Medikamente (Quelle: rbb)

- Medikamentenfälschungen

Auch Deutschland ist nicht mehr sicher vor Medikamentenfälschungen. Sie kursieren in Kenia genauso wie in Pakistan und mittlerweile ist auch Deutschland nicht mehr sicher vor Arzneimitteln, die nicht das sind, was sie versprechen. Medikamentenfälschungen sind ein globales Problem.
(Das Video zum Beitrag liegt aus rechtlichen Gründen nicht mehr vor.)

Experten

Prof. Martin Schulz

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Wolfgang Becker-Brüser

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Medikamentenfälschungen gibt es weltweit im großen Stil seit etwa 15 Jahren, als der Schwarzmarkt mit vermeintlich echten, aber unwirksamen Viagratabletten im Internet zu blühen begann. Bis heute machen Kriminelle damit teilweise mehr Gewinn als mit Heroin.

In Deutschland ist das Risiko, an eine gefälschte Medikamentenpackung zu kommen, zwar immer noch sehr viel kleiner als in Afrika, Asien und Südamerika, wo schätzungsweise bis zu 30 Prozent der Arzneien entweder gar keinen oder einen anderen Wirkstoff enthalten, als sie sollen. Über das Internet aber landen solche Fälschungen auch immer häufiger in deutschen Haushalten. Allein 2010 beschlagnahmte der Zoll etwa zehn Millionen gefälschte Tabletten. Nur sechs Jahre zuvor waren es lediglich eine halbe Million. Geschätzt sind die Hälfte der heute im Internet bestellten Medikamente gefälscht.

Medikamentenfälschungen gibt es bei Schmerz- oder Potenzmitteln, Schlankmachern genauso wie bei Antibiotika oder Krebsmitteln. Doch ganz gleich, ob es um den Kampf gegen Potenzstörungen, Malaria oder Bluthochdruck geht: Enthält die Arznei nicht das, was auf der Packung steht, kann das schlimme Folgen haben. So erkrankten schon mehrere Menschen beispielsweise an Malaria, weil sie dachten, mit der Malariaprophylaxe ausreichend geschützt zu sein. Da die geschluckten Tabletten aber gar keinen Wirkstoff enthielten, erkrankten sie an der lebensgefährlichen Fiebererkrankung. In Pakistan wurden erst kürzlich mehrere Menschen vergiftet, weil die Arzneien ein Gift statt einer gefäßerweiternden Substanz erhielt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfAM), das hierzulande die Reinheit der Medikamente überwacht, hat eine Fälschung sichergestellt, die Farbe enthielt, um die Tabletten dem Original anzugleichen.
Medikamente in einem Karton, Quelle: rbb

Einmal um die Welt und dann verkauft

Die Produktion der Fälschungen findet teils professionell in großem Stil statt, nicht selten werden aber auch Pillen in Hinterhöfen hergestellt. Der globale Markt schützt die Kriminellen – oft werden die Tabletten einmal um die halbe Welt geschickt und dort verkauft – die Herstellung kann so nicht mehr nachvollzogen werden. Mehr als 60 Prozent der Fälschungen aus dem Netz sollen aus China kommen, so schätzt die Weltgesundheitsorganisation. Über die Freihandelszonen im Nahen Osten werden sie dann gen Westen verschifft. Wer sich schützen will, sollte dem BfAM zufolge deshalb Arzneimittel nicht im Internet kaufen.

Auch in Deutschland nimmt der illegale Markt zu. Gefälschte Arzneimittel können in die legale Lieferkette gelangen und bis in die Apotheken vordringen. Die Schwachstelle ist der Zwischenhandel in der Vertriebskette zwischen Hersteller und Apotheke. Diese Lücke im System soll jetzt geschlossen werden. Seit Januar 2013 läuft ein Pilotprojekt der Gesellschaft securPharm, ein Zusammenschluss von Apotheken, Großhändlern und Pharmaindustrie. Sie ist eine Initiative zum Schutz des deutschen Arzneimittelvertriebs vor dem Eindringen gefälschter Arzneimittel.

In 280 ausgewählten Apotheken wird ein neuartiges Scannersystem getestet. Jede Medikamentenpackung erhält in Zukunft einen eigenen unverwechselbaren Barcode vom Hersteller - der absolut fälschungssicher sein soll. Fehlt diese spezielle Kennzeichnung wird das Medikament aussortiert. Sollte das Pilotprojekt erfolgreich verlaufen, wären die Apotheken vor Fälschungen sicher.


Filmbeitrag: Johannes Mayer
Infotext: Beate Wagner