Grafik Multiple Sklerose (Quelle: Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. und AMSEL e.V., Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg)

- Multiple Sklerose – bessere Versorgung in Spezial-Ambulanzen

Gehstörungen, Müdigkeit, Blasenschwäche – wer unter Multipler Sklerose leidet, kennt sehr verschiedene Beschwerden. Nicht alle kann ein Neurologe abklären. Jetzt bieten "MS-Ambulanzen" Rat und Therapien von unterschiedlichen Fachärzten an – in einer Sprechstunde gebündelt.

Die Multiple Sklerose (MS) ist ein chronisches Nervenleiden, das meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr beginnt und nicht heilbar ist. Neben der Epilepsie zählt sie zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen bei jungen Erwachsenen. Entgegen der landläufigen Meinung führt die Multiple Sklerose nicht zwangsläufig zu schweren Behinderungen. Auch viele Jahre nach Beginn der Erkrankung bleibt die Mehrzahl der Patienten noch gehfähig. Einige Betroffene sind jedoch irgendwann auf den Rollstuhl angewiesen. Am 29. Mai findet zum fünften Mal in über 60 Ländern der Welt-MS-Tag statt, der mit zahlreichen Aktionen auf die Anliegen von MS-Erkrankten aufmerksam machen soll.

Bei den Betroffenen finden Experten sowohl im zentralen Gehirn als auch im Rückenmark Entzündungsherde, die allmählich die Nervenscheiden und dann auch die Nervenstränge zerstören. Die Signalübertragung zwischen den Nerven wird durch diesen Zerstörungsprozess immer stärker eingeschränkt. Zu den daraus resultierenden Beschwerden zählen unterschiedliche neurologischen Störungen wie Sprachstörungen, Wortfindungsstörungen, Gangstörungen. Weltweit sind etwa 2,5 Millionen Menschen an Multiple Sklerose erkrankt. Nach aktuellen Schätzungen haben hierzulande zwischen 67.000 bis 138.000 Menschen MS.
Multiple Sklerose - Grafik (Quelle: Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. und AMSEL e.V., Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg)

Ursache bislang unbekannt

Was genau die Ursache ist, weiß bis heute niemand. Vermutet wird ein Angriff körpereigener Abwehrzellen auf die Nervenschutzhüllen. Die Krankheit verläuft meist in Schüben. Meist bilden sich die Beschwerden danach nicht vollständig zurück, so dass jeweils eine mehr oder weniger deutliche, aber bleibende Verstärkung der Symptome und Störungen spürbar werden kann.

Die Versorgung und Betreuung von Menschen mit dem Nervenleiden ist seit 2010 deutlich einfacher: Ihnen kann seitdem eine "ambulante fachärztliche Versorgung am Krankenhaus" angeboten werden. Diese neue Versorgungsform hat der Gesetzgeber speziell für Patienten mit komplexen Erkrankungen und erhöhtem Versorgungsbedarf eingeführt – sie erlaubt es, Versorgungslücken zu schließen, die sonst die ambulante Versorgung von gesetzlich Krankenversicherten erschwert haben. (§116b SGB V)

Die für die Erkrankung typischen Entzündungsherde finden Neurologen sowohl im Rückenmark an der Wirbelsäule als auch im Gehirn. Die Symptome können daher auch weit über das Fachgebiet der Neurologie hinausgehen – eine interdisziplinäre Versorgung in speziellen Ambulanzen ist daher die geeignete Betreuung. In der MS-Ambulanz arbeiten also Ärzte verschiedener Fachdisziplinen wie der Neurologie, Urologie, Gynäkologie oder Psychiatrie eng zusammen. Urologen kümmern sich beispielsweise um die Beschwerden beim Entleeren der Blase, Psychiater und Psychologen kümmern sich um das Nachlassen von Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit oder prüfen bei Stimmungsänderungen, ob eine anhaltende Entzündungsaktivität der MS oder eine davon unabhängige Depression dahinterstecken. Für die Diagnose und Behandlung von Sehstörungen stehen auf MS spezialisierte Augenärzte zur Verfügung. Weitere mitwirkende Fachdisziplinen sind Lungenfachärzte, Kardiologen sowie der Sozialdienst, beispielsweise im Hinblick auf Rehabilitationsmaßnahmen, dem Schwerbehindertenrecht und einer Berentung.

Im Beitrag:

PD Dr. Olaf Hoffmann

Neurologe, Leiter der Ambulanz
Klinik für Neurologie des St. Josefs-Krankenhauses
Allee nach Sanssouci 7
14471 Potsdam
Terminvereinbarung für Patienten: 0331 - 9682-6008

Dr. Volker Kunzmann

Nervenzentrum Potsdam
Berliner Str. 127
14467 Potsdam
Tel.: 0331 – 620 81 25
MS-Patientin bei der Therapie, Quelle: rbb

Bedürfnissen gerecht werden - mit MS-Ambulanzen

Bevor es die MS-Fachambulanzen gab, wurden MS-Patienten wie viele andere chronisch Kranke vorwiegend ambulant durch niedergelassene Neurologen behandelt. Lediglich während der Schübe oder für eine besonders aufwendige Diagnostik behandelte man sie stationär in Kliniken. Neurologische Praxen haben jedoch oft nur relativ wenige MS-Patienten, so dass den Ärzten dort teilweise die Erfahrung fehlte, auf die verschiedenen Probleme der Patienten fachgerecht zu reagieren. Der spezialisierte Versorgungsbedarf wurde daher häufig von den Hochschulambulanzen gedeckt, die jedoch Patienten nur zu Forschungs- und Ausbildungszwecken betreuen dürfen und deren Budgets ähnlich gedeckelt sind wie die der Niedergelassenen.

Mit der neuen ambulanten Versorgungsmöglichkeit in den Kliniken besteht nun eine sinnvolle Möglichkeit, den besonderen Bedürfnissen von Patienten mit komplexen Krankheitsbildern gerecht zu werden. Budgets und Regelleistungsvolumina, die sonst die ambulante Versorgung gesetzlich Krankenversicherter erschweren, fallen weg.

Die Ambulanzen sind Anlaufstelle für MS-Patienten mit komplexem Therapiebedarf und für Patienten, die eine sogenannte Eskalationstherapie erhalten. Das ist eine Behandlung, die entweder ein besonderes Sicherheitsmonitoring erfordert oder die nicht in jeder niedergelassenen Praxis erfolgen kann (wie zum Beispiel Infusionen). Außerdem bietet die Ambulanz Hilfe bei neuen Therapieentscheidungen und Zweitmeinungen.

Für die Patienten ist nicht nur die geballte Expertise in den Ambulanzen von Vorteil, sie haben für die einzelnen Anlaufstellen der Diagnostik und Therapie weder lange Wege zurückzulegen, noch müssen sie stundenlange Wartezeiten einplanen. Die MS-Ambulanz sieht sich nicht als Konkurrenz zu den niedergelassenen Neurologen, sondern arbeitet mit vielen auch gern zusammen. Solange alles gut läuft, bleibt der Patient für die "Alltagsroutine" bei seinem behandelnden Facharzt, bei Problemen oder in Notsituationen hat er jedoch den kurzen Draht zur MS-Ambulanz.

Die im Film verwendeten Animationen stammen aus dem Film "Nina - ein Leben mit Multipler Sklerose" (Quelle: Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. und AMSEL e.V., Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg)

Filmbeitrag: Bert Ostberg
Infotext: Beate Wagner

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