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Herzinfarkte können dank schneller Erstversorgung und wirksamer Medikamente heute weit besser behandelt werden als vor 10 Jahren. Noch immer aber überleben 35 Prozent aller Betroffenen den Infarkt nicht. Und bei jedem zweiten Patienten folgt auf den ersten ein zweiter Infarkt.
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An der Charité werden derzeit verschiedene Studien mit Herzpatienten vorbereitet. Untersucht werden soll zum einen der Effekt der Behandlung mit der Herzhose bei Patienten mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko. In der zweiten Studie sollen Patienten mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) behandelt werden. Bei dem umgangssprachlich als Schaufensterkrankheit bezeichneten Leiden sind Arterien der Beine eingeengt. Auch hier soll untersucht werden, ob das passive Training mit der Herzhose die Entwicklung der entsprechenden Kollateralarterien fördern kann.
Für diese Studie mit Gefäßpatienten sucht die Berliner Charité noch Teilnehmer. Sollten Sie an einer Arteriosklerose der Gefäße leiden (Koronare Herzkrankheit), an der Schaufensterkrankheit (PAVK) oder auch einer zerebrovaskulären Erkrankung) können Sie sich per Mail melden unter ivo.buschmann@charite.de.
Mittlerweile wurde die erste Herzhose-Station Am Königin Elisabeth Krankenhaus Herzberge (KEH) eröffnet (www.herzhose.de). Dort können sich Patienten hinwenden, die an einer Behandlung interessiert sind. Demnächst wird es auch eine Herzhose-Station in Berlin-Mitte an der Charité geben.
Die Kassen übernehmen die Leistungen zwar noch nicht, aber es kann nach der normalen Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet werden, die z.T. von Kassen übernommen werden. Eine 60-minütige Trainingseinheit mit der Herzhose kostet gemäß Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ca. 150 Euro.
Die Havelhöher Herzschule
Die Havelhöher Herzschule wurde 1996 gegründet. Hier sollen Patienten mit koronarer Herzerkrankung, Herzklappen- erkrankungen oder im Anschluss an einen Herzinfarkt leichter lernen, die notwendigen Lebensstilveränderungen in ihr Leben zu integrieren. Denn immer wieder fallen selbst schwerst kranke Herzpatienten in alte, das Herz schädigende Verhaltensmuster zurück. Erst wenn sich neue, gesunde Lebensstilformen gefestigt haben und im Alltag integriert sind, können sie wirklich greifen.
Das Grundkonzept der Havelhöher Herzschule umfasst fünf Punkte:
1. Rauchstopp
2. Gesunde Ernährung
3. Bewegung
4. Entspannung und Umgang mit Stress
5. Offen sein für Begegnungen
Jedes Herzschuljahr beginnt mit einem einwöchigen Intensivseminar. Danach trifft man sich einmal in der Woche, immer montags, von 17 bis 21 Uhr im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe.
Die Kurse der Havelhöher Herzschule werden nicht von den Kassen bezuschusst. Die Herzschule finanziert sich aus Spenden und den Beiträgen der Teilnehmer. Der monatliche Beitrag ist 80 Euro (Jahresbeitrag als Einmalzahlung: 975 Euro). Die Teilnahme am Intensivseminar kostet weitere 900 Euro pro Person.
Bluthochdruck, eine der häufigsten Ursachen für Herzinfarkte
Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit. In Deutschland leiden 44 Prozent der Frauen und 51 Prozent der Männer unter Hypertonie. Der Hochdruck verdickt auf Dauer die Herzwand. Das Herz entspannt sich nur unvollständig und füllt sich nicht mehr ausreichend mit nähr- und sauerstoffreichem Blut. Das fehlt dann im Lungen- und Körperkreislauf. Schlecht durchblutete Organe und Luftnot sind die Folgen. Der hohe Druck verändert zudem große und kleine Gefäße; die Arteriosklerose verengt die Arterien. Daraus resultieren Schlaganfall, Herzinfarkt und Nierenversagen – hierzulande die häufigsten Todesursachen. Je höher die Werte im Durchschnitt sind, umso schlechter steht es um die langfristige Gesundheit. Auch der Puls spielt eine Rolle, also die Geschwindigkeit, mit der das Herz schlägt. Schwankt der stark, ist das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt deutlich erhöht.
Wichtigstes Diagnoseverfahren: die Blutdruckmessung mit der Armmanschette. Der untere, diastolische Wert wird gemessen, wenn das Herz entspannt ist, und der obere, systolische Wert, wenn das Herz unter Druck Lungen- und Körperkreislauf mit dem Lebenssaft speist. Die Werte sollten bei 90 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) sowie 140 mmHg liegen. Ein Millimeter Quecksilbersäule entspricht dabei dem Druck, der von einer Quecksilbersäule mit einem Millimeter Höhe erzeugt wird. Ein einzelner erhöhter Wert ist noch nicht krankhaft. Erst die 24-Stunden-Messung erfasst Tageszeit abhängige Blutdruckveränderungen und nächtliche Blutdruckspitzen.
Oft helfen schon ein paar Kilogramm weniger Gewicht, körperliches Ausdauertraining und die Verwendung von Kräutern statt Salz. Die Wirkung ist erstaunlich: Wer seinen Blutdruck um durchschnittlich zwei mmHg senkt, reduziert das Risiko für einen Schlaganfall um 10 Prozent. Bei wem nichtmedikamentöse Therapien zu wenig bringen, für den stehen verschiedene drucksenkende Wirkstoffe zur Verfügung. Eine erfolgreiche Hypertonie-Therapie (Bluthochdruck-Therapie) ist wie ein Maßanzug: Sie muss auf den einzelnen Patienten individuell angepasst werden.
Filmbeitrag: Angelika Wörthmüller
Infotext: Constanze Löffler
Buchtipp
Die Havelhöher Herzschule - Neue Perspektiven für Herzpatienten
von Annette Bopp, Andreas Fried, Ursula Friedenstab (Hrsg.)
Verlag: aethera im Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus, Stuttgart, 2009
ISBN-13: 978-3772-550430
Preis: 19,90 Euro
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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