Grafik mit Tieren (Quelle: rbb)

- Atemnot und Juckreiz- eine neu entdeckte Allergie macht Schlagzeilen

Stunden nach dem Essen kommen die Beschwerden: juckende Quaddeln auf der Haut, dicke Blasen, schließlich Atemnot. Die Symptome lassen auf eine Allergie schließen. Aber bei einer Allergie auf Lebensmittel, wie z.B. Meeresfrüchte, treten die Symptome meist sofort auf. Jetzt hat man herausgefunden, dass der Allergie auslösende Stoff – eine Zuckerart - bei der Verdauung von Fleisch frei wird und es somit eine Zeit dauert, bis der Körper damit konfrontiert wird.

Nicht nur ein Buffet mit Meeresfrüchten, sondern auch ein Besuch im Steakhaus kann dramatische Folgen haben: Die Haut juckt und zeigt Quaddeln am ganzen Körper, das Herz rast und die Betroffenen ringen nach Atem. Im schlimmsten Fall kann auch ein Kreislaufzusammenbruch mit Tod folgen.

Typischerweise tritt ein derartiger, anaphylaktischer Schock sofort z. B. nach dem Genuss von Meeresfrüchten auf. Experten verstehen darunter eine heftige, manchmal akut lebensbedrohliche Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems.

Seit ein paar Jahren beobachten Experten, dass auch Fleisch allergische Reaktionen auslösen kann. Dabei tritt die Reaktion mit ein paar Stunden Verspätung ein. Nicht selten wird dann kein Zusammenhang zwischen der heftigen Immunreaktion und dem Verzehr des Nahrungsmittels hergestellt. Seit 2009 wird die neuartige Allergie immer häufiger beschrieben. In Deutschland sind 100 bis 200 betroffene Patienten bekannt.

Zecke auf der Haut (Quelle: rbb)

Zeckenbisse als Ursache?

Besonders auffällig ist, dass die Allergie bei Erwachsenen auftritt, die bislang keine Probleme mit Fleisch hatten. Problematische Fleischsorten sind solche von Säugetieren: Rind, Schwein oder Lamm. Geflügel und Fisch werden indes gut vertragen. Der Auslöser, so fanden amerikanische Wissenschaftler 2012 heraus, ist ein Zuckermolekül namens Galactose-alpha-1,3-Galactose, kurz Alpha-Gal. Dieses Molekül kommt in fast allen Säugetieren vor: nur Primaten, wie z.B. Affen haben das Enzym im Laufe der Evolution verloren.

Isst ein Betroffener Fleisch, erkennt sein Immunsystem das Alpha-Gal als fremd und bildet entsprechende Antikörper, die Immunglobuline G (IgG). Das ist normal und löst keine Allergie aus. Bei einigen Menschen aber bilden sich auch die für Allergien verantwortliche Antikörper Immunglobulin E (IgE). Die Gründe dafür kennt man bisher nicht.

Eine Vermutung: Zeckenbisse. Bei Untersuchungen fanden amerikanische Forscher heraus, dass viele Betroffene vor dem plötzlichen Auftreten der Allergie von einer Zecke gebissen worden waren. So könnte eine Substanz aus dem Zeckenspeichel die Immunantwort im Körper beeinflussen. Bestätigt ist diese Hypothese allerdings noch nicht.
Ärztin führt einen Allergietest durch, Quelle: dpa

Allergietest beim Hautarzt

Der Verdacht auf eine Fleischallergie kann vom Hautarzt einfach und schnell mit einem neuen Bluttest und einem Prick-Test bestätigt werden. Eine weitere Möglichkeit ist, einen Provokationstest unter stationären Bedingungen durchzuführen, bei dem die betroffenen Patienten verschiedene "verdächtige" Lebensmittel zu sich nehmen, um herauszufinden, welche allergische Reaktionen auslösen.

Die Therapie ist einfach: Betroffene sollten Fleischprodukte meiden. Vor allem Innereien sind ein Problem. Bei Untersuchungen an der Universität Tübingen reagierten beispielsweise alle getesteten Patienten auf gebratene Schweinenieren. Auch größere Mengen Milch sollten besonders empfindliche Allergiker meiden. Ebenso Gummibärchen, denn sie enthalten häufig Gelatine.

Kaum bekannt ist, dass auch Notfallmedikamente Gelatine enthalten kann, und somit auch für einen Fleischallergiker gefährlich sind. Deshalb ist es wichtig, dass die Allergie in einem Allergiepass dokumentiert wird.


Filmbeitrag: Pia Kollonitsch
Infotext: Beate Wagner

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