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Gehstörungen, Müdigkeit, Blasenschwäche – wer unter Multipler Sklerose leidet, kennt sehr verschiedene Beschwerden. Nicht alle kann ein Neurologe abklären. Jetzt bieten "MS-Ambulanzen" Rat und Therapien von unterschiedlichen Fachärzten an – in einer Sprechstunde gebündelt.
Bei den Betroffenen finden Experten sowohl im zentralen Gehirn als auch im Rückenmark Entzündungsherde, die allmählich die Nervenscheiden und dann auch die Nervenstränge zerstören. Die Signalübertragung zwischen den Nerven wird durch diesen Zerstörungsprozess immer stärker eingeschränkt. Zu den daraus resultierenden Beschwerden zählen unterschiedliche neurologischen Störungen wie Sprachstörungen, Wortfindungsstörungen, Gangstörungen. Weltweit sind etwa 2,5 Millionen Menschen an Multiple Sklerose erkrankt. Nach aktuellen Schätzungen haben hierzulande zwischen 67.000 bis 138.000 Menschen MS.

Ursache bislang unbekannt
Die Versorgung und Betreuung von Menschen mit dem Nervenleiden ist seit 2010 deutlich einfacher: Ihnen kann seitdem eine "ambulante fachärztliche Versorgung am Krankenhaus" angeboten werden. Diese neue Versorgungsform hat der Gesetzgeber speziell für Patienten mit komplexen Erkrankungen und erhöhtem Versorgungsbedarf eingeführt – sie erlaubt es, Versorgungslücken zu schließen, die sonst die ambulante Versorgung von gesetzlich Krankenversicherten erschwert haben. (§116b SGB V)
Die für die Erkrankung typischen Entzündungsherde finden Neurologen sowohl im Rückenmark an der Wirbelsäule als auch im Gehirn. Die Symptome können daher auch weit über das Fachgebiet der Neurologie hinausgehen – eine interdisziplinäre Versorgung in speziellen Ambulanzen ist daher die geeignete Betreuung. In der MS-Ambulanz arbeiten also Ärzte verschiedener Fachdisziplinen wie der Neurologie, Urologie, Gynäkologie oder Psychiatrie eng zusammen. Urologen kümmern sich beispielsweise um die Beschwerden beim Entleeren der Blase, Psychiater und Psychologen kümmern sich um das Nachlassen von Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit oder prüfen bei Stimmungsänderungen, ob eine anhaltende Entzündungsaktivität der MS oder eine davon unabhängige Depression dahinterstecken. Für die Diagnose und Behandlung von Sehstörungen stehen auf MS spezialisierte Augenärzte zur Verfügung. Weitere mitwirkende Fachdisziplinen sind Lungenfachärzte, Kardiologen sowie der Sozialdienst, beispielsweise im Hinblick auf Rehabilitationsmaßnahmen, dem Schwerbehindertenrecht und einer Berentung.

Bedürfnissen gerecht werden - mit MS-Ambulanzen
Mit der neuen ambulanten Versorgungsmöglichkeit in den Kliniken besteht nun eine sinnvolle Möglichkeit, den besonderen Bedürfnissen von Patienten mit komplexen Krankheitsbildern gerecht zu werden. Budgets und Regelleistungsvolumina, die sonst die ambulante Versorgung gesetzlich Krankenversicherter erschweren, fallen weg.
Die Ambulanzen sind Anlaufstelle für MS-Patienten mit komplexem Therapiebedarf und für Patienten, die eine sogenannte Eskalationstherapie erhalten. Das ist eine Behandlung, die entweder ein besonderes Sicherheitsmonitoring erfordert oder die nicht in jeder niedergelassenen Praxis erfolgen kann (wie zum Beispiel Infusionen). Außerdem bietet die Ambulanz Hilfe bei neuen Therapieentscheidungen und Zweitmeinungen.
Für die Patienten ist nicht nur die geballte Expertise in den Ambulanzen von Vorteil, sie haben für die einzelnen Anlaufstellen der Diagnostik und Therapie weder lange Wege zurückzulegen, noch müssen sie stundenlange Wartezeiten einplanen. Die MS-Ambulanz sieht sich nicht als Konkurrenz zu den niedergelassenen Neurologen, sondern arbeitet mit vielen auch gern zusammen. Solange alles gut läuft, bleibt der Patient für die "Alltagsroutine" bei seinem behandelnden Facharzt, bei Problemen oder in Notsituationen hat er jedoch den kurzen Draht zur MS-Ambulanz.
Die im Film verwendeten Animationen stammen aus dem Film "Nina - ein Leben mit Multipler Sklerose" (Quelle: Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. und AMSEL e.V., Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg)
Filmbeitrag: Bert Ostberg
Infotext: Beate Wagner







