Ein Arzt misst den Blutdruck eines Patienten (Foto:dpa)

- Sekundärer Bluthochdruck

Bluthochdruck betrifft allein in Deutschland Millionen Menschen. Unbehandelt kann er zu schweren Schäden am Herz-Kreislauf-System führen - Schlaganfall und Herzinfarkt drohen. Mit Medikamenten lässt sich ein hoher Blutdruck zwar behandeln, "heilen" lässt er sich aber in den seltensten Fällen. Doch manchmal klappt es: Vor allem dann, wenn der hohe Blutdruck lediglich das Symptom einer versteckten anderen Erkrankung ist. Wird diese ausgeschaltet, verschwindet oft auch der zu hohe Blutdruck.

Schwindel, Erbrechen, Gewichtsverlust und dazu ein schlagartig auftretender hoher Blutdruck – wenn Ärzte diese Symptome feststellen, liegt der Verdacht nahe, dass die Patienten an einem sogenannten sekundären Bluthochdruck leiden. Das ist ein Bluthochdruck, der als Folge anderer Erkrankungen auftritt. Insgesamt haben zehn Prozent aller Patienten mit Bluthochdruck einen sekundären Hypertonus – so nennen Mediziner die Krankheit. Er kommt häufig im Alter von unter 20 oder über 50 Jahren vor.
Der Verdacht auf eine sekundäre Hypertonie besteht, wenn es neben dem hohen Blutdruck Schäden an den Nieren, dem Herzen oder den Augen gibt, wenn andere Familienmitglieder nierenkrank sind oder die Haut plötzlich rot, überwärmt oder von dunklen Dehnungsstreifen und einer starken Körperpigmentierung gezeichnet ist. Zudem sprechen für die seltene Diagnose Hitzeunverträglichkeit, ungewöhnliche Strömungsgeräusche im Bauchraum beim Abhören und eine hohe Herzfrequenz. Ein typisches Zeichen ist weiterhin, wenn sich die Blutdruckwerte von bis zu über 180/120 mmHg auch nach einer ersten Behandlung nicht verbessern.
Grafik: Nebennieren (Quelle: rbb)
Für Ärzte ist die Diagnose eine Herausforderung, manchmal forschen sie monatelang, bis sie wissen, welche Grunderkrankung zugrunde liegt. Dennoch ist es wichtig, danach zu suchen. Denn lassen sich die Auslöser für die Hypertonie beseitigen, fällt auch der Blutdruck. Folgende Grunderkrankungen kommen in Frage:

1.) Die Verengungen der Nierenarterie: Bei den Betroffenen sind die Gefäße der Nieren oder nur einer Niere von einem krankhaften Prozess betroffen. Meist ist die Arteriosklerose der Hauptschlagader und der daraus abgehenden Nierenarterie die Ursache dafür, dass bestimmte Hormone in der Niere und Lunge ausgeschüttet werden und einen Bluthochdruck auslösen. Meist leiden ältere Menschen unter der sogenannten Nierenarterienstenose, die zusätzlich rauchen.
Pappmaske zum Schlafen (Quelle: rbb)
2.) Die Schlafapnoe: Betroffen sind vor allem übergewichtige Männer, sie schnarchen nachts unregelmäßig und haben dabei minutenlange Atemaussetzer. Die Schlafapnoe, deren Ursache eine Erschlaffung der Atemwege oberhalb des Kehlkopfs ist und unter der Millionen Deutsche leiden, geht mit heftiger Müdigkeit am Tag einher und mindert die Lebensqualität. Langfristig führt der Sauerstoffmangel zu einer Schädigung der Organe: Steigender Blutdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall können die Folge sein.
Grafik: Tumor (Quelle: rbb)
3) Seltener sind hormonproduzierende Tumore Grund für einen sekundären Hypertonus. So zum Beispiel das sogenannte Phäochromozytom. Der Nebennierenrindentumor produziert krankhaft viel Hormon wie Adrenalin und Noradrenalin. Die Folge ist, dass der Blutdruck sporadisch oder permanent erhöht ist und auf Medikamente nicht anspricht. Begleitend sind Kopfschmerzen, Schwindel, Herzrasen und Schwitzen typisch, eine blasse Haut, eine Blutzuckererhöhung und Gewichtsverlust möglich. Die Diagnose basiert auf den verdächtigen klinischen Symptomen.
Blatt mit Messwerten (Quelle: rbb)
Vor allem bei seltenen Formen der sekundären Hypertonie ist die Diagnostik häufig schwierig und aufwendig. Die Nierengefäßverengung erkennt der Arzt im Ultraschall. Das Schlafapnoe-Syndrom erfragt er über die Krankengeschichte. Beim Phäochromozytom liefern erste Hinweise eine Blut- und Urinuntersuchung, darin finden sich erhöhte Werte von Hormon-Abbauprodukten. Den Tumor in der Nebenniere kann der Arzt mithilfe der Kernspintomografie (MRT) sichtbar machen.
OP (Quelle: rbb)
Besteht der Verdacht auf eine sekundäre Hypertonie, sollten Betroffene zuerst zum Hausarzt gehen. Meist kümmert er sich um die Therapie der Grunderkrankung. Die Nierenarterienstenose kann durch die Einlage eines Stents therapiert werden. Der Blutdruck sinkt aber nur, wenn die Nieren nicht schon irreversibel zerstört sind. Im Falle eines Phäochromozytoms kann die minimal-invasive Operation helfen, bei der die Nebenniere gemeinsam mit dem Tumor entfernt werden. Im Fall einer Schlafapnoe bekommt der Patient die sogenannte CPAP-Maske. Sie bläst nachts kontinuierlich etwas Luft in die Nase und verhindert so die Atemaussetzer. Der Schlaf wird wieder erholsam, der Blutdruck sinkt.

Bleiben alle ersten Therapiemaßnahmen erfolglos, empfehlen Experten den Gang zum Hypertensiologen.

Filmbeitrag: Bert Ostberg
Infotext: Beate Wagner