rbb Fernsehen

rbbonline | Archiv Fernsehen

rbb Praxis
Rundfunk Berlin- Brandenburg

Mi 31.08.11 20:15

Medizin-Dokumentation: Das kranke Herz

Herzinfarkte können dank schneller Erstversorgung und wirksamer Medikamente heute weit besser behandelt werden als vor 10 Jahren. Noch immer aber überleben 35 Prozent aller Betroffenen den Infarkt nicht. Und bei jedem zweiten Patienten folgt auf den ersten ein zweiter Infarkt.

Seite 2 von 2

An der Charité werden derzeit verschiedene Studien mit Herzpatienten vorbereitet. Untersucht werden soll zum einen der Effekt der Behandlung mit der Herzhose bei Patienten mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko. In der zweiten Studie sollen Patienten mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) behandelt werden. Bei dem umgangssprachlich als Schaufensterkrankheit bezeichneten Leiden sind Arterien der Beine eingeengt. Auch hier soll untersucht werden, ob das passive Training mit der Herzhose die Entwicklung der entsprechenden Kollateralarterien fördern kann.

Für diese Studie mit Gefäßpatienten sucht die Berliner Charité noch Teilnehmer. Sollten Sie an einer Arteriosklerose der Gefäße leiden (Koronare Herzkrankheit), an der Schaufensterkrankheit (PAVK) oder auch einer zerebrovaskulären Erkrankung) können Sie sich per Mail melden unter ivo.buschmann@charite.de.

Mittlerweile wurde die erste Herzhose-Station Am Königin Elisabeth Krankenhaus Herzberge (KEH) eröffnet (www.herzhose.de). Dort können sich Patienten hinwenden, die an einer Behandlung interessiert sind. Demnächst wird es auch eine Herzhose-Station in Berlin-Mitte an der Charité geben.
Die Kassen übernehmen die Leistungen zwar noch nicht, aber es kann nach der normalen Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet werden, die z.T. von Kassen übernommen werden. Eine 60-minütige Trainingseinheit mit der Herzhose kostet gemäß Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ca. 150 Euro.

Die Havelhöher Herzschule

Die Havelhöher Herzschule wurde 1996 gegründet. Hier sollen Patienten mit koronarer Herzerkrankung, Herzklappen- erkrankungen oder im Anschluss an einen Herzinfarkt leichter lernen, die notwendigen Lebensstilveränderungen in ihr Leben zu integrieren. Denn immer wieder fallen selbst schwerst kranke Herzpatienten in alte, das Herz schädigende Verhaltensmuster zurück. Erst wenn sich neue, gesunde Lebensstilformen gefestigt haben und im Alltag integriert sind, können sie wirklich greifen.

Das Grundkonzept der Havelhöher Herzschule umfasst fünf Punkte:
1. Rauchstopp
2. Gesunde Ernährung
3. Bewegung
4. Entspannung und Umgang mit Stress
5. Offen sein für Begegnungen

Jedes Herzschuljahr beginnt mit einem einwöchigen Intensivseminar. Danach trifft man sich einmal in der Woche, immer montags, von 17 bis 21 Uhr im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe.
Die Kurse der Havelhöher Herzschule werden nicht von den Kassen bezuschusst. Die Herzschule finanziert sich aus Spenden und den Beiträgen der Teilnehmer. Der monatliche Beitrag ist 80 Euro (Jahresbeitrag als Einmalzahlung: 975 Euro). Die Teilnahme am Intensivseminar kostet weitere 900 Euro pro Person.

Bluthochdruck, eine der häufigsten Ursachen für Herzinfarkte

Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit. In Deutschland leiden 44 Prozent der Frauen und 51 Prozent der Männer unter Hypertonie. Der Hochdruck verdickt auf Dauer die Herzwand. Das Herz entspannt sich nur unvollständig und füllt sich nicht mehr ausreichend mit nähr- und sauerstoffreichem Blut. Das fehlt dann im Lungen- und Körperkreislauf. Schlecht durchblutete Organe und Luftnot sind die Folgen. Der hohe Druck verändert zudem große und kleine Gefäße; die Arteriosklerose verengt die Arterien. Daraus resultieren Schlaganfall, Herzinfarkt und Nierenversagen – hierzulande die häufigsten Todesursachen. Je höher die Werte im Durchschnitt sind, umso schlechter steht es um die langfristige Gesundheit. Auch der Puls spielt eine Rolle, also die Geschwindigkeit, mit der das Herz schlägt. Schwankt der stark, ist das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt deutlich erhöht.

