjahr. Zudem sind familiäre Tumoren besonders aggressiv und schnell wachsend. Die beiden bekanntesten Risikogene sind BRCA1 und BRCA2, wobei BRCA für "BReast CAncer" steht.

Für Trägerinnen eines mutierten BRCA1-Gens erhöht sich das Brustkrebs-Risiko auf 70 bis 90 Prozent; zusätzlich erkranken zwischen 40 und 55 von 100 Frauen an Eierstockkrebs. Ein verändertes BRCA2-Gen steigert das Risiko für Brustkrebs auf etwa 80 Prozent; rund 10 bis 20 von 100 Frauen erkranken an Eierstockkrebs. Ein weiteres, seltenes Gen, das ebenfalls mit Brust- und Eierstockkrebs in Verbindung steht, ist beispielsweise RAD51.
Erythrozyten (rot), Leukozyten (gelb) und Thrombozyten (grün), Quelle: dpa

Entsprechende Gentests bieten neben der ausführlichen Beratung die bundesweit 15 Zentren für familiären Brust- oder Eierstockkrebs an. Die Gentests können allerdings keine Aussage darüber treffen, ob eine Frau tatsächlich an Krebs erkranken wird oder nicht; sie erkennen nur das Risiko für die Erkrankung.

Hierzulande empfehlen Experten den betroffenen Frauen, sich zunächst die Eierstöcke entfernen zu lassen. Dadurch ver-siegt die Produktion der weiblichen Östrogene, ein Stimulus für die Entwicklung von Brustkrebs. BRCA1-Genträgerinnen minimieren ihr Risiko für Brustkrebs so um etwa ein Drittel, Frauen mit mutiertem BRCA2-Gen um etwa zwei Drittel.

Eine Brustamputation kann das Brustkrebsrisiko bis auf wenige Prozent senken. Doch der Eingriff will wohlüberlegt sein. Zum einen ist er viel aufwändiger als die endoskopische Entfernung von Eierstock und Eileitern. Zum anderen lässt sich bei einer vorschnellen Entscheidung die Auswirkung auf die Psyche der Frau keinesfalls absehen. Denn nach wie vor gilt der Busen als das Organ für die Weiblichkeit.

Um die Zeit der Entscheidung zu überbrücken, bieten die Zentren eine intensive Vorsorge an: Jedes halbe Jahr können sich die Frauen manuell und per Bildgebung auf ein potenzielles Tumorwachstum untersuchen lassen. Das garantiert die frühe Diagnose und erhöht die Chancen auf Heilung. Ob beide, Vorsorge und Amputation, auch auf Dauer ähnlich sicher vor Brustkrebs schützen, das müssen zukünftige Untersuchungen zeigen.

Filmbeitrag: Ina Czycykowski
Infotext: Constanze Löffler

Hintergrund

Hilfe bei familiärem Brustkrebs und Eierstockkrebs

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