Wichtigstes Diagnoseverfahren: die Blutdruckmessung mit der Armmanschette. Der untere, diastolische Wert wird gemessen, wenn das Herz entspannt ist, und der obere, systolische Wert, wenn das Herz unter Druck Lungen- und Körperkreislauf mit dem Lebenssaft speist. Die Werte sollten bei 90 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) sowie 140 mmHg liegen. Ein Millimeter Quecksilbersäule entspricht dabei dem Druck, der von einer Quecksilbersäule mit einem Millimeter Höhe erzeugt wird. Ein einzelner erhöhter Wert ist noch nicht krankhaft. Erst die 24-Stunden-Messung erfasst Tageszeit abhängige Blutdruckveränderungen und nächtliche Blutdruckspitzen.

Oft helfen schon ein paar Kilogramm weniger Gewicht, körperliches Ausdauertraining und die Verwendung von Kräutern statt Salz. Die Wirkung ist erstaunlich: Wer seinen Blutdruck um durchschnittlich zwei mmHg senkt, reduziert das Risiko für einen Schlaganfall um 10 Prozent. Bei wem nichtmedikamentöse Therapien zu wenig bringen, für den stehen verschiedene drucksenkende Wirkstoffe zur Verfügung. Eine erfolgreiche Hypertonie-Therapie (Bluthochdruck-Therapie) ist wie ein Maßanzug: Sie muss auf den einzelnen Patienten individuell angepasst werden.

Filmbeitrag: Angelika Wörthmüller
Infotext: Constanze Löffler

Buchtipp

Die Havelhöher Herzschule - Neue Perspektiven für Herzpatienten
von Annette Bopp, Andreas Fried, Ursula Friedenstab (Hrsg.)
Verlag: aethera im Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus, Stuttgart, 2009
ISBN-13: 978-3772-550430
Preis: 19,90 Euro

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 31.08.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Interview

Ärztin am Computer, Quelle: rbb

rbb PRAXIS Interview

Frauenherzen schlagen anders

Prof. Dr. Vera Regitz-Zagrosek, Leiterin des Instituts für Geschlechter- forschung in der Medizin (GiM) an der Charité-Universitätsmedizin Berlin, spricht über Unterschiede zwischen Frauen- und Männerherzen. _mehr

Experte im Studio:

Prof. Dr. med. Franz Xaver Kleber

Klinikum Ernst von Bergmann
Kardiologie, Angiologie und Konservative Intensivmedizin
Charlottenstr. 72
14467 Potsdam
Tel.: 0331 - 2416102
fxkleber@klinikumevb.de

Experten im Film:

Prof. Dr. med. Dietrich Andresen

Klinik für Innere Medizin
Kardiologie und konservative Intensivmedizin
Klinik Am Urban und Klinik im Friedrichshain
Dieffenbachstr. 1
10967 Berlin
Tel.: 030 - 1302 25 100
Email: dietrich.andresen@ vivantes.de

Prof. Dr. med. Gerhard Schuler

Klinik für Innere Medizin/Kardiologie
Herzzentrum Leipzig GmbH
Strümpellstr. 39
04289 Leipzig
Tel: 0341 - 865-0
Email: hzl@herzzentrum-leipzig.de

Prof. Dr. med. Christoph Herrmann-Lingen

FA für Innere Medizin /Psychotherapie
u. Psychotherap. Medizin
Abt. Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Uni-Medizin Göttingen
Von-Siebold-Str. 5
37075 Göttingen
Tel.: 0551 - 39-6707
Email: cherrma@gwdg.de

Dr. Dr. med. Andreas Fried

Internist/Kardiologe
Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe
Herzschule
c/o Sekretariat Kardiologie
Kladower Damm 221
14089 Berlin
Tel: 030 - 365 01 280 281

Dr. Thilo Borchardt, Prof. Wolfgang Schaper

Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung
Parkstraße 1
61231 Bad Nauheim
Tel.: 06032 - 7051 [www.mpi-bn.mpg.de]

PD Dr. med. I. Buschmann

Charité - Campus Mitte
Klinik für Innere Medizin mit Kardiologie, Gastroenterologie, Nephrologie
Laboratorien für Arteriogenese
Hessische Straße 3-4
10115 Berlin [www.herzhose.charite.de]

Herzhose Station

Berlin-Lichtenberg
Am Königin Elisabeth Krankenhaus Herzberge
Herzbergstraße 79
10365 Berlin
Tel: 0170 38 45 721
[www.herzhose.de]

Serviceadressen:

Deutsche Herzstiftung

Vogtstr. 50
60322 Frankfurt am Main
Tel.: 069 - 955128 0

Deutsche Gesellschaft für Angiologie

Luisenstr. 58 / 59
10117 Berlin
Tel.: 030 - 531 48 58 20 [www.dga-gefaessmedizin.de]

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/rbbpraxis/fernsehen/rbb__praxis_fernsehen/das_kranke_herz.html

Fenster schließen